508  Lanpseeee:  Biologie.

garten  nach  Stelz-Gredeschem  Muster  für  die  Großstadt,  wo  Ausflüge  naturgemäß
  zu  den  Seltenheiten  gehören,  vorzüglich  in  Betracht  zu  kommen.

Auch  was  die  Exkursionen  oder,  wie  man  mit  einem  voller  klingenden
Titel  sagt,  den  “Unterricht  im  Freien’  anbetrifft,  besteht  ein  auffälliges  Mißverhältnis
  zwischen  der  stark  angeschwollenen  Literatur!)  und  dem  praktischen
Betriebe.  Es  findet  sich  geradezu  jede  nur  mögliche  Stellungnahme  von
völliger  Verwerfung  der  Ausflüge  (Pfuhl)  bis  zu  beinahe  ausschließlichem
Unterricht  im  Freien.  Der  mittlere  Weg  wird  auch  hier  der  richtige  sein.  Es
gibt  eben  Beobachtungsarbeiten,  die  die  Verhältnisse  des  Klassenunterrichts  zur
notwendigen  Voraussetzung  haben,?)  ebenso  aber  solche,  die  nur  im  Freien  gemacht
  werden  können.  —  Über  das  Wie  und  Was  des  Unterrichts  im  Freien
kann  ich  mich  kurz  fassen.)  Die  Exkursion  darf  nie  in  eine  Vergnügungsfahrt
ausarten;  die  Disziplin  sei  fest,  trage  aber  doch  der  durch  die  neuen,  schöneren
Verhältnisse  des  Unterrichts  gehobenen  Stimmung  der  Schüler  Rechnung.  Der
Unterrichtsstoff  der  Exkursionen  bestimmt  sich  nach  dem  allgemeinen  Lehrgang
(vgl.  also  die  in  den  Lehrgang  der  Mittel-  und  Oberstufe  eingestreuten  Bemerkungen,
  besonders  auch  über  die  Beobachtung  ökologischer  Gruppen).  In
VI  können  Exkursionen  entweder  ganz  fehlen  oder  auf  die  nächste  Umgebung  des
Schulgrundstücks  beschränkt  werden.  In  V  aber  verlangen  oder  gestatten  schon
die  Bedingungen  der  Insektenbestäubung,  der  Zusammenhang  zwischen  Blattgröße

1)  Die  Notwendigkeit  “das  reiche,  unerschöpfliche  Buch  der  Natur’  unseren  Schülern
aufzuschlagen,  ist  oft  und  zu  allen  Zeiten  betont,  auch  neuerdings  wieder  in  der  Naturf.-Vers.
  1904,  s.  NS.  III  525.  Es  sind  vorwiegend  äußere  Hemmnisse,  die  diesen  Unterricht
noch  immer  nicht  zur  rechten  kräftigen  Entwickelung  kommen  lassen.  (Vgl.  dazu  Landsberg,
  Zur  Frage  der  unterrichtlichen  Ausflüge,  NS.  II  1561.)  —  In  H.  Müllers  Unterricht
waren  Ausflüge  ein  “integrierender  Teil’  (vgl.  Pr.  Lippstadt,  Rg.  1865);  ebenso  legt  Löw
großes  Gewicht  auf  ihre  schulgemäße  Einrichtung.  Auf  der  VD.  Pommern  1873  hat  man
sich  für  sie  erklärt;  gelegentlich  der  VD.  Schleswig-Holstein  1895  ist  eine  Heimatkunde
  dieses  Landes  zum  Zweck  des  naturw.  geogr.  Unterrichts  und  der  unterrichtlichen
Ausflüge  ausgearbeitet  worden.  —  Rupp,  Naturw.  Exkursionen  (27.  Jb.  des  Gymn.  Linz
1878)  schildert,  was  alles  auf  ihnen  beobachtet  werden  kann.  H.  Wendt,  Über  Schülerexkursionen
  mit  besonderer  Rücksicht  auf  größere  Städte,  Berlin  1885,  zieht  auch  Erdkunde,
Geschichte,  Mathematik,  Sprachkunde,  Zeichnen  und  Singen  in  den  Kreis  derselben.  Ähnlich,
  wenn  auch  nicht  einen  so  großen  Kreis  der  Fächer  berücksichtigend,  Lüddecke
(8.  S.  496  Anm.  5)  und  neuerdings  Flatt,  Basel,  Klassenausflüge  mit  Unterr.  im  Freien  usw.
(NS  II  212).  Kossenhaschen  in  Jever  verlegte  wenigstens  den  größten  Teil  des  biol.
Unterr.  ins  Freie.  (NS.  IV  97!)  —  Auf  die  Notwendigkeit  einer  besseren  Vorbildung  der  Lehrer
für  den  Exkursionsbetrieb  machen  besonders  Lüddecke,  Dahl  und  neuerdings  Schuberg
aufmerksam.  (Vgl.  Anm.  5  auf  S.  496  u.  NS.  V  49  u.  104.)  —  Meine  “Streifzüge  durch  Wald
und  Flur’  (Leipzig,  3.  Aufl.  1902)  sind  durchweg  auf  dem  Boden  der  Erfahrung  erwachsen,
die  ich  in  mehr  als  20  jährigem  Unterricht  auf  Exkursionen  gemacht  habe.

?,  Wollte  man  selbst  (wie  Lüddecke)  eine  Wandtafel  mit  Gestell  mit  ins  Freie  nehmen,
—  wie  schafft  man  dann  den  Schülern  den  sicheren  Platz  für  Zergliederungen  und  Zeichenübungen,
  wie  vor  allem  die  Geschlossenheit  und  Ruhe  des  Schulraumes?

®,  Vgl.  die  ang.  Literatur!  Über  die  äußere  Einrichtung  der  Exkursionen  habe  ich
mich  genauer  ausgesprochen  in  ‘Unterricht  im  Freien’,  ZMNU.,  25.  Jg.  S.  241ff.,  über  den
Stoff  im  ‘Hilfs-  u.  Übungsbuch  für  den  bot.  Unterr.’,  in  den  ‘Streifzügen’  und  in  deren
Begleitbroschüre  “Einkehr  oder  Umkehr?’