514  Laupssene:  Biologie.

Die  Mittelstufe  der  Gymnasien  ist  von  der  der  Realanstalten  mehr  als  im
botanischen,  in  der  Verteilung  des  zoologischen  Lehrstoffs  verschieden.
Die  Besprechung  der  Wirbeltiere  ist  dort  für  V  angesetzt,  hier  bis  zur  IV  ausgedehnt
  und  wird  in  O  III  noch  einmal  wiederholt.  Daher  kann  größeres  Gewicht
  auf  die  Erarbeitung  vergleichend  anatomischer  Tatsachen  gelegt
werden,  was  in  dem  badischen  Lehrplan,  der  dieses  Kapitel  für  U  III  ansetzt,
direkt  verlangt  wird.)  —  Neben  der  systematischen  Gruppenbildung
dürfte  aber  auch  die  ökologische  nicht  vernachlässigt  werden,  um  so  weniger,  als
der  Geographieunterricht  der  folgenden  Klasse  die  außereuropäischen  Erdteile
und  die  Kolonialgeographie  zur  Lehraufgabe  hat.  Die  größeren  oder  kleineren
ökologischen  und  systematischen  Gruppen  der  Säuger  und  Vögel  decken  sich
vielfach  miteinander,  und  selbst  wo  eine  systematische  Gruppe  mehrere  biologische
  umfaßt,  lassen  sich  beide  Arten  der  Anordnung  sehr  wohl  und  mit
sehr  erwünschter  Wirkung,  besonders  auch  für  die  Festigung  der  systematischen
Begriffe,  vereinen.  Wo  könnte  denn  auch  eine  neue,  über  die  biozentrisch
behandelte  Einzelbeschreibung  hinausweisende  Zielstellung  besser  gefunden
werden,  als  darin,  daß  man,  die  Natur  nachahmend,  mehrere  Tierarten  zusammen
in  denjenigen  Abschnitt  des  Erdganzen  stellt,  in  den  sie  gehören,  der  ihre
gemeinsame  Heimat,  der  Schauplatz  ihrer  Lebensverrichtungen  und  die  gemeinsame
  Ursache  ihrer  Anpassungen  ist.)  Das  Gymnasium  hat  (auf  V)  weniger
Zeit  für  Gruppenbildung.  Immerhin  können  auch  hier,  indem  der  Stoff  der
Einzelbeschreibungen  schnell  zur  Bildung  allgemeiner  Begriffe  verarbeitet  wird,
die  wichtigsten  vergleichend  anatomischen  Begriffe  gewonnen  und  Blicke  eröffnet
  werden  auf  das  Tierleben  in  Wald  und  Steppe,  am  und  im  Wasser.

Eine  andere  Ergänzung  der  in  den  ökologischen  Pflanzengemeinden  gewonnenen
  Gruppenbilder  findet  durch  die  Berücksichtigung  des  Insekten-Höcks

  Deutsche  Schulflora,  Breslau,  bezeichnet  die  geographische  Zugehörigkeit  der
Pflanzen  durch  Randzeichen.  Zum  weiteren  Studium  seien  empfohlen:  Warming,  Ökologische
  Pflanzengeographie.  Berlin  1896;  Schimper,  Pflanzengeographie  auf  physiologischer
  Grundlage.  Jena  1898;  Höck,  Grundzüge  der  Pflanzengeogr.  Breslau  1897.

ı)  Bastian  Schmid  in  Unterr.-Bl.  f.  M.  u.  Nat.  1901  und  Ruska  (Die  Wirbeltiere.
Pr.  Heidelberg  O.-Rech.  1902)  schlagen  die  Durchnahme  dieses  Tierkreises  in  aufsteigender
Reihenfolge  vor.  Dabei  kommen  die  Erscheinungen  des  Blutkreislaufs  und  ihr  Zusammenhang
  mit  der  Art  der  Atmung,  mit  dem  Übergang  zum  Luftleben,  zur  klaren  Auffassung,
der  Bau  des  Extremitäten-  und  Rumpfskeletts  wird  in  seiner  physiologischen  Bedeutung
besser  verstanden,  ja  das  ganze  Verhältnis  zwischen  Grundbauplan  und  Anpassung  erscheint
durchsichtiger.  Manches  aber,  wie  z.  B.  die  embryonale  Kiemenbogenentwickelung  im
Kreise  der  Wirbeltiere,  ist  auf  dieser  Stufe  entschieden  zu  schwer.  Man  wird  überhaupt
guttun,  besonders  bei  Wahl  des  aufsteigenden  Lehrgangs,  vor  allem  Zuviel  an  vergleichend
anatomischem  Stoff  und  damit  vor  einer  zu  großen  Anähnelung  an  den  Universitätsunterricht
  sich  zu  hüten.  Wegen  der  sehr  wichtigen  biogeographischen  Beziehungen  dürfen  besonders
  die  Säuger  nicht  zu  kurz  kommen.

*)  Ich  möchte  das  nicht  ins  einzelne  ausführen,  da  dies  in  Schmidt-Landbergs
“Hilfs-  und  Übungsbuch’  geschehen  ist.  —  Von  weiterer  Literatur  seien  genannt:  Haacke-Kuhnert,
  Das  Tierleben  der  Erde.  Berlin;  Kobelt,  Verbreitung  der  Tierwelt.  Leipzig
1902;  Heck  in  ‘Das  Tierreich”.  Neudamm.  Vgl.  im  übrigen  die  Einleitung  unseres
Buches.