522  Lunpesere:  Biologie.

So  viel  aber  kann  und  muß  auf  jeder  höheren  Schule  der  anatomischphysiologische
  Kursus  erreichen,  daß  nunmehr  ein  scharfes  Erfassen  der  Typen
Algen,  Pilze,  Gefäßkryptogamen  und  des  Zwischenreiches  der  Moose  ermöglicht
  wird.  Die  Einteilung  der  Samenpflanzen  in  größere  Gruppen  ist  im  vorausgegangenen
  Unterricht  vorbereitet  und  die  systematische  Übersicht  des
ganzen  Pflanzenreiches  kann  nun  vorgenommen  werden,  soweit  überhaupt  der
Schule  ein  Eingehen  auf  die  Einteilungsprinzipien  und  die  daraus  sich  ergebende
Anordnung  möglich  ist.  Kaum  eine  Schule,  sicher  nicht  das  Gymnasium,  wird
mehr  erreichen  können  als  eine  Ahnung  von  den  Gedankengängen  und  Untersuchungen
  der  spezielleren  systematischen  Forschung.  Das  richtige  Kriterium
für  den  unterrichtlichen  Wert  oder  Unwert  wird  bleiben,  ob  ein  Begriff  wirklich
  erarbeitet  oder  nur  erlernt  werden  kann  (s.  S.512).  Im  Überblick  über
das  System  kommt  auch  zur  Ordnung  und  zur  Zusammenfassung,  was  überhaupt
  in  der  vorangegangenen  Unterrichtszeit  an  wertvollem  Wissen  erarbeitet
ist.  Hier  dürften  nach  meiner  Meinung  auch  nicht  ganz  die  mannigfachen  Berührungspunkte
  des  botanischen  Wissens  mit  der  Geographie  übergangen  werden.')

bis  wenigstens  ein  propädeutischer  chemischer  Kursus  vorausgegangen  ist,  ist  oft  genug
ausgeführt  worden.  Unter  den  heutigen  Verhältnissen  muß  man  eben  sehen,  wie  viel  oder
richtiger  wie  wenig  man  im  physiologischen  Unterricht  selbst  von  grundlegenden  chemischen
Begriffen  erarbeiten  kann.  Jedenfalls  bedarf  dieser  Teil  des  Unterrichts  am  Gymnasium
der  Beschränkung  auf  das  Allernotwendigste  und  einer  völlig  propädeutischen  Behandlung.
Dagegen  ist  es  sehr  angebracht,  abweichende  Ernährungsverhältnisse,  die  ja  im  früheren
Unterricht  beobachtet  worden  sind,  zur  Klärung  der  Verhältnisse  heranzuziehen  (Schmarotzer,
Saprophyten,  fleischverdauende  Pflanzen,  Stickstoffsammler  usw.).  —  Daß  die  Wachstumsverhältnisse
  der  höheren  Pflanzen  am  Gymnasium  nicht  behandelt  werden  können,  ist  bedauerlich,
  aber  nicht  zu  ändern.  Über  die  Literatur  vgl.  9.  510  Anm.  1.  Besonders  für
Realanstalten  sei  auf  den  ganz  vorzüglichen  Abschnitt  in  Kienitz-Gerloffs  ‘Methodik’
verwiesen,  für  den  gesamten  botanischen  Unterricht  der  Oberstufe  zur  Vorbereitung  für  den
Lehrer  auf  Straßburgers  u.  Gen.  Lehrbuch  der  Botenik.  7.  Aufl.  Jena.

ı)  Am  Gymnasium  kommt  sogar  erst  jetzt  manches  wichtige  Kapitel  des  eigentlichen
botanischen  Wissens  zur  unterrichtlichen  Behandlung  (vgl.  S.  620  Anm.  1,  Bakterien  usw.).
Dazu  aus  den  Grenzgebieten  der  Naturwissenschaften:  Grenze  pflanzlichen  Lebens;  Moorbildung
  und  Moorvegetation;  Moos-  und  Flechtentundrs;  Stein-  und  Braunkohlenflora;  vertikale
  und  horizontale  Baumgrenze,  Waldgürtel  der  Alten  und  Neuen  Welt,  tropischer  Urwald,
  Steppen-  und  Wüstengebiete  der  Erde.  Hier  schließen  sich  auch  (mehr  allerdings  bei
erweitertem  Unterricht)  Mitteilungen  über  die  prähistorischen  und  historischen  Veränderungen
  von  Deutschlands  Pflanzenkleid  an  (Verknüpfung  mit  der  Geologie).  (Vgl.  dazu
Landsberg  u.  Schmidt,  Landsberg  a.  a.  O.,  aber  auch  Smalian  und  die  neuen  Auflagen
des  Lehrb.  von  Vogel  u.  Gen.)  Wenn  die  ökologischen  Pflanzengruppen  der  Heimat  (s.
8.  513  u.  514)  auf  Exkursionen  zur  Anschauung  gebracht  worden  sind,  gelingt  es,  unterstützt
  von  geeigneten  Bildern  (Karsten  u.  Schenck,  Vegetationsbilder,  Jens,  die
leider  für  den  Klassenunterricht  etwas  zu  klein  sind)  leicht,  auch  die  wichtigsten
exotischen  Pflanzenformationen  zur  lebendigen  Anschauung  zu  bringen.  Da  die  Diskussion
  von  botanischen  Gesichtspunkten,  den  eigenartigen  Formen  und  Lebensbedingungen
größerer,  oft  auch  systematischer  Pflanzengruppen  ausgeht  (Moose  und  Flechten,  Gefaßkryptogamen,
  Nadelbäume,  Palmen,  Succulenten,  Gräser,  Zwiebel-  und  Knollengewächse,
  Mimosen  usf.),  gehört  diese  Vermittelung  pflanzengeographischer  Anschauungen
in  den  botanischen  Unterricht.  Die  Benutzung  der  hier  geschaffenen  Begriffe,  vor  allem
such  die  eigentliche  Pflanzengeographie  muß  allerdings  dem  geographischen  Unterricht