Entwickelung  der  Methode.  497

Schulen  herrschte.  Was  aber  tatsächlich  die  Durchführung  solcher  weitgehenden
  Konzentrationsbestrebungen!)  mißlich  macht,  ist  der  Umstand,
daß  ein  jedes  Fach  seine  eigentümliche  Methode  hat,  daß  also  ihre  völlige
Verschmelzung  einen  fortwährenden  Wechsel  auch  der  unterrichtlichen  Methoden
zur  Folge  haben  würde.  Richtig  und  praktisch  wohl  durchführbar  erscheint  es
dagegen,  in  maßvoller  Ausübung  der  Konzentration,  der  Wissenschaft  selber
nachzuahmen.  Die  Biologie  hat  in  der  Pflanzen-  und  Tiergeographie  und  in
der  Physiologie  Unterdisziplinen,  die  ein  Eingehen  einerseits  auf  geographische,
andererseits  auf  physikalisch-chemische  Fragen  unerläßlich  machen.  Diese  Gelegenheit
  der  Verknüpfung  einfach  von  der  Hand  zu  weisen,  halte  ich  für  einen
Fehler,  den  allerdings  die  amtlichen  Lehrpläne  durch  die  Verteilung  der  naturwissenschaftlichen
  Disziplinen  selber  großgezogen  und  konserviert  haben.

Stärker  aber  als  die  Herbartsche  Pädagogik  machte  sich  für  die  Neubelebung
  unseres  Unterrichts  der  Umschwung  der  Anschauungen  bemerkbar,  den
die  wissenschaftliche  Forschung  selbst  unter  dem  mächtigen  Einfluß  der  Entwicklungshypothese
  genommen  hatte.  Matzdorff?)  sagt:  ‘Man  kann  deutlich
sehen,  daß  es  Darwins  Einfluß  gewesen  ist,  der,  wie  er  in  der  Wissenschaft  die
Biologie  neu  belebte,  auch  für  die  Schule  die  Anregung  zur  biologischen  Behandlung
  der  Tier-  und  Pflanzenkunde  gegeben  hat.’  ‘Man  legt,  und  mit  vollem
Recht,  auf  die  sog.  biologischen  Tatsachen  den  größeren  Nachdruck,  seitdem
H.  Müller  (Die  Befruchtung  der  Blumen  durch  Insekten  und  die  gegenseitigen
Anpassungen  beider,  Leipzig  1873)  an  einem  Beispiel  die  ungemeine  Fruchtbarkeit
  dieses  Lehrstoffs  gezeigt  hat”  —  Ebenso  wirkte  die  Umwandlung  der
Biologie  aus  einer  vorwiegend  beschreibenden  und  ordnenden  in  eine  ‘erklärende’
Wissenschaft  auf  die  Zielbestimmung  des  Schulunterrichts  ein.  Mit  größerem
Nachdruck  als  früher  wurden  die  Beziehungen  betont,  die  die  Biologie  zur
Weltanschauung  der  Zeit  hat.)

Zoologie  vorzubereiten?  (Naturw.  Wochenschr.  Neue  Folge  II,  865ff.)  und  Lüddecke,  Der
Beobachtungsunterricht  in  Naturwissenschaft,  Erdkunde  und  Zeichnen,  besonders  als  Unterricht
  im  Freien,  Braunschweig  1893  8.  22  ff.

!)  Kern  fordert  (Grdr.  der  Päd.  8.  83):  “Schon  auf  den  unteren  Stufen  sollen  Zoologie,
Botanik,  Minerslogie,  Physik  und  Chemie  den  Stoff  für  den  naturkundlichen  Unterricht  darbieten,
  keineswegs  aber  ala  selbständige  Fächer  auf  dem  Lehrplan  paradieren.  Es  wird
vielmehr  auf  jenen  Stufen  ein  einziges  Lehrfach  allen  naturkundlichen  und  geographischen
und  später  wenigstens  allen  naturkundlichen  Lehrstoff  zu  vereinigen  haben.”  Zopfs  Konzentrationsvorschläge
  (Der  naturwissenschaftliche  Gesamtunterricht  an  preußischen  Gymnasien
  beiderlei  Art,  Breslau  1887)  haben  zwar  vielfach  Beachtung  gefunden,  sind  auch  auf
Direktorenkonferenzen  erörtert  worden,  sind  aber,  soweit  ich  sehe,  nicht  zu  einer  weitergehenden
  Wirkung  gelangt.  Auf  ähnlicher  Bahn  bewegen  sich  Kollbach  und  Lüddecke.

»)  Matzdorff,  Über  lebende  Anschauungsmittel  im  naturw.  Unterrichte  (11.  Jahrb.  d.
Lessing-Gymnasiums,  Berlin  1898),  sehr  beachtenswert  auch  für  die  Geschichte  der  Methodik
  wegen  der  Fülle  der  Verweise.

5,  Hier  muß  besonders  Hermann  Müller  (Die  Hypothese  in  der  Schule  und  der  naturg.
Unterricht.  Berlin  1879)  genannt  werden.  Aufklärend  über  die  ihn  leitenden  didaktischen  Ideen
wirkt  ein  Vergleich  von  Müllers  Lehrplan  von  1865  mit  dem  von  1876.  Er  bemerkt  dazu  (die
Hypothese,  8.  20,  21),  er  habe  beim  Unterricht  nach  der  älteren  Methode  auf  den  oberen

Klassen  einen  sehr  auffallenden  Unterschied  in  dem  Interesse  der  Schüler  für  den  natur-Handbuch
  für  Lehrer  höherer  Schulen.  32