Ausflüge.  Herbarium.  Zeichnen.  509

und  -form  und  Standortsbedingungen,  die  Samenverbreitung,  Laubfall  und  Einwinterungserscheinungen
  vorbereitendebzw.  abschließende  Beobachtungen  im  Freien.

Die  viel  erörterte  Frage,  ob  die  Führung  eines  Herbariums  (wie  es  Löw
und  später  Bail  verlangten)  als  obligatorische  Leistung  gefordert  werden  darf,
erscheint  nicht  von  prinzipieller  Wichtigkeit.  Immerhin  belastet  diese  Art
häuslicher  Vorbereitung  nicht,  gibt  eine  gute  Übung  der  Hand  und  des  Auges,
erhöht  die  Beobachtungsfähigkeit  und  erzieht  zu  einer  sorgfältigen  Behandlung
des  gelieferten  Beobachtungsmaterials.')

Das  Zeichnen  fand  im  biologischen  Unterricht  seit  alters  Beachtung,”)
neuerdings  ist  man,  und,  wie  es  scheint,  mit  Aussicht  auf  Erfolg,  an  der  Arbeit,
hierfür  eine  angemessene  Methode  zu  finden)  Ohmanns  i.  d.  Anm.  erwähnte
Einwände  gegen  das  biologische  Zeichnen  stützen  sich  vorwiegend  auf  das  Verfahren
  und  die  Erfolge  der  älteren  Methode  des  eigentlichen  Zeichenunterrichts.
  Jetzt  sucht  man  aber  schon  auf  der  Anfangsstufe  das  Erfassen  der
allgemeinen  Form,  das  Abstrahieren  von  Einzelheiten  und  den  Mut  der  skizzenhaften
  Wiedergabe  zu  erziehen,  nähert  sich  also  in  alledem  einer  Methode,  die
auch  im  biologischen  Unterricht,  allerdings  teilweise  schon  auf  einer  früheren
Stufe,  angewandt  werden  muß.  Im  Anschluß  an  die  neuesten  Bestrebungen
auf  dem  Gebiete  des  Zeichenunterrichts  versucht  man  das  Modellieren  als  Vorstufe
  auch  des  biologischen  Zeichnens  zu  verwenden.*)

1)  Recht  gut  verwendbar  sind  dafür  und  für  Zeichnungen  Krausbauers  ‘Naturkundliche
  Schülerhefte’,  Leipzig  1900,  die  gleichzeitig  die  Möglichkeit  gewähren,  den  Lehrbuchtext
  für  die  Einzelbeschreibungen  entbehrlich  zu  machen.  (Vgl.  Anm.  1  auf  $.  504.)

°)  Schon  Min.-Verf.  aus  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jh.  empfehlen  es.  Vogel  (Pr.  Königsst.
Rg.  Berlin  1894)  warnt  aber  davor,  die  Naturgeschichts-  in  eine  Zeichenstunde  “ausarten’  zu
lassen.  Ohmann  (Progr.  Humboldtgymn.  1899)  und  ähnlich  Köhne  (Repetitionstafeln,  e.  u.)
verwerfen  frühzeitige  Zeichenübungen,  die  nur  Karikaturen  zutage  förderten.  —  Anleitung
zur  zweckentsprechenden  Stellung  von  Zeichenaufgaben  bringen:  Löw  (Meth.  Übungsbuch),
Stoltz  (Der  abschließende  biol.  Unterr.  Pr.  Ruhrort  .Rg.  1889),  Reichenbach  (Ziele  und
Wege),  Bugge  (Über  das  Zeichnen  als  Hilfsmittel  beim  ng.  Unterr.  Pr.  Landeshut  Rg.  1902),
Kienitz-Gerloff  (Meth.  S.  59—61  u.  68—67).  Vorlagen  dafür  bieten:  Eichler  (Blütendiagramme.
  Leipzig  18756),  Schönichen  (80  Schemabilder  aus  der  Lebensgeschichte  der
Blüten.  Braunschweig  1902  und  Pr.  des  Schöneberger  Rg.  1902),  Stelz  u.  Grede,  Leit
faden  der  Pflanzenkunde,  Leipzig;  2  erklärende  Farbenskizzen;  Vogel-Ohmann  (Zoologische
  Zeichentafeln.  Berlin,  Winckelmann),  Köhne  (Repetitionstafeln  für  den  zool.  Unterricht.
  Berlin,  Müller)  —  die  beiden  letztgenannten  aber  noch  wesentlich  zu  vereinfachen;
Schönichen  (Zoologische  Schemabilder.  Stuttgart,  Nägele  1904;  vorläufig  erschienen:
Protozos,  Coelenterata,  Echinodermata);  Zeichenskizzen  für  den  Unterr.  in  der  Nk.,
herausg.  vom  Bezirkslehrerverein  München  bei  Kellerer,  vgl.  Engleder,  NS.  IV  21.

®,  Eine  richtige  Auswahl  und  Behandlung  der  Zeichenaufgaben  (Blattumrisse,  Blütenstände,
  Blütenlängs-  und  -querschnitte  für  die  erste  Stufe),  macht  für  den  botanischen  Unterricht
  kaum  Schwierigkeiten,  größere  für  den  zoologischen.  Doch  hat  E.  Wagner  (Über
das  Zeichnen  im  ng.  Unterr.  NS.  1  29)  gezeigt,  wie  ein  mit  der  denkenden  Betrachtung  des
Objekte  verknüpftes  Zeichnen  auch  hier  hübsche  Erfolge  zeitigen  kann.  Franken  (Warum,
wann  und  wie  im  nk.  Unterr.  gezeichnet  werden  muß.  NS.  III  94)  verknüpft  die  biologische
Betrachtungsweise  mit  der  Stellung  und  Entwickelung  der  Zeichenaufgabe.  Das  “Gedächtniszeichnen’
  empfiehlt  Möbuß,  NS.  IV  337.

*)  Derartige  Versuche  werden  z.  B.  in  der  Seminarübungsschule  in  Jena  und  von