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genaueres  Bild  des  Unterrichtsganges  und  der  Lehrmethode  geben  Schulschriften

jener  Zeit.!)

Es  ist  bezeichnend,  daß  Roßmäßlers  um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts
angestellten  Erörterungen  über  Ziel  und  Aufgabe  des  ‘naturgeschichtlichen’
Unterrichts  und  seine  Forderungen  für  dessen  äußere  und  innere  Umgestaltung
zunächst  fast  wirkungslos  blieben.  Sein  ‘Lebens-  und  Sterbensmotto:  die  Natur
ist  weder  ein  Betschemel,  noch  eine  Vorratskammer,  noch  auch  eine  Studierstube,
sondern  sie  ist  unser  aller  gemeinsame  Heimat,  in  der  ein  Fremdling  zu  sein
jedermann  Schande  und  Schaden  bringt’;  seine  Äußerung,  er  könne  es  den
Gymnasien  nicht  verdenken,  wenn  sie  sich  sträuben  gegen  die  Naturwissenschaft
  in  der  ‘systematisch-technologischen  Form’,  welche  nicht  den  Geist  und
das  Herz,  sondern  bloß  die  Sorge  für  den  eigenen  leiblichen  Vorteil  in  Anspruch
  nimmt,  also  nimmer  imstande  ist,  wahre  Bildung  zu  fördern,  die  Naturwissenschaft
  habe  aber  auch  neben.der  realistischen  ihre  humanistische
  Seite,  und  diese  letztere  gehöre  auf  das  Gymnasium;  die  Art,
wie  er  diese  ‘wahre  Naturgeschichte’  in  seinen  vielen  populären  Schriften  zu
begründen  und  ihr  die  Türen  der  Schulen  zu  öffnen  versucht,  wie  er  empfiehlt,
im  Geiste  Humboldts  die  Natur  als  ein  durch  innere  Kräfte  bewegtes  und  belebtes
  Ganzes  aufzufassen,  wie  er  hinausführen  will  ‘aus  den  niedrigen  Schulstuben
  unter  den  blauen  Himmelsdom  ...,  an  den  unversieglichen  Born,  der
überall  auf  Wiesen  und  in  Wäldern,  im  Tale  und  auf  Höhen  quillt’:  dies
alles  hebt  Roßmäßlers  pädagogische  Persönlichkeit  scharf  aus  seiner  Zeit
heraus  und  unterscheidet  ihn  deutlich  von  Lüben.  Man  wird  zugeben  müssen,
daß  Lübens  naturwissenschaftliche  Methodik  die  seine  an  Schärfe  und  Bestimmtheit
  übertrifft,  ja  auch,  daß  sie  dem  kindlichen  Auffassungsvermögen
angemessener  ist,  und  wird  dennoch  bedauern,  daß  Roßmäßlers  Anweisungen
zu  innigerem  und  freudevollerem  Verkehr  mit  der  Natur  der  Schule  vorläufig
verloren  gingen.”)  Andere  in  jener  Zeit  und  später  einsetzenden  Reformbestrebungen
  trafen  weniger  den  Kern  der  Lübenschen  Didaktik  als  gewisse  Nebenfragen.)



1)  Interessant  ist  ein  Einblick  in  die  beiden  VD.  Westfalens  1884  und  1887  (8.
Erler  a.a.  O0.  8.  176).  Ein  Plan  von  Suffrian  war  den  einzelnen  Anstalten  mitgeteilt,
und  wurde  1834  besprochen.  Dieser  Plan  schlug,  ähnlich  dem  Lübenschen  (allerdings  nur)
8  Kurse  vor:  VIu.  V  Kenntnis  der  Arten,  IV  Entwicklung  des  Gattungsbegriffe,  III  Systemkunde
  mit  anschließender  Terminologie  und  Physiologie.  18387  wurde  dieser  unterdes  in
Dortmund  während  dreier  Jahre  durchgeführte  Plan  von  den  Konferenzen  und  von  der
Versammlung  begutachtet:  Er  sei  durchaus  naturgemäß.  Der  Sinn  und  die  Liebe  für  Naturforschung
  werde  durch  ihn  recht  eigentlich  geweckt  und  genährt,  genaue  Anschauung,
scharfe  Beobachtung,  bestimmte  Darstellung  ungemein  befördert,  überhaupt  der  Trieb  zu
wissenschaftlicher  Selbattätigkeit  und  zu  geistigem  Schaffen  vorzüglich  angeregt.

r)  R.s  Lehrpläne  waren  allerdings  praktisch  undurchführbar.  Vgl.  zu  dem  obigen
Schneider,  Natur  und  Schule,  das  Arbeitsfeld  E.  M.  Roßmäßlers.  NS.  II,  449  ff.

°)  So  bezeichnet  Wossidlo  (in  der  8.  VD.  Schlesiens  1888)  Lübens  didaktische
Regeln  als  “im  wesentlichen  noch  heute  gültig’  (a.  a.  O.  S.  99).  Lübens  Grundirrtum  sei
gewesen,  “daß  die  logischen  bzw.  systematischen  Begriffe  für  die  Gliederung  des  Unterrichte
  maßgebend  seien.”  Daher  stamme  such  der  Fehler,  den  Vergleich  erst  auf  der