488  Lannssena:  Biologie-BIOLOGIE.



Von  B.  LANDSBERG.

Wie  die  Schwesterwissenschaften  fand  auch  die  Biologie  spät  Berücksichtigung
  im  Unterrichte.!)  In  den  Schulordnungen  herrschte  bis  in  das  18.  Jahrhundert
  der  Geist  der  württembergischen  großen  Kirchenordnung  von  1559,  nach
der  die  Schule  es  nur  mit  der  Spracherlernung,  der  Religionslehre  und  der
Musik  zu  tun  hatte.)  Allerdings  wies  Johann  Amos  Comenius  (1571—1635)
einen  Weg  aus  den  Irrgängen  der  Scholastik  ins  Freie?)  Wie  sehr  aber  seine
Reform  der  Zeit  vorausgeeilt  war,  zeigen  seine  eigenen  Versuche,  die  Theorie  in
die  Praxis  umzusetzen,  zeigt  auch  die  gothaische  Schulordnung  von  1640.)
—  Im  Pietismus?)  erst  liegen  die  Wurzeln  des  Realschulwesens,  und  Rousseau
regte  die  Philanthropisten  zu  Versuchen  an,  die  einen  Realienunterricht  in
Comenius’  Geiste  vorbereiteten.®)

1)  Zur  Geschichte  vgl.:  Norrenberg,  Geschichte  d.  naturw.  Unterr.  a.  d.  höh.  Schulen
Deutschlands.  Leipzig  1904.  —  Erdmann,  Geschichte  der  Entwicklung  und  Methodik  der
biolog.  Naturw.  Kassel  u.  Berlin  1887;  E.  Schmidt,  Die  Entwickelung  des  naturg.  Unterr.
a.  höh.  Lehranst.  Berlin  1886;  Schwalbe,  Über  Gesch.  u.  Stand  d.  Methodik  i.  d.  Naturw.
Berlin  1877;  Kaeseberg,  Beitr.  z.  Gesch.  d.  naturw.  Unterr.  Dresden  1889;  Kießling  u.
Pfalz,  Alte  u.  neue  Meth.  d.  naturg.  Unterr.  Leipzig  1889.  Paulsen,  Gesch.  d.  gel.  Unterr.
Leipzig  1888.

»)  Vgl.  Rethwisch,  Deutschlands  höheres  Schulwesen.  Berlin  1898,  8.  5  u.  7.

°,  Er  betonte  den  allgemein  erziehlichen  Wert  des  “Sachunterrichte’,  begründete  eine
naturgemäße  Verwendung  der  Anschauung,  als  des  Ausgangspunktes  jeden  Unterrichts  und
führte  die  induktive  Methode  ein.  Vgl.  Lindner,  Johann  Amos  Comenius’  Große  Unterrichtslehre.
  2.  Aufl.  Wien  1886.

‘)  Dem  Reslienunterricht  lag  ein  Büchlein  zugrunde,  dessen  Paragraphen  nacheinander
  von  den  Kindern  so  oft  als  möglich  gelesen  werden  sollten.  Zwar  war  auch  die
Vermittelung  einer  unmittelbaren  Anschauung  vorgesehen,  immerhin  blieb  der  Sachunterricht
  an  den  Leseunterricht  geknüpft.

°,  Francke  verband  an  seinem  1695  gegründeten  Pädagogium  die  Naturwissenschaften
mit  einer  Art  Handfertigkeitsunterricht.  Ein  eigentlicher  Physikunterricht  wurde  etwas
später  eingerichtet.  Vgl.  Pahl  (Pr.  Charlottenburg  1904).

®)  Rousseaus  ‘Emil’  nahm  im  8.  Buche  teils  direkt  die  Behandlung  der  Naturwissenschaften
  in  Betracht,  teils  stellte  er  Grundsätze  auf,  die  später  darauf  bezogen
wurden.  Ihre  Verwirklichung  versuchte  Basedow  in  seinem  Philanthropin;  bedeutsamer
für  die  Methodik  der  Naturwissenschaften  wurde  aber  Salzmann,  der  Begründer  Schnepfenthals.
  Er  billigte  den  Betrieb  ‘aus  Utilitätsrücksichten  oder  zur  Unterhaltung’  nicht,  verlangte
  Unterricht  im  Freien,  Sammlungen  und  einen  Garten,  wo  die  Schüler  (nach  Campes