Fortbildung  des  Lehrers  der  Erdkunde.  425

der  Flächentreue,  besprechen,  und  das  Zeichnen  ins  Gradnetz  hinein  übt  die
Schüler  in  der  Benutzung  des  Netzes  auch  für  das  Auffinden  der  Örtlichkeiten
nach  Längen-  und  Breitenangaben.  So  hat  jede  Art  des  Skizzierens  Vor-  und
Nachteile,  und  es  ist  Sache  der  Lehrerfahrung,  für  welche  Fälle  die  eine  oder
die  andere  mehr  zu  empfehlen  ist,  ob  man  Skizzen  größerer  Gebiete  oder  nur
solche  von  kleinen  Teillandschaften  anfertigen  lassen  will.  Handfertigkeit  des
Lehrers,  seine  Herrschaft  über  die  Disziplin  in  der  Klasse,  Schulung  der
Zöglinge  durch  guten  Zeichenunterricht  und  ähnliche  Nebenumstände  fallen
oft  schwer  ins  Gewicht.  Keinesfalls  darf  in  der  Beurteilung  der  Leistungen
die  Kunstfertigkeit  der  Zeichnung  gegenüber  dem  erdkundlichen  Inhalte
der  Skizze  in  den  Vordergrund  gerückt  werden.  Man  lasse  auch  Profile  zeichnen.
Obwohl  der  Aufriß  einer  Landschaft  in  der  Wirklichkeit  den  Eindruck,  den  sie
auf  den  Beschauer  ausübt,  maßgebend  bestimmt,  wird  er  bei  ihrem  Abbild  auf
Zeichnungen  hinter  den  Grundriß,  also  der  Skizze,  beim  Unterricht  in  nicht
zu  rechtfertigender  Weise  zurückgesetzt.  Beim  Zeichnen  und  Besprechen  von
Profilen  gehe  man  auf  die  Frage  der  Überhöhungen  ein,  um  den  Schülern  die
Geringfügigkeit  der  Höhenunterschiede  gegenüber  den  Horizontalentfernungen
zum  Bewußtsein  zu  bringen.  Übrigens  gibt  es  auch  Reliefatlanten,!)  in  die
der  Schüler  Flußläufe,  Verkehrswege,  Siedelungen  einzeichnen  soll.  Ihre  Benutzung
  als  Grundlage  für  Skizzen  kommt  dem  Verständnis  für  die  Abhängigkeit
  dieser  Dinge  vom  Öberflächenaufbau  zugute.

Bilder,  gemalte  oder  photographierte,  große  für  die  ganze  Klasse  sichtbare
  oder  kleine  für  die  Hand  des  Schülers,”)  am  eindrucksvollsten  Lichtbilder,
ergänzen  ebenfalls  die  Karte.  Die  Bilder  sollen  Kunstwert  besitzen;  denn  Schüler
sollen  möglichst  nur  Gutes,  nur  Schönes  auf  der  Schule  zu  sehen  bekommen.
Im  erdkundlichen  Unterrichte  darf  jedoch  der  Schönheitswert  nicht  oberster
Richter  über  Auswahl  und  Besprechung  der  Bilder  sein,  sondern  der  Lehrwert.
Deshalb  biete  man  nur  wissenschaftlich  Unantastbares,  vor  allem  nur  Darstellungen
  wirklich  vorhandener  Landschaften,  Städte,  Völker,  nichts  Zusammengestelltes,
  Ausgedachtes.  Sammlungen  von  Steinen,  Naturerzeugnissen,  Münzen,
ethnographischen  Gegenständen,  vor  allem  die  Natur  selbst  auf  Wanderungen,
schließlich  Experimente  zur  Erläuterung  geologischer  Verhältnisse®)  sind  stets
zur  Belebung  des  Unterrichts  willkommen;  doch  darf  ihre  Verwertung  weder
in  Spielerei  ausarten  noch  die  Schulzucht  lockern.

Die  große  Vielseitigkeit  des  erdkundlichen  Unterrichts  bringt  einen  eifrigen
Lehrer  leicht  in  die  Gefahr,  durch  zu  bunten  Wechsel  der  Unterrichtsweise
dem  Lehrgange  die  Stetigkeit  und  Ruhe  zu  nehmen,  die  ein  erstes  Erfordernis
für  bleibende  Erfolge  ist.  Schüler  sollen  sich  nicht  vor  allem  gut  unterhalten,

N  Kunz,  Plastischer  Repetitionsatlas  über  alle  Teile  der  Erde.  Ilizach-  Mühlhausen,
Lehrmittelverlag  der  Blindenanstalt.

2)  Schwarz,  Vom  Bild  im  Geographieunterricht  (Verhandl.  d.  15.  deutsch.  Geographentages,
  Berlin  1905,  D.  Reimer)  und  Schwarz,  Die  Ansichtskarte  im  -  Geographieunterricht
(GA.  1904,  8.  150  ff.).

°®)  Schwalbe,  Das  geologische  Experiment  in  der  Schule  (ZPChU.  1897,  8.  217ff.).