Oberstufe.  Pflanzenkrankheiten.  Pilze.  Anstomisch-physiologischer  Kursus.  521

Der  Kryptogamenkursus  hat  die  Erkenntnis  der  Ernährungsphysiologie  so  weit  gefördert,
  daß  diese  präzise  Zielangabe  sofort  Verständnis  findet,  ja  daß  sie  sich
nach  kurzer  Unterrichtsarbeit  gliedert  in  die  Unterfragen:  welches  sind  die
assimilierenden  Organe,  welches  die  zuleitenden,  welches  die  nahrungaufnehmenden?
  An  dem  Durchschnitt  eines  einfach  gebauten  Blattes  übersehen  die
Schüler  leicht  die  wesentlichen  Blattschichten,  fassen  sie  als  assimilierende
Schicht  und  als  Oberhaut  auf  und  wissen  auch  die  Natur  und  Bedeutung  der
Blattadern  zu  erkennen.  Es  folgt  in  bekannter  Weise  der  Nachweis  der  Bildung
  von  Stärke.  Während  dieser  mikroskopischen  Demonstrationen  wird  durch
wiederholende  geordnete  Durchnahme  früher  gemachter  Beobachtungen  das  erlangte
  Unterrichteresultat  erweitert  und  vertieft.)  Es  folgen  die  Demonstration
der  Spaltöffnungen  durch  Versuche  und  unter  dem  Mikroskop,  Transpirationsversuche,
  Anpassungen  an  verschiedene  Verdunstungsverhältnisse  und  der  Atmungsversuch.
  —  Nun  schließt  sich  die  Frage  nach  dem  Zusammenhang  der
Blattadern  mit  den  Stengelgefäßen  an.  Nach  entsprechenden  makroskopischen
Demonstrationen  gibt  die  mikroskopische  Betrachtung  eines  Radialschnittes  erwünschte
  Auskunft.  Hier  und  auf  einem  zum  Vergleich  herbeigezogenen  Querschnitt
  werden  zwei  Arten  von  Gefäßen  unterschieden.  Ihre  verschiedene  Aufgabe
  ergibt  sich  aus  den  Resultaten  von  Ringelungsversuchen.  Die  Mechanik
des  Saftumtriebs  kann  am  Gymnasium  nur  in  den  größesten  Umrissen  behandelt
  werden,?)  nachdem  noch  die  Demonstration  der  Saughaare  und  der  Gefäße
der  Wurzel  und  ein  Versuch  über  Endosmose  vorgenommen  sind.  Den  Schluß
macht  die  Beobachtung  und  Diskussion  über  Wasserkulturen.®)

!)  Mit  dem  regelmäßigen  und  ausschließlichen  Gebrauch  des  Skioptikons  und  der  Handmikroskope
  habe  ich  mich,  wie  andere,  nicht  befreunden  können.  Die  Beobachtungen  finden
vielmehr  an  Standmikroskopen  statt,  an  die  die  Schüler  der  Reihe  nach  herantreten.  Der  als
erster  vorgerufene  Schüler  (natürlich  wird  in  der  Reihenfolge  gewechselt)  muß  beschreiben,
was  er  sieht,  und  versuchen,  das  Gesehene  an  der  Tafel  durch  Zeichnung  richtig  wiederzugeben.
Die  Schüler  korrigieren  sich  gegenseitig  unter  Hilfeleistung  des  Lehrers;  endlich  entwirft  dieser
ein  getreues  Bild  des  Präparats  in  den  natürlichen  Farben  an  der  Tafel,  das  dann  von  allen
Schülern  in  das  *Beobachtungsheft’  eingetragen  wird.  Trotz  dieser  Vorbereitung  hat  der  Lehrer
fortwährend  zu  kontrollieren,  ob  die  einzelnen  Schüler  das  unter  dem  Mikroskop  Demonstrierte
richtig  erfassen,  die  Zeichnung  richtig  und  ordentlich  wiedergeben.  Sowie  alle  Schüler  die
Zeichnung,  wenn  auch  noch  nicht  die  Beobachtung  beendet  haben,  schreitet  der  Unterricht  fort.
Durch  Debatte  mit  den  Schülern  werden  früher  gemachte,  jetzt  planmäßig  wiederholte  Beobachtungen
  und  etwa  nötige  neue  Demonstrationen  mit  dem  gewonnenen  Unterrichteresultat
  in  Verbindung  gesetzt.  So  z.  B.  an  dieser  Stelle  des  Unterrichts  die  Lichtanpassungen
der  ganzen  Pflanze,  der  Zweige  und  Blätter  in  Wuchs,  Richtung  und  Gestalt;  in  Wasserkulturen
  erzogene  Pflanzen,  die  durch  Licht-  oder  Eisenentziehung  bleichsüchtig  geworden
sind;  eine  Wiederholung  des  Assimilationsrersuchs  u.  a.  m.  Schließlich  wird  in  derselben
Weise  die  Zielstellung  für  die  neue  mikroskopische  Demonstration  gewonnen.

?,  Weniger  zu  bedauern  ist  es,  daß  der  histologische  Unterschied  der  Stämme  von  Einund
  Zweiblattkeimern  hier  meist  gar  nicht  demonstriert,  sicher  nicht  gründlicher  erarbeitet
werden  kann.  Selbst  für  Reslanstalten  halten  übrigens  Kienitz-Gerloff  und  Löw  ein
tieferes  Eingehen  auf  diese  Verhältnisse  für  überflüssig.

°  Wie  böse  die  Verhältnisse  für  diesen  Teil  des  Unterrichts  liegen,  und  wie  hieraus
  der  Wunsch  sich  rechtfertigt,  den  Abschluß  der  Biologie  so  weit  heraufzuschieben,