500  Lanpssera:  Biologie.

Köhne!)  sagt:  “Aufbau  und  Leben  der  Pflanzen  erklären  sich  aus  Vererbung
und  Anpassung,  deren  Betrachtung  untrennbar  ist  und  Hand  in  Hand  gehen  muß.
Da  aber  die  vererbten  Eigenschaften,  für  das  Verständnis  der  Pflanze  genau  so
wertvoll  wie  die  Anpassungen,  in  der  Morphologie  und  Systematik  zur  Geltung
kommen,  so  wüßte  ich  nicht,  warım  man  diesen  Abschnitten  der  allgemeinen
Botanik  eine  untergeordnete  Stellung  anweisen  sollte’  Aus  einer  ähnlichen
Überlegung  heraus  sagen  wir:?)  “Wie  das,  was  biologisch  vereinigt  ist,  systematisch
  sich  trennt,  wird  nebenher  im  Auge  behalten;  der  von  uns  eingeschlagene
Weg  führt  in  ungezwungener  Weise  zur  häufigen  Wiederholung  der  wichtigsten
  systematischen  Begriffe”  —

Es  ist,  so  setzen  demnach  die  amtlichen  Lehrpläne  mit  Recht  fest,
keine  Unterdisziplin  der  Biologie  von  dem  Unterricht  völlig  auszuschließen,
wenn  sie  auch  wegen  der  verschiedenen  Schwierigkeit,  die  sich  ihrem  Verständnis
  entgegensetzt,  zu  verschiedenen  Zeiten  und  in  ungleichem  Maße  Berücksichtigung
  verdienen.  Die  Aufgabe  der  Methode  muß  sein,  sie  alle  sinngemäß  zu
verknüpfen  und  schulgemäß  darzustellen.

Die  Zielaufgabe  des  Unterrichts,  in  ihrer  Totalität  zwar  unlösbar,  aber
doch  Richtung  und  Wege  angebend,  ist:  Die  Natur  als  ein  durch  innere
Kräfte  bewegtes  und  belebtes  Ganzes  aufzufassen.

Von  vornherein  suchen  wir  daher  die  Einzelorganismen,  als
Werke  und  Glieder  der  belebten  Natur,  in  ihrer  Umgebung  und  im
Wechselspiel  ihrer  Organe  den  Schülern  verständlich  zu  machen.
Je  mehr  und  mehr  soll  aber  auch  eine  Vorstellung  von  dem  Zusammenhang
zwischen  den  Lebewesen  und  Erscheinungen  angebahnt  werden.

So  bringt  die  zweite  Unterrichtsstufe  (nebenbei  bemerkt  auch  noch  die
dritte)  zwar  auch  Einzelbeschreibungen,  beutet  diese  aber  alsbald,  um
dem  Unterricht  ein  neues  und  höheres  Interesse  zu  geben,  zu  Gruppenbildungen
  aus.  Die  Gruppen  sind  sowohl  systematischer  wie  ökologischer
Natur,  denn  neben  der  beschreibenden  muß  auch  die  erklärende  Naturauffassung
ihre  Weiterbildung  finden,  nicht  nur  das  räumliche  Nebeneinander,  sondern  auch
das  kausale  Nacheinander  zur  Geltung  kommen.

Die  erstrebte  Einheit  der  Naturauffassung  liegt  nicht  nur  im  System,  sondern
auch  in  der  Auffassung  des  Naturlebens  als  einer  Einheit  (s.o.).  So  verlangt  die  Darstellung
  des  Geschehens  in  der  Natur  und  der  Entwicklung  der  Organismen  je  mehr
und  mehr  ihre  Rechte:  Die  dritte  zusammenfassende  und  überblickende
Unterriohtestufe  wird  also  als  Konzentrationsmittelpunkte  haben:  das
System  soweit  möglich  als  einen  Ausdruck  dessen,  wie  Leben  und
Entwicklung  der  gesamten  Organismenwelt  in  Vergangenheit  und
Gegenwart  sich  gestaltet  haben  (Köhne),  und  die  Physiologie  in  sinnüber

  den  Zweck  einer  Einrichtung  ermittelt  zu  haben;  dann  wird  man  gewiß  keinen  Spott
verdienen,  wenn  man  auch  nur  einen  kleinen  Teil  der  Wahrheit  auffindet.’
')  Köhne,  Pflanzenkd.  f.  d.  Unterr.  an  höh.  Lehranst.  Bielefeld  u.  Leipzig  1901,  S.IV.
”,  A.a.  0.  S.  VII.  Die  Ausführung  dieses  Leitsatzes  möge  der  Leser  im  Buche  selbst
nachprüfen.