Mittelstufe.  Einzelbeschreibung  und  Gruppenbildung.  511

Wasser-,  Schattenpflanze,  Insektenblütler;  Lauf-,  Kletter-,  Schwimmausrüstung
u.a.ım.).  Hierauf  kann  der  Unterricht  weiterbauen.  Es  wird  nicht  nur  gelingen,
einige  Familien,  sondern  auch  umfassendere  Gruppen  zur  Auffassung  zu  bringen:
Apetale  (S.512  Anm.  2),  Choripetale,  Sympetale  und  weiter  Einblatt-  und  Zweiblattkeimer.
  Dagegen  verbietet  sich  eine  wirkliche  ‘Übersicht  über  das  System  der
Blütenpflanzen’  durch  die  Schwierigkeit,  die  natürliche  Verwandtschaft  der  einzelnen
  Familien  zu  erkennen.  In  der  Zoologie  aber  kann  sehr  wohl  eine  Übersicht
  des  Systems  der  Wirbeltiere  schon  auf  dieser  Stufe  ersrbeitet  werden.

Vielfach  und  aufs  ausführlichste  ist  die  Frage  behandelt  worden,  ob  man
mit  den  engeren  (Art,  Gattung)  oder  mit  den  weiteren  systematischen  Begriffen
(Familie,  Ordnung)  anzufangen  habe  Man  kann  diese  Frage  jetzt  wohl  als
gelöst  ansehen,  ja  mit  Thome6  (a.  u.)  behaupten,  ohne  Linne  und  Lüben
hätte  der  Unterricht  wohl  nie  so  einseitig  den  Weg  von  Art  zur  Gattung  zur
Familie  eingeschlagen.  Der  richtige  Weg  ergibt  sich  aus  der  größeren  oder
geringeren  Faßlichkeit  der  systematischen  Begriffe.!)

Wert  erlangt  die  Systematik  erst  dadurch,  daß  sie  uns  in  der  Anordnung
der  Organismen  ihren  Stammbaum  aufzuzeichnen  versucht.  Es  ist  bekannt  genug,
daß  gerade  die  Studien  über  die  verwandtschaftlichen  Beziehungen  der  Blütenpflanzen
  zu  den  schwierigsten  in  der  Botanik  gehören,  es  ist  also  ohne  weiteres
klar,  daß  diese  streng  wissenschaftlichen  Untersuchungen  nicht  Gegenstand  des

ı)  Löw  (Der  bot.  Unterr.  Bielefeld  u.  Leipzig  1876)  verwirft  die  Lübensche  Methode
als  Auseinanderreißen  ‘verschiedener  Schritte  der  Abstraktion,  die  notwendig  zusammengehören’,
  meint  aber,  eine  allgemeine  Regel  für  das  einzuschlagende  Verfahren  lasse  sich
nicht  geben,  da  manchmal  die  Art-,  manchmal  die  Familienmerkmale  leichter  aufzufinden
seien.  H.  Müller  (Pr.  Lippstadt  1865)  erklärt  es  dagegen  für  eine  notwendige  Anpassung
an  das  natürliche  Bedürfnis  des  jugendlichen  Geistes,  die  großen  Familienstämme  des  Tierund
  Pflanzenreiches  früher  ableiten  zu  lassen  ale  die  engeren  systematischen  Begriffe.
Reichenbach  (Pr.  Adlerflychtschule  1892)  nimmt  schon  in  V  Familien  durch;  Wossidlo
(VD.  Schlesien  1888,  S.  108)  will  ebenfalls  den  Familienbegriff  vorausgehen  lassen;  Ahnlich
  Thome,  der  Korref.  d.42.  VD.  (Rheinprovinz  1898.  S.  90)  u.a.  Interessant  ist  die
Beobachtung,  daß  manche  neueren  Methodiker,  die  mehr  oder  minder  dem  Lübenschen
Stufengang  treu  bleiben,  auch  die  unterrichtliche  Verwertung  des  Linnöschen  Systems  für
notwendig  halten.  So  Köstler  (Pr.  Naumburg  1884),  Krug  (Pr.  Rg.  Barmen  1894),  Vogel
(Pr.  Königst.  Rg.  Berlin  1894).  —  Merkel  in  der  Naturf.-Vers.  1904  empfiehlt  (wie  Reinke
8.  0.)  die  Systematik  tunlichst  zurücktreten  zu  lassen  (NS.  III  523).  —  Köhnes  (Pfikde.
S.  V)  betont  das  methodisch  Wichtigste:  “Hinsichtlich  der  Ableitung  der  systematischen
Begriffe  möchte  ich  den  Grundsatz  aufstellen,  daß  man  nicht  in  schematischer  Weise  aus
ein  paar  Arten  die  Gattungsmerkmale,  aus  ein  paar  Gattungen  die  Familienmerkmale  usw.
entwickele,  sondern  daß  man  mit  der  Ableitung  derjenigen  Begriffe  beginne,  die  sich  dem
Schüler  am  leichtesten  aufdrängen.”  Das  seien  die  Merkmale  einiger  größerer  Familien,
die  Merkmale  der  Mono-  und  Dikotylen,  der  Archichlamydeen  und  Sympetalen,  der  Unterschied
  der  Sporen-  von  den  Blütenpflanzen,  keineswegs  aber  die  Gattungsmerkmale.  Zu
betonen  ist  noch,  daß  die  Schulsystematik  zwar  die  wissenschaftliche  Nomenklatur  braucht,
sie  aber  möglichst  wenig  als  Memorierstoff  behandeln  sollte.  Deutsche  Pflanzennamen
und  tunlichst  auch  deutsche  systematische  und  morphologische  Terminologie!  (NS.  III  837.)
Wo  von  dieser  Regel  in  diesen  Blättern  abgewichen  ist,  liegen  besondere  Gründe  vor,  der
Wunsch  nach  allgemeiner  Verständlichkeit  oder  Übernahme  der  Bezeichnungen  aus  den
angegebenen  Quellen.