Mittelstufe.  Zoologie.  Ökologische  Gruppen.  Insekten.  515

lebens  bei  Exkursionen  statt.!)  Der  Unterricht  in  der  Insektenkunde
erlangt  überhaupt  durch  die  ihn  bedingenden  äußeren  Verhältnisse?)  und  durch
den  Unterrichtsstoff  besondere  Wichtigkeit  und  eine  eigenartige  Methode.?)  Nach

1  Vgl.  Pr.  Lehrpl.  S.  66:  “Einzelne  Teile  der  Zoologie,  z.  B.  die  Lehre  von  den  Insekten,
  können  auch  im  Sommer  behandelt  werden.”  Wieweit  der  Lehrer  in  der  Benutzung
  der  hiermit  gebotenen  Gelegenheit  gehen  will,  hängt  mit  der  ganzen  Pensenverteilung
  zusammen.  Am  meisten  eignet  sich  das  niedere  Tierleben  des  Wassers  dazu,  das
Vielerlei,  das  der  Beobachtung  geboten  wird,  in  eine  gewisse  Ordnung  zu  bringen.  (Vgl.
dazu  Hilfs-  und  Übungeb.  Bot.)  Es  ist  auch  keine  übel  angewandte  Zeit,  wenn  man  eine
kleine  Auslese  dieser  vielgestaltigen  Tiergemeinde  alsbald  in  der  Klasse  in  ruhiger  und  vertiefter
  Behandlung  vorführt.  Gleich  empfehlenswert  ist  es  aber,  sie  im  Schulaquarium
für  den  winterlichen  zoologischen  Unterricht  zu  züchten.  —  Das  ist  natürlich  nicht  das
einzige  Kapitel  der  Insektenbiologie,  das  bei  Exkursionen  zur  Beobachtung  kommt;  vgl.
vielmehr  wegen  der  Stoffauswahl  Landsberg,  Streifzüge;  Smalian,  Grundzüge  der  Pflanzenkunde.
  Leipzig  1908  und  Dahl,  Das  Tierleben  im  deutschen  Walde.  Jena  1902.  Eine
unerschöpfliche  Quelle  der  eigenen  Belehrung  und  Anregung  ist  noch  immer  Gustav
Jägers,  Deutschlands  Tierwelt.  Stuttgart  1874.

8)  Lebendes  Anschauungsmaterial  fordert  Matzdorff  (vgl.  8.497  Anm.  2),  ähnlich  schon
früher  Reichenbach  (vgl.  S.496  Anm.  1).  Neben  Aquariuın  und  Terrarium  wird  neuerdings
  ein  Formikarium  nach  Lubbockscher  oder  Wasmannscher  Art  empfohlen.  Dunkles,  aufdeckbares
  Wohnnest,  helles  Fütterungsnest  und  die  verbindenden  Laufröhren  sind  seine  wesentlichsten
  Teile.  (Vgl.  NS.IV  61u.IV  800.)—  Praktische  Anweisung  für  Beschaffung  und  Demonstraetion
  des  entomologischen  Beobachtungsmaterials  gibt  Mädge  (Pr.  Elberfeld  O.  Rech.  1890)
und  Vitus  Graber  (Über  d.  zool.  Unterr.  an  d.  österr.  Mittelschulen.  Wien  1889).  —  Man
sollte  von  allen  Insektenordnungen  eine  Art  oder  Gattung  möglichst  in  allen  Entwickelungsstufen
  und  in  so  zahlreichen  Exemplaren  beschaffen,  daß  jedem  Schüler,  ähnlich  wie  im
botanischen  Unterricht,  ein  Exemplar  zur  Untersuchung  überwiesen  werden  kann.  Einige
Arten  werden  der  Zergliederung  wegen  (s.  u.)  in  Spiritus  oder  Formalin  aufbewahrt,  andere
gespannt.  Jeder  Schüler  bringt  in  die  Klasse  einen  großen  Kork  mit,  auf  dem  das  Insekt
festgesteckt  wird,  dazu  Pinzette  und  Präpariernadeln.  Mit  diesen  primitiven  Mitteln  ist  ein
sauberes  und  schonendes  Untersuchen  der  Insekten  möglich;  erwähnt  sei  aber,  daß  sog.
‘Insektenkapseln’  zu  nicht  hohem  Preise,  auf  Wunsch  schon  mit  den  Insekten,  von  Besser,
Dortmund,  und  Buchhold,  München-Berlin,  vertrieben  werden.  —  Von  einigen  großen  Insekten
  machen  einzelne  Schüler  zu  Hause  gerne  Dauerpräparate,  auf  Pappe  oder  Glasstreifen
aufgestellt.  Bei  all  diesen  Untersuchungen  aber  lasse  man  sich  von  dem  Gedanken  leiten,  daß
auf  dieser  Stufe  ein  Zuviel’  in  ethischer  Beziehung  mehr  schaden  kann,  als  er  in  wissenschaftlicher
  nützt.  —  Insektensammlungen  und  Biologien  sind  von  allen  Naturslienhandlungen
leicht  zu  beziehen.  Aber  eigenes  Sammeln  und  Präparieren  kann  such  hier  wenigstens
ergänzend  eintreten.  (Vgl.  Dankler  in  NS.  II  129  usw.  und  über  Sammlungen  im  allgemeinen:
  Pleyel,  Die  Schulsammlung.  Wien  1903.)

5,  Müller  bewertete  den  Unterricht  in  der  Insektenkunde,  den  er  auf  den  Sommer  verlegen
  wollte,  so  hoch,  daß  er  ihn  auf  drei  Stufen  verteilte.  Vorbereitet  sollte  er  auf  Exkursionen
werden,  und  auf  die  Verhältnisse  der  Insektenbestäubung  sollte  gehöriges  Gewicht  gelegt
werden.  —  Löw  (Did.  8.  65)  schickt  der  Durchnahme  der  Gliedertiere  einen  auf  8—4  Wochen
begrenzten  Kursus  voraus,  der  die  Begründung  der  Systemgruppen  der  Wirbeltiere  zum
Thema  hat.  Die  Besprechung  der  Insekten  soll  mit  der  Zergliederung  des  Maikäfers  anfangen,
  dann  die  Typenmethode  festhalten,  so  daß  durch  eine  Auswahl  von  50—60  Insekten
aller  Ordnungen  die  Grundluge  für  die  systematische  Behandlung  geschaffen  wird.  —  Zur
Ausführung  dieses  Planes,  der  sich  (mit  Ausnahme  des  einleitenden  Wirbeltierkursus,  der
ja  nur  Wiederholungen  bringen  würde)  in  dem  Lehrbuch  von  Vogel  u.  Gen.  ausgeführt
findet,  fehlt  dem  Gymnasium  jedenfalls  die  Zeit.  Die  weite  Ausdehnung  der  Typenmethode

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