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Schulunterrichts  sein  können.  Nun  sagt  aber  Reinke,  der  vor  einem  Übermaß  der
Systematik  eindringlich  warnt  (MhS  I],  445):  wenn  die  Schule  vergleichende
Morphologie  und  Physiologie  treibe,  so  ergeben  sich  die  großen  Umrisse  der
Klassifikation  von  selbst.  Auf  solchem  Wege  könnten  und  sollten,  meinen  auch
wir,  nicht  nur,  wie  schon  lange  gebräuchlich,  die  großen  Abteilungen  der  Ein-  und
Zweiblattkeimer  gewonnen,  sondern  auch  die  Beziehungen  in  Betracht  genegmmen
werden,  die  zwischen  Apetalen,  Choripetalen,  Sympetalen  einerseits  und  Windbzw.
  Insektenbestäubung  andererseits,  zwischen  Diöcie  und  Dichogamie  einerseits
und  der  Vermeidung  der  Selbstbestäubung  andererseits,  zwischen  Nektarlosen  und
Nektarblumen  und  den  besonderen  Einrichtungen  für  Insektenbestäubung  usw.
bestehen.  Ähnliche  Beziehungen  können  auch  zwischen  Blütenbau,  Fruchtbildung
  und  Samenverbreitung  aufgedeckt  werden.  Auf  diesem  Gebiete  hat  die
Schulsystematik  noch  eine  reiche  und  gewinnbringende  Arbeit  vor  sich.!)  —
Hiermit  ist  implicite  schon  die  Frage  nach  der  Wahl  des  dem  Unterricht  zugrunde
  zu  legenden  Systems  beantwortet.  So  berechtigt  es  ist,  vom  Lehrer  zu
verlangen,  daß  er  sich  eine  gewisse  Vertrautheit  mit  der  systematischen  Forschung
  erwirbt  oder  bewahrt,  so  sehr  mit  Unrecht  stellt  nicht  selten  die  Kritik
die  Anforderung,  daß  die  botanischen  Schulbücher  durchaus  das  derzeit  neueste
und  von  der  Wissenschaft  am  meisten  gebilligte  System  zugrunde  legen?)  —
Daß  nur  wenige  große  Familien  durchgearbeitet  werden  können,  daB  keineswegs
ein  Wortwissen  hier  erstrebt  werden  darf  (wie  früher  wohl  manchmal  empfohlen
  wurde),  ergibt  sich  aus  dem  Grundsatz,  daß  überall  im  biologischen
Unterricht  das  Erarbeiten,  nicht  das  Erlernen  der  Begriffe  von  Wert  ist.
‘Aufgeben  und  Abhören’  ist  in  jederlei  Unterricht,  ganz  besonders  aber  im  Beobachtungsunterricht
  “eine  lumpige  Methode’.

Im  Interesse  der  Systemkunde  können  auch  die  Bestimmungsübungen
verwandt  werden)  Wenn  die  Familiendiagnose  wenigstens  in  der  Hauptsache

!)  Einen  sehr  beachtenswerten  Versuch  nach  dieser  Richtung  hat  Worgitzky  gemacht,
  vgl.  “Blütenbiologie  und  Systematik’,  NS.  II  81  usw.  Zur  sachlichen  Belehrung  sei
ferner  hingewiesen  auf  Knuth,  Handbuch  der  Blütenbiologie.  Leipzig;  Kerner  v.  Marilaun,
  Pflanzenleben.  Leipzig  u.  Wien  1891;  Ludwig,  Lehrbuch  der  Biologie  der  Pflanzen.
Stuttgart  1895;  aber  auch  auf  Worgitzkys  kleines,  reizendes  Büchlein  “Blütengeheimnisse’.
  Leipzig  1901;  Kirchner,  Löw,  Schröter,  Lebensgeschichte  der  Blütenpflanzen
Mitteleuropas.  Stuttgart  1904,  im  Erscheinen  begriffen.

”)  So  spricht  sich  auch  Kienitz-Gerloff  (Meth.  S.  186)  aus,  .der  z.  B.  auseinandersetzt,
  daß  die  von  der  Wissenschaft  mit  Recht  verworfene  Abteilung  der  Apetalen  von  der
Methodik  ebenso  mit  Recht  beibehalten  wird.  Er  rüt  dem  Lehrer,  auf  diesem  (Gebiet  den
Kampf  zwischen  seinem  wissenschaftlichen  und  methodischen  Gewissen  unbedingt  zugunsten
des  letzteren  zu  entscheiden.

9,  Müller,  wie  wohl  alle  Lehrer  jener  Zeit,  übte  das  Bestimmen  “ausgiebig  nach
Leunis’,  Wossidlo  will  es  beschränken.  Schullerus  dagegen  (vgl.  Anm.  1  8.  496)  möchte
dem  ganzen  Unterricht  ein  Lehrbuch  in  Tabellenform  zugrunde  legen.  Buchenau  (Zwei
Abschnitte  a.  d.  Praxis  d.  bot.  U.  Pr.  Bremen  Rsch.  beim  Doventor  1890)  und  im  Anschluß
an  ihn  Löw  (Did.  S.  46,  47)  betonen  mit  Recht,  daß  ein  völlig  freies  Bestimmen  einer  beliebigen
  einheimischen  Pflanze  einen  über  die  Grenzen  des  Schulunterrichts  hinausgehenden
Grad  dee  botanischen  Wissens  voraussetzt.  Hiermit  verglichen  gewährt  wohl  R.Hertwig