Mittelstufe.  Systematik.  Bestimmungsübungen.  Ökologische  Gruppen.  5613

erarbeitet  ist,  kann  man  den  Schülern  die  Aufgabe  stellen,  eine  Anzahl  Vertreter
  dieser  Familie  zur  nächsten  Stunde  mitzubringen.  Schon  die  durch  gemeinsame
  ‚Arbeit  erlangte  Aufdeckung  der  hierbei  gemachten  Fehler  ist  bildend.
Eine  zweite  Gelegenheit  zu  etwas  anders  gearteten  “"Bestimmungsübungen’  bietet
die  ökologische  Gruppenbildung.  Haben  die  Schüler  —  nach  vorangegangener
  Anweisung  auf  einer  Exkursion  —  Pflanzen  eines  bestimmten  Standorts
  in  die  Klasse  mitgebracht,  so  wird  dort  die  Aufgabe  gelöst,  deren  Familienzugehörigkeit
  festzustellen.  Dabei  beschränkt  man  sich  jedoch  vorteilhaft  auf
Pflanzen  der  wenigen  großen  schon  bekannt  gewordenen  Familien.)

Auch  der  ökologischen  Gruppenbildung  ist  (wie  wir  8.  510  sahen)  im  Unterricht
  vorgesrbeitet.  So  liegt  nun  nichts  näher,  als  die  Schüler  auf  die  natürlichen
Standorte  selbst  oder  in  den  Schulgarten  zu  führen.  Jene  Eigenschaften,  die  verwandtschaftlich
  verschiedenen  Pflanzen  ein  ähnliches  Gewand  geben,  stellen  sich
dort  am  eindringlichsten  dar.  Die  Beobachtung,  daß  den  Pflanzen  verschiedene
Mittel  zur  Verfügung  stehen,  die  Ungunst  der  Standortsverhältnisse  zu  ertragen,
daß  ‘Flüchtlingen’  aus  einer  Pflanzengemeinde  eine  neue  Erscheinungsform  durch
die  veränderten  “unnatürlichen’  Lebensbedingungen  aufgedrückt  wird,  schaffen
schon  bei  der  Beobachtung  in  der  Natur  die  Gesichtspunkte,  nach  denen  der
Klassenunterricht  in  eine  vertiefte  Behandlung  der  Pflanzengruppen  der
Heimat  eintreten  kann.  Hier  werden  Art  und  Wirkung  der  Anpassung  und
Gliederung  der  Anpassungsformen  genauer  studiert,  hier  treten  auch  die  oben
erwähnten  systematischen  Untersuchungen  in  ihre  Rechte.?)

(in  Verworns  Beiträgen  usw.  Jena  1904  und  NS.  III  681)  den  zoologischen  Bestimmungsübungen
  einen  zu  breiten  Raum.  (Vgl.  auch  NS.  III  548.)

ı)  Weiter  als  hiermit  angedeutet  kann  das  Gymnasium  seine  Schüler  nicht  führen.
Die  Realanstalten  können  wohl  noch,  wie  Löw  (a.  a.  O.)  vorschlägt,  Arten  derselben  Gattung,
Gattungen  derselben  Familie  wirklich  bestimmen  lassen,  und  so  wenigstens  einzelne  Schüler
zu  der  privaten  Benutzung  einer  Flora,  von  denen  eıne  Anzahl  in  der  Schüälerbibliothek
bereit  gestellt  werden  sollte,  anleiten.  Das  Linnösche  System  erscheint  uns  auch  als  Schlüssel
zur  Auffindung  der  Gattungen  entbehrlich  und  könnte  völlig  aus  dem  Schulleben  verschwinden.
  (Vgl.  Buchenau  a.  a.  O.,  aber  auch  Hansen  u.  Fitschen,  NS.IV  213  u.  264.)

8°,  Es  handelt  sich  —  und  das  erscheint  wesentlich  —  bei  diesen  physiologischen  Beobachtungen
  nicht  um  zufällig  gewonnene  Einzeleindrücke,  sondern  um  nach  bestimmten
Gesichtspunkten  erarbeitete  bildartige  Ausschnitte  aus  dem  Gesamtleben  der  Natur.  Dies
eben  ist's,  was  ihnen  eine  gewisse  Dauer  verleiht.  Man  vergleiche  hierzu  die  pr.  Lehrpl.
8.  65:  “Naturwissenschaftliche  Exkursionen  werden  die  Möglichkeit  gewähren,  die  Lebenserscheinungen
  der  Tier-  und  Pflanzenwelt,  die  gegenseitige  Abhängigkeit  und  die  Lebensgemeinschaften
  beider  der  Anschauung  und  dem  Verständnis  der  Schüler  nahe  zu  führen.’
Detmer  (in  Verworns  Beitr.)  legt  auf  die  Behandlung  von  Lebensgemeinschaften  großen
Wert  und  möchte  bei  erweitertem  biologischen  Unterricht  das  “Lebensbild’  Garten  in  VI,
die  Lebensgemeinschaft  Roggenfeld  in  O  ID,  einige  typische  Pflanzenformationen  im  Anschluß
  an  Exkursionen  in  OI  durohgenommen  wissen.  (Vgl.  dazu  NS.  III  5481)  DaB  aber
bis  zur  höchsten  Unterrichtestufe  Exkursionen  ähnlichen  Inhalte  hohes  Interesse  erwecken,
  weiß  ich  aus  persönlicher  Mitteilung  von  Prof.  Dr.  K.  Fricke.  (Vgl.  auch  seine
Programmarbeit,  S.  21,  22.)

Eine  ausführliche  Darstellung  der  Behandlung  solcher  “Lebensgemeinschaften’  habe
ich  im  *Hilfs-  und  Übungsbuch’  gegeben.  Gräbners  ‘Botanischer  Führer  durch  Norddeutschland’,
  Berlin,  führt  in  die  Kenntnis  der  Vegetationsformationen  ein.  Coßmann-Handbuch

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