440  Mörrze:  Rechnen  und  Mathematik.

alle  Staaten  des  Deutschen  Reiches  verbindlich  machte,  wurde  schließlich  der
Mathematik  ganz  allgemein  die  Stellung  eines  mit  den  alten  Sprachen  gleichberechtigten
  Faches  zugesprochen.

IL  UMFANG  UND  LEHRZIELE  DES  MATHEMATISCHEN  UNTERRICHTS
AN  DEN  HÖHEREN  SCHULEN  DEUTSCHLANDS
NACH  DEN  1904  GELTENDEN  BESTIMMUNGEN.

A.  Stundenzahl.

|  1

|  Gymnssien  !)  |  Realgymnasien  !)  |  hen  |  Realschulen  ?)
Preußen  .....
Braunschweig  .  .  |  84  |  42  47  92
Anhalt.  .....  —  28
Sachsen  .  .  .  .  .  _  80  +2  wahlfr.
Hossen.  ....  .  33  |  4  50  40
Bayern  .....  88  (einschl.  Physik)  |  38°)  (ohne  Physik)  —  N)  81)
Baden...  ...  |  38  |  39  45  30
Württemberg.  .  .  ||  38  |  69  |  83  ‚,  verschieden

B.  Lehrziele.®)

a)  An  den  Gymnasien.

Die  preußischen  Lehrpläne  von  1901  verlangen:
Sicherheit  und  Gewandtheit  im  Rechnen  mit  bestimmten  Zahlen,  besonders  auch
im  Kopfrechnen  und  in  der  Anwendung  dieser  Fertigkeiten  auf  die  gewöhnlichen  Verı)

  Der  Kursus  ist  ein  9  jähriger.  Die  Klasse  I  der  württembergischen  10  Klassen  ist
bei  den  angegebenen  Zahlen  nicht  berücksichtigt.

#7,  Anstalten  mit  6jährigem  Kursus.  In  Hessen  haben  die  Realschulen  7  Klassen  und
der  Lehrplan  ihrer  letzten  Klasse  stimmt  mit  dem  Plan  für  die  Obersekunda  der  Oberrealschulen
  überein.

°,  Die  Verordnung  vom  3.  September  1908  weist  6  Klassen  mit  26  Mathematikstunden
auf.  Die  6  Klassen  entsprechen  den  Klassen  U  III  bis  O  I  in  den  anderen  Staaten.  Die
Aufnahme  in  die  unterste  Klasse  (Klasse  4)  des  Realgymnasiums  tritt  nicht  vor  vollendetem
12.  Lebensjahre  ein  und  ist  von  dem  erfolgreichen  Besuch  der  3.  Klasse  eines  humanistischen
  Gymnasiums  oder  von  dem  Bestehen  einer  Prüfung  abhängig  gemacht.

“)  Die  Abiturienten  der  Realschulen  können  in  eine  Industrieschule  (München,  Nürnberg,
  Augsburg)  mit  zweijährigem  Kursus  eintreten.  In  der  mechanisch-technischen  und  in
der  bsutechnischen  Abteilung  dieser  Schulen  werden  im  ersten  Jahre  wöchentlich  7  Stunden
Mathematik  und  5  Stunden  darstellende  Geometrie  getrieben,  während  im  zweiten  Jahre
in  8  Wochenstunden  die  Differential-  und  Integralrechnung  gelehrt  wird.

®\,  Für  die  Schüler  der  5.  und  6.  Klasse  (O  III  u.  U  ID)  kann  eine  besondere  Handelsabteilung
  gebildet  werden,  in  der  Wechsel-  und  Effektenrechnung,  Arbitrage  und  Warenkalkulation
  zu  lehren  sind.

®,  In  diesen  Abschnitt  ist  auch  eine  Reihe  von  Bemerkungen  zur  Methodik  und  Didaktik
  aufgenommen,  welche  großenteils  schwebende  Streitfragen  berühren.  Eine  ausführlichere
  Methodik  und  Didaktik  gehört  nicht  in  den  Rahmen  der  vorliegenden  Arbeit.