Lehrmittel.  423

tüchtige  Lehrer  leisten  viel  auch  mit  unbeholfenen,  mit  dem  Kopf  eines  Kindes
statt  des  Globus,  mit  Wandtafel  und  Kreide  statt  der  Wandkarte.  Früher  gab
es  wenig  gute  Lehrmittel,  jetzt  viel  vorzügliche;  deshalb  werden  sie  nun  häufig
in  ihrem  unterrichtlichen  Wert  überschätzt.

Das  Lehrbuch  beschränkt  die  Bewegungsfreiheit  des  Lehrers  und  benimmt  in
unserer  papiernen  Zeit  dem  Schüler,  der  gedruckten  Angaben  lieber  als  den  eignen
Augen  traut,  leicht  die  Lust  zu  selbständiger  Beobachtung.  Doch  es  erleichtert
die  gute  Wiederholung,  ermöglicht  unter  Umständen  schon  eine  Vorbereitung  auf
Neudurchnahmen  und  stellt  für  die  Schüler  einen  notwendigen  Ausgleich  zwischen
  den  oft  beträchtlich  voneinander  abweichenden  Anforderungen  und  Unterrichtseigenarten
  der  verschiedenen  Geographielehrer  dar,  deren  Unterweisungen
sie  im  Verlauf  ihrer  Schulzeit  genießen.  Ist  einmal  ein  Lehrbuch  eingeführt,
so  halte  sich  der  einzelne  Lehrer  daran,  auch  wenn  er  an  ihm  auszusetzen  hat,
hüte  sich  vor  allem,  seinen  vielleicht  berechtigten  Tadel  vor  den  Schülern  kundzutun,
  die  von  einem  Amtsgenossen  möglicherweise  auf  dasselbe  Buch  mit  Nachdruck
  verwiesen  sind.  Manche  Lehrbücher  sind  ausführliche  Lesebücher,  die  den
Lehrer  halb  ersetzen;  andere  sind  knappe  Leitfäden,  die  namentlich  den  Gedächtnisstoff
  enthalten  und  die  Übersicht  erleichtern;  noch  andere  bringen  viele
Fragen,  ja  bestehen  ganz  aus  ihnen,  um  den  Schüler  auf  den  Atlas  zu  verweisen,
  und  legen  Wert  darauf,  Lernbücher  darzustellen,  nicht  Lehrbücher.
Menge  und  Gruppierung  des  Stoffes,  Beigabe  von  Karten,  Profilen,  Bildern
sind  weitere  Unterschiede  Das  alles  erwirkt  eine  große  Mannigfaltigkeit  in
der  Art,  wie  das  Lehrbuch  zu  benutzen  ist.  Örtliche  Verhältnisse  werden  bei
der  Wahl  des  einzuführenden  Buchs  mit  ın  Betracht  kommen.  Deshalb  sei
hier  von  besonderen  Empfehlungen  oder  Warnungen  Abstand  genommen.  Aus
dem,  was  über  Auswahl,  Anordnung,  Behandlung  des  Lehrstoffs  gesagt  ist,  ergeben
  sich  die  Gesichtspunkte,  die  bei  der  Wahl  eines  Lehrbuchs  zu  berücksichtigen
  sind.

Wichtiger  ist  die  Karte.  In  ihr  Verständnis  muß  der  Schüler  sorgsam  an
der  Hand  des  Vergleichs  mit  der  Wirklichkeit  eingeführt  werden,  um  die  Bedeutung
  der  sinnbildlichen  Zeichen  und  Farben  wie  die  der  Maßstäbe  so  beherrschen
  zu  lernen,  daß  er  später  aus  Karten  umgekehrt  möglichst  viel  herauszulesen,
  sich  ein  rohes  Bild  des  dargestellten  Gebietes  zu  entwerfen  vermag.
Höhere  Klassen  bringen  die  Einführung  in  wirtschaftsgeographische,  geologische
Karten,  in  die  Projektionslehre..  Die  Wandkarte  mit  ihren  vergröberten  Zügen
ist  weniger  als  der  Atlas  zu  benutzen.  Sie  dient  der  Wiederholung  und  bleibt
auch  außerhalb  der  Erdkundestunde  noch  etwas  hängen,  um  dem  Schüler  das
Kartenbild  länger  vor  Augen  zu  halten.  Um  das  Örientierungsvermögen  der

Besprechungen  in  den  erwähnten  Büchern  von  Becker  und  Fischer,  in  H.  Trunk,  Die
Anschaulichkeit  des  geogr.  Unterrichts,  Leipzig  1902,  im  GA.  (Gotha,  J.  Perthes),  in  der
ZSchg.  (Wien,  Hölder),  im  Abschnitt  “Erdkunde?  von  Rethwischs  Jb.  (Berlin,  Weidmann),
auch  in  der  Zeitschrift  für  Lehrmittelwesen  und  pädagogische  Literatur,  herausgeg.  von
Franz  Frisch  (Wien,  Pichlers  Witwe  u.  Sohn)  und  in  der  Zeitschrift  der  Ges.  für
Erdk.  Berlin  (Mittler  u.  Sohn).