504  Lannsemma:  Biologie.

solches  Lehrverfahren  spiegelt  sich  in  den  meisten  Lehrbüchern  wider.)  Die
Reihenfolge  und  Anordnung  der  Beobachtungsobjekte  wird  nach  den  Grade
der  Schwierigkeit  festgesetzt,  die  sie  der  Beobachtung  und  Erkenntnis  entgegensetzen.
  Pensum  der  Sexta  ist  allgemein  die  Durchnahme  einiger  großblumiger
Phanerogamen,  bzw.  einiger  Säuger  und  Vögel.”)

rn,  Die  Wertschätzung,  die  somit  ohne  Frage  der  Einzelbeschreibung  zukommt,  hat  in
der  Mehrzahl  der  Lehrbücher  dazu  geführt,  beinahe  den  gesamten  Lehrstoff  vermittels  der
Typenmethode  zur  Darstellung  zu  bringen.  Damit  wird  nach  zwei  Richtungen  hin  die
Unterrichtsarbeit  behindert:  Durch  die  den  Schülern  in  die  Hand  gegebenen  Einzelbeschreibungen
  schiebt  sich  das  Wort  vor  die  Sache,  und  es  wird  lahm  gelegt,  was  wir  pflegen
sollen:  die  Kunst  des  Beobachtens  und  induktiven  Schließens.  Die  allgemeinen  Ergebnisse
des  Unterrichts  sind  unübersichtlich  über  weite  Lehrgebiete  verstreut.  —  Mir  scheint  die
Frage  nach  einem  völlig  zweckentsprechenden  Lernbuch  der  Biologie  besonders  für  die
Unterklassen  noch  nicht  gelöst.  In  meinem  Lehr-  u.  Übungsbuch,  Leipzig  1901  suchte
ich  sie  zu  lösen  durch  Rückkehr  zur  Frageform,  die  schon  Löw  in  seinem  Methodischen
Üb.  Berlin  1876/76  angewandt  hatte,  dann  wieder  Pilling  in  ‘Lehrgang  des  botanischen
Unterr.’,  Gera  1892.  —  Köhne,  Pflanzenkde.  usw.  gibt  atatt  zusammenhängender  Darstellungen
  kurze,  durchgehend  numerierte  Sätze,  welche  unabhängig  von  den  übrigen  verstanden
werden  können.  Der  Lehrer  hat  nur  nötig,  die  Nummern  anzugeben,  welche  für  die  Wiederholungen
  von  Stunde  zu  Stunde,  also  für  die  Einzelbeschreibungen  nötig  sind,  während  für
größere  Repetitionen  die  logische  Zusammenstellung  im  Buche  vorliegt.  -—-  Mehrfach  ist
vorgeschlagen  und  hier  und  da  in  die  Praxis  eingeführt,  für  die  beiden  Unterklassen
gar  kein  Lehrbuch  zu  benutzen.

7,  Man  hat  zuweilen  diesem  Lehrgang  den  Vorwurf  der  Unnatürlichkeit  gemacht  und
den  Beginn  mit  Urtieren  und  niederen  Kryptogamen  empfohlen.  Früher  u.  8.  Tenckhoftt,
Zum  zoologischen  Unterricht,  65.  Progr.  des  G.  Theodorienum,  Paderborn  1889,  neuerdings
A.  Lang,  Zum  Programm  des  zoologischen  und  des  anthropologischen  Unterrichte  an  den
oberen  Mittelschulen  (Vortrag  vor  der  Züricher  Schulsynode  September  1908)  und  Pfannstiel,
  Der  biologische  Lehrplan  auf  genetischer  Grundlage,  NS.  III  3568.  Die  Begründung,
auf  diese  Weise  würden  die  einfachsten’  Organismen  auf  der  Unterstufe  zur  Behandlung
  kommen;  es  würden  zudem  erst  dann  manche  wichtige  Tatsachen  der  vergleichenden
Anatomie  und  Embryologie  der  Wirbeltiere  wirkliches  Verständnis  finden,  trifft  ersichtlich
nur  für  ein  reiferes  Alter  zu,  nicht  aber  für  9—10jährige  Knaben.  (S.  aber  S.  514  Anm.  2
u.  8.  517;  vgl.  dazu  NS.  IV  816.)  —  Selbst  der  schon  von  Lüben  und  später  von  anderen
eingeschlagene  Weg,  in  den  Kreis  der  ersten  Tiere  einige  niedere  Wirbeltiere  aufzunehmen,
ist  jetzt  beinahe  völlig  verlassen.

Ob  man  in  VI  vorwiegend  Holzgewächse,  als  das  dem  Kinde  nächstliegende  Beobachtungsmaterial,
  zur  Besprechung  wählen  soll  (Löw,  Kienitz-Gerloff)  oder  überwiegend
  Kräuter,  als  die  einfacher  gegliederten  Gewächse,  erscheint  uns  so  wichtig  nicht,
doch  sei  hervorgehoben,  daß  die  großen  Züge  des  Lebens  unserer  Bäume  (Laubentfaltung,
Blühen  und  Fruchttragen,  Laubfall  und  Einwinterung)  schon  aus  dem  vorschulpflichtigen
Alter  mitgebracht  werden,  also  ein  gegebenes  Bekanntes  sind,  an  das  anzuknüpfen  auf  VI
und  V  jedenfalls  nicht  ganz  versäumt  werden  sollte.  Fällt  ja  doch  auch  die  Unbekanntschaft
  der  meisten  Laien  mit  unseren  waldbildenden  Bäumen  als  ärgerlichster  Mangel  an
Pflanzenkenntnis  auf.

Gegen  die  Berücksichtigung  der  Haustiere  im  Anfangsunterricht  ist  geltend  gemacht
worden,  daß  diese,  durch  die  Kultur  zu  stark  abgeändert,  -weniger  deutlich  die  Beziehungen
zwischen  Bau-  und  Lebensbedingungen  aufweisen.  Trotzdem  sollten  sie  auf  VI,  als  dem  Kinde
nahestehende  Wesen,  mit  berücksichtigt  werden.  Als  “"Nächstliegendes’  bietet  sich  aber  der
Bau  des  eigenen  Körpers  dar,  in  den  W.B.Schmidtu.  Landsberg  (9.  506  Anm.  3)  propädeutisch
  schon  den  Sextaner  einführen,  was  sich  auch  aus  Gründen  der  Gesundheitslehre  empfiehlt.