Gliederung  des  Lehrstofles.  419

denn  je  nach  dem  der  Umgrenzung  eines  kleinen  Teilgebiets  zugrunde  liegenden
Gedanken  wird  auch  der  Gang  bei  der  Behandlung  des  Lehrstoffs  wechseln.
Am  häufigsten  ist,  da  die  Oberflächengestalt  einer  Landeseinheit  der  meist  anzuwendende
  Gesichtspunkt  für  ihre  Heraushebung  aus  ihrer  Umgebung  ist,  von
Bodenformen  auszugehen,  dann  auf  den  Wasserabfluß  zu  kommen,  darauf  die
Witterung  zu  besprechen,  im  Zusammenhang  mit  alldem  endlich  Pflanzenund
  Tierwelt,  zuletzt  der  Mensch;  doch  ist  dieser  Gedankengang  bei  der  Behandlung
  eines  in  sich  abgerundeten  Gebiets  innerhalb  einer  Unterrichtsstunde
ebensowenig  der  allein  empfehlenswerte,  wie  die  Gliederung  der  Länder  nach
Rücksicht  auf  die  Geländeformen  die  einzig  mögliche  ist.  Die  Durchnahme
darf  auch  einmal  ganz  anders  zuwege  gehen,  kann  z.  B.  an  ein  vorgezeigtes
gutes  Bild  sich  anlehnen,  darf  auch  wohl  einmal  gleich  in  Verbindung  mit  dem
Entwerfen  einer  Skizze  erfolgen.  Weder  die  analytische  Lehrweise,  die  vornehmlich
  im  heimatkundlichen  Unterricht  ihre  Stelle  hat,  noch  die  synthetische,
die  im  Grunde  überall  zur  Herrschaft  gelangt,  wo  die  eigne  Anschauung  des
Schülers  fehlt,  ist  allein  richtig  oder  auch  nur  an  sich  zu  bevorzugen.  Wohl
aber  gilt  der  Grundsatz,  die  Lehrstunde  solle  ein  in  sich  abgerundetes  Ganze
darstellen.  Deshalb  ist  der  Lehrstoff  so  zu  gliedern  und  der  Gliederung  entsprechend
  zu  behandeln,  daß  besonders  in  unteren  Klassen  trotz  der  auf
Wiederholung  verwerteten  Zeit  die  Durchnahme  eine  wenn  auch  noch  so  kleine
landeskundliche  Einheit  darstellt.  In  höheren  Klassen  reicht  die  Fähigkeit  der
Schüler  weiter,  auch  durch  Zwischenräume  getrennte  Durchnahmen  als  Einheiten
  noch  aufzufassen.  Ob  es  sich  um  eine  niedrige  Klasse  handelt  oder  um
ein  minder  genau  zu  besprechendes  Land,  bei  weniger  eingehender  Durchnahme
können  die  für  die  einzelne  Unterrichtsstunde  anzusetzenden  Landschaftseinheiten
  größer  an  Umfang  sein,  wenn  sie  kleiner  an  Vertiefung  in  den  Stoff
sind.  Es  wechseln  also  die  Grundsätze  für  die  Gliederung  des  Lehrstoffis  und
die  Gesichtspunkte  für  seine  Behandlung  nicht  allein  nach  Rücksichten  auf
diesen  Stoff  selbst,  sondern  ebenso  ausgiebig  nach  Rücksicht  auf  Fassungskraft
und  Bedürfnis  der  Schüler,  so  daß  dieselbe  größere  Gebietseinheit  in  verschiedenen
  Klassen  nach  veränderter  Behandlungsweise  in  kleinere  Teile  gegliedert
  und  in  der  gleichen  Klasse  verschiedene  Länder  nach  veränderten
Maßstäben  eingeteilt  werden  können.  Stets  gleich  wichtig  ist  das  sorgfältige
Eingehen  auf  die  Lage  des  Landes.  Lage  ist  kein  rein  örtlicher  Formalbegriff,
sondern,  wie  Ratzel  sie  aufgefaßt  hat,  die  Summe  eines  reichen  Tatsacheninhaltes
  aus  allen  Gebieten  der  Erdkunde.  Vom  Umfassendern  zum  Engern
fortschreitend,  wird  aus  der  Beschreibung  der  Lage  eines  Landes  auf  der  Erdkugel,
  in  einer  bestimmten  Zone,  innerhalb  eines  gewissen  Erdteiles,  zwischen
benachbarten  Ländern  und  Meeren  von  ausgesprochner  Eigenart,  zwischen  angrenzenden
  Völkern  und  Staaten  von  ausgeprägtem  Charakter  Bedeutsamkeit
und  Wesen  der  zu  behandelnden  Gegend  gekennzeichnet.  Also  auch  ‘Lage’
ist  nicht  äußerlicher  Gedächtnisstoff,  sondern  innerliche  Verknüpfung  vieler
Einzeltatsachen,  von  denen  wiederum  bei  verschiednen  Erdgebieten  nicht  immer

das  gleiche  hervorzuheben  ist  und  die  auf  den  verschiedenen  Unterrichtsstufen
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