502  Lunpseura:  Biologie.

neben  mancherlei  ethisch  wertvollen  Erkenntnissen,  auch  die  ästhetische  Bildung
zu  ihrem  Rechte  kommt.  Denn  das  verständnisvolle  Erfassen  der  Harmonie
zwischen  belebter  und  unbelebter  Natur  führt  zu  einem  freudevollen  Umgang
mit  ihr,  der  Quelle  allen  ästhetischen  Genießens;  außerdem  trägt  die  Gewöhnung,
Bilder  (Gruppen)  aufzufassen,  direkt  zur  ästhetischen  Erziehung  bei,  denn  auch
die  Kunst  stellt  denkend  geschaute  Ausschnitte  der  Natur  dar.  Höchst
beachtenswert  erscheint  in  diesem  Zusammenhang,  was  Fr.  Ratzel  (Über
Naturschilderung,  München  1904,  auf  S.  5)  fordert,  daß  auch  ‘die  Naturwissenschaften
  oft  die  Tiere  in  ihrer  natürlichen  Umgebung,  die  Pflanzen  in  ihrer
Gruppierung  zu  Wald,  Steppe  usw.’  beschreiben.  Ähnlich  äußerte  sich  Rosen
auf  der  Naturforscherversammlung  in  Breslau  1904.

Fern  liegt  es  mir,  jemanden  auf  den  dargelegten  Unterrichtsgang  “einschwören’
  zu  wollen;  man  betrachte  ihn  als  einen  Versuch,  einen  der  Wege
zu  zeigen,  die  zum  Ziele  führen.  Der  Leser  wird  in  dem  Literaturverzeichnis
reichlich  Andeutungen  finden,  sich  einen  anderen  seiner  Individualität  vielleicht
besser  zusagenden  Weg  auszugestalten.!)

1)  Des  beschränkten  Raumes  wegen  kann  ich  nur  in  einer  Anmerkung  und  andeutend
den  historischen  Zusammenhang  der  oben  dargelegten  Methode  nachweisen,  soweit  dies
nicht  schon  oben  geschehen  ist.  H.  Müller  (Progr.  Lippstadt  1876)  bezeichnet  als  Endziel
  des  gesamten  naturwissenschaftlichen  Unterrichts,  welches  die  einzelnen  Zielpunkte
  unter  einem  einzigen  höheren  Gesichtspunkt  zusammenfaßt,  “die  auf  eigener  Erkenntnis
  von  Naturgesetzen  begründete  Befähigung  und  Gewöhnung,  alle  Naturerscheinungen
als  notwendige  Folgen  unsbänderlich  waltenden  ursächlichen  Zusammenhangs  aufzufassen
und  den  jetzigen  Zustand  unserer  Erde  und  ihrer  Bewohner  als  Stufen  einer  fortdauernden
naturnotwendigen  Entwicklung  zu  begreifen.”  So  erscheinen  ihm  als  die  gebotenen  Stufen
des  Unterrichts:  1.  Bekanntschaft  mit  Formen  und  Lebenseigentümlichkeiten,  2.  Verständnis
von  Organisationseigentümlichkeiten  als  Anpassung  an  gewisse  Lebensbedingungen,  3.  Kenntnis
  individueller  Entwicklungsgeschichten  und  Verständnis  heutiger  Lebensformen  als  Produkte
  einer  geschichtlichen  Entwicklung.

Löw  (Did.  u.  Meth.)  betont  mehr  den  Wert  des  Erarbeitens  als  des  Wissens  und
unterscheidet  8  Stufen:  1.  Auffassung  von  typischen  Einzelformen  und  Lebensvorgängen,
2.  Bearbeitung  von  Reihen  nach  morphologischen,  systematischen  und  biologischen  Gesichtspunkten,
  3.  Betrachtung  der  Pflanzen-  und  Tierwelt  in  Beziehung  zum  Naturgenzen  und
zum  Menschen.  —  Kienitz-Gerloff  dagegen  (Meth.  usw.)  will  in  4  Stufen  die  Schüler
den  Weg  führen,  den  die  historische  Entwicklung  der  naturwissenschaftlichen  Kenntnisse
genommen  hat.  Während  hierdurch  die  ersten  beiden  Stufen  im  großen  und  ganzen  unverändert
  bleiben,  tritt  als  8.  Stufe  auf:  “Physiologisch-anatomischer  Kursus’,  als  4.:
‘Kryptogamischer  nnd  rexualphysiologischer  Kursus’.  Vgl.  auch  Remus,  Das  dynamologische
Prinzip.  Leipzig  1904.

Was  die  Gruppenbildung  nach  Ökologischen  Gesichtspunkten  anbelangt,
so  haben  schon  andere,  Löw  vor  allem,  vorgeschlagen,  die  Organismen  in  ihren  landschaftlichen
  Verbänden  darzustellen,  wie  sie  im  Walde,  im  offenen  Lande  usf.  zusammenleben.
Das  sind  nicht  Lebensgemeinschaften  im  Sinne  Junges,  wie  ich  sie  in  dem  “Hilfs-  und
Übungsbuch  f.  d.  bot.  Unterr.’  (Leipzig  1896)  nannte,  um  an  die  Verdienste  des  Mannes
zu  erinnern,  der  besonders  eindrucksvoll  die  Abhängkeit  der  Lebewesen  voneinander  und
von  physikalisch-chemischen  Bedingungen  für  den  Schulunterricht  verwertet  hat.  Es  handelt
  sich  vielmehr  um  das  Herausarbeiten  pflanzen-  und  tiergeographischer  Beziehungen
besonders  der  heimatlichen  Natur.  Einen  ähnlichen  Weg  hat,  wie  ich  aus  Löws  Besprechung
  meines  Buchs  (Jb.  1896)  und  aus  einer  persönlichen  Mitteilung  des  Verf.  ent-