610  Lanpssera:  Biologie.

B.  Mittelstufe.

Eine  neue  Zielstellung  erhält  der  Unterricht  der  Mittelstufe  in  der  Aufgabe,
Ordnung  in  die  Menge  von  Einzelerkenntnissen  zu  bringen.  Nun  ‘weist
aber’,  wie  Willmann  (Did.  II,  254)  sagt,  ‘das  Einzelwesen,  der  nächste  Gegenstand
der  Betrachtung,  nach  zwei  Richtungen  über  sich  hinaus:  einerseits  auf  die  Wesen
der  nämlichen  Familie,  Art,  Gattung,  und  andererseits  auf  solche  Wesen,  mit
denen  es  vermöge  seiner  Lebensbedingungen  in  Beziehung  steht.  Die  erstere
Richtung  führt  auf  das  naturwissenschaftliche  System,  die  letztere  auf  die
natürlichen  Lebenseinheiten;  beide  haben  für  die  Forschung  ihren  Wert’
Gruppenbildung  kann  nur  aus  zweckmäßig  gewählten  und  behandelten  Einzelbeschreibungen
  hervorgehen,  und  durch  Vergleiche  erarbeitet  werden.  Abteilungen
  der  Blütenpflanzen,  deren  typische  Vertreter  auf  dieser  Stufe  erst
analysiert  werden  können,  sind:  Kätzchenträger  und  einige  andere  zweiblattkeimige
  Windblütler,  Gräser,  Riedgräser,  Binsen  und  Rohrkolbengewächse.  Daneben
  werden  einige  Pflanzen  von  ausgesprochenem  Insektenblütlertypus  (etwa
Arum  oder  Aristolochia  und  Orchideen)  und  Übergangsformen  zwischen  Insekten-
  und  Windblütlern  nicht  fehlen  dürfen.  Endlich  sind  gewisse  Lebenserscheinungen
  der  Pflanzen  durch  zusammenfassende  Beobachtungen  zum  Verständnis
  zu  bringen  und  einige  physiologische  Beobachtungen  und  Versuche
anzustellen.!)  Alle  Einzelbeschreibungen  und  Beobachtungen  unterscheiden  sich
von  denen  der  Unterstufe  dadurch,  daß  sie  ihr  deutliches  Ziel  in  der  Aufstellung
von  Gruppenbegriffen  haben.

Manche  systematischen  Begriffe  drängen  sich  der  Auffassung  von  selber
auf  (Röhrenblüte,  Schmetterlings-  und  Lippenblüte  —  Raubtier,  Huftier  u.a.  m.).
Ähnlich  steht  es  mit  einigen  ökologischen  Sammelbegriffen  (Trocken-,  Sumpf-,

Pappenheim  (Gr.  Lichterfelde)  angestellt.  Vgl.  auch  Pabst,  NS.  IV  386!  Jede  Fertigkeit,
  die  Hand  und  Auge  übt,  kommt  am  letzten  Ende  auch  der  wissenschaftlichen  Erkenntnis
  zugute.  Zudem  bildet  sie  ein  gutes  Gegengewicht  zu  der  an  unseren  höheren
Schulen  überwiegenden  Kopfarbeit.  —  —  Nebenbei  sei  erwähnt,  daß  die  Plastolin  genannte
Knetmasse  in  der  Hand  des  Lehrers  zur  Veranschaulichung  schwieriger  Formverhältnisse
recht  geeignet  ist.  Vgl.  W.B.  Schmidts  Mitteilung,  NS.  I  72.

1)  Kletternde,  windende,  rankende  Pflanzen,  Schlafstellungen  der  Blätter  und  Blüten,
andere  Reizbewegungen;  fleischfressende  Pflanzen,  phanerogaıne  Schmarotzer  und  Halbschmarotzer,
  Fäulnispflanzen.  —  Aufzucht  von  Pflanzen  in  Blumentöpfen  oder  im  Schulgarten
  von  der  Keimung  bis  zur  Fruchtreife,  makroskopischer  Nachweis  der  Gefäßbündel
und  ihrer  Funktion  (Versuch  mit  Eosinfärbung  und  Ringelungsversuch),  makroskopischer
Nachweis  der  Spaltöffnungen  und  Versuche  über  die  verschiedene  Transpirationsgröße  verschiedener
  Pflanzen,  Bestäubungsrersuche,  Beobachtungen  über  Lichteinwirkungen.  —  Anleitungen
  zur  Anstellung  pflanzenphysiologischer  Schulversuche  findet  man  bei  Detmer,
Das  kleine  pflanzenphysiologische  Praktikum.  Jena  1904;  Schleichert,  Anleitung  z.  bot.
Beob.  u.  pflanzenphys.  Experimenten.  Langensalza;  Pfuhl,  Der  Unterricht  in  der  Pfikde.
Leipzig;  Oels,  Pflanzenphysiologische  Versuche  für  die  Schule  zusammengestellt.  Braunschweig;
  Kienitz-Gerloff,  Methodik.  Die  Ztschr.  Natur  u.  Schule  wendet  diesem  wichtigen
  Gegenstand  fortgesetzt  Aufmerksamkeit  zu.  —  Es  ist  selbstverständlich  und  auch  oben
angedeutet,  daß  nur  ein  Teil  der  in  dieser  Literatur  angegebenen  Versuche  auf  der  Mittelstufe
  angestellt  werden  kann.