420  Laurz:  Der  erdkundliche  Unterricht.

nicht  mit  gleicher  Ausführlichkeit  und  gleicher  Vertiefung  in  den  Stoff  zu  behandeln
  sind.

Wenn  bei  der  Durchnahme  neuer  Stücke  erdkundlichen  Lehrstoffs  die
beiden  Haupterfordernisse  erfüllt  sind,  Erzielung  sinnfälliger  Gesamtbilder  und
Aufklärung  über  die  diese  Bilder  zustande  bringenden  Einzelheiten,  beides  unter
steter  Rücksicht  auf  Verständnis  und  Vorkenntnisse  der  Schüler,  dann  gilt  es,
deutliche  Überblicke  über  größere  Einheiten  des  Unterrichts  zu  erzielen,  wie
der  Wandrer  hohe  Punkte  aufsucht,  um  über  die  Plastik  der  Gegend  klar  zu
werden.  Solche  Zusammenfassungen  können  die  Einzelbelehrung  ebensogut
einleiten  wie  abschließen.  In  diesem  Fall  sind  sie  inhaltreicher  und  begegnen
reiferem  Verständnis,  in  jenem  bereiten  sie  die  Einzelbesprechung  besser  vor;
hier  kann  der  Schüler  vieles  selbst  finden,  dort  muß  mehr  vorgetragen  werden.
Der  Lehrer  entscheide  bei  jedem  Erdgebiet,  ob  es  zweckmäßiger  sei,  die  Teile
vor  dem  Ganzen  oder  dies  vor  den  Teilen  zu  betrachten.  Vielleicht  bleibt
Zeit,  beides  durchzuführen.  Ferner  hat  man  in  den  Wiederholungen  ein
Mittel,  um  die  für  die  systematische  Klarheit  über  ein  Erdgebiet  leicht  nachteiligen
  Folgen  der  Auflösung  dieses  Gebiets  in  kleine  gesonderte  Einzellandschaften
  zu  beseitigen.  Man  fasse  bei  der  Wiederholung  gleichartige  Erscheinungen
  gruppenweis  zusammen,  Gebirge,  Flüsse,  Staaten,  Städte,  ganz
wie  in  verflossenen  Zeiten  gleich  die  erste  Durchnahme  erfolgte.  Die  einmal
erzeugte  sinnfällige  Anschauung  der  Einzellandschaften  leidet  bei  Schülern  nicht
mehr,  wohl  aber  gewinnt  die  Wiederholung  unter  den  neuen  Gesichtspunkten
den  Reiz  einer  Neudurchnahme,  festigt  durch  andersgeartete  Gedankenverbindungen
  den  Wissensstoff,  gibt  dem  Lehrer  die  Möglichkeit,  Mißverständnisse
aufzudecken,  die  bei  mehr  oder  minder  wortgetreuer  Wiederholung  leicht  versteckt
  bleiben,  bereitet  die  Betrachtungsweise  der  Allgemeinen  Erdkunde  vor.
Auch  bei  diesen  systematisierenden  Wiederholungen  stellt  jede  neue  Klassenstufe
  einen  Neubau  des  Unterrichts  dar.  Auf  den  unteren  muß  die  Wiederholung
  möglichst  in  gleicher  Richtung  den  Lehrstoff  durchwandern  wie  die
Durchnahme;  sonst  verwirrt  sie  die  Kinder.  Auf  den  höheren  soll  sie  unter
neuen  Gesichtspunkten  frei  mit  den  Stoffe  schalten;  dann  klärt  sie  auf;  denn
der  jugendliche  Geist  wünscht  dauernd  zu  behaltende  Dinge  sich  in  sauberen
Klassifikationen  vorzustellen.  Der  Unterrichtsgang  halte  also  wie  bei  der  Durchnahme
  der  Einzelheiten  so  bei  Gesamtwiederholungen  von  vornherein  einen
wohldurchdachten  Plan  ein,  damit  der  Lehrstoff  nicht  unnütz  zerpflückt  werde
und  doch  die  Forderung  des  Schülers  nach  Rubrizierung  des  Einzelnen  erfüllt
bleibe.  Jedenfalls  hüte  man  sich  vor  Augenblickseinfällen  mit  weittragenden
Folgen  und  vor  Zufälligkeiten,  ohne  darum  überängstlich  am  einmal  gefaßten
Entwurf  für  die  Entwicklung  des  Lehrganges  oder  am  amtlichen  Lehrplane  zu
kleben.  Ein  plötzlich  eintretendes  Ereignis,  Finsternis,  Erdbeben,  Überschwemmung,
  Eröffnung  eines  neuen  Verkehrsweges,  Aufruhr  in  einem  Schutzgebiet,
  gebe  Anlaß  zu  anregender  Abschweifung  auf  ein  außerhalb  des  Pensums
liegendes  Feld  der  Länder-  oder  Allgemeinen  Erdkunde,  zugleich  zu  Verknüpfungen

früherer  Kenntnisse  mit  dem  neu  Durchgenommenen,  zu  Wiederholungen.