Oberstufe.  Zoologie.  Anthropologie.  525

die  inneren  Organe  gelenkt,  deren  Funktionen  im  allgemeinen  aus  dem  Zoologieunterricht
  bekannt  sind.)  Da  die  Frage  “Wie  ernährt  sich  der  Mensch?’
allmählich  vorbereitet  ist,  so  gelingt  es  nun  leicht  (Anknüpfung  an  die  Zoologiel),
die  verschiedenen  Funktionen  der  Ernährung  voneinander  zu  trennen  und  sodann
  miteinander  in  Verbindung  zu  setzen.)  Zum  Schluß  dieses  zweiten  Teils
wird  die  Haut  als  Träger  von  Sekretions-  und  Atmungsorganen  genauer  betrachtet,
ihre  wie  auch  der  Eingeweide  Versorgung  mit  Nerven  ins  rechte  Licht  gerückt.
So  schließt  sich  nun  eine  zusammenfassende  Behandlung  der  Aufgaben  des
Nervensystems  an,  in  die  auch  etwas  über  die  Sinnesorgane  aufgenommen  wird.
Bei  aller  hier  notwendigen  Beschränkung  (s.  0.)  muß  die  Belehrung  doch  so
weit  gehen,  daß  das  Nervensystem  als  alle  Lebensfunktionen  regulierend  erscheint.”)

Überblicken  wir,  wie  weit  der  biologische  Unterricht  die  Schüler  geführt
hat,  so  könnte  es  scheinen,  es  sei  erreicht,  was  auf  der  Schule  zu  erreichen
möglich  ist.  Aber  wo  bleiben  diese  geistigen  Besitztümer,  wenn  auf  den  Oberklassen
  niemand  ist,  der  sie  pflichtgemäß  behütet?  Und  eines  seiner  wertvoll-1)

  Etwas  genauere  Behandlung  finden  einmal  Gehirn  und  Rückenmark  (Ausstrahlung
der  peripheren  Nerven,  Beziehung  zur  Muskulatur),  sodann  Herz  und  Adersystem,  dessen
feinste  Verzweigungen  und  Wege  in  einem  Muskelpräparat,  aber  auch  in  einem  Knochenschliff
  entdeckt  werden.  Die  Muskeln  müssen  ernährt  werden,  weil  sie  eine  Lebensarbeit
verrichten;  woher  aber  auch  die  Knochen?  (Histologischer  Bau,  Wachstum,  Neubildung
  usf.)  Da  durch  die  Besprechung  die  Begriffe  Arbeit  und  Emährung  der  Bewegungsorgane
  in  scharfe  Beleuchtung  gerückt  sind,  so  knüpfen  sich  nun  leicht  hygienische  Belehrungen
  an.  Anleitungen  zum  Verhalten  bei  Unglücksfällen  dürfen  nicht  fehlen;  einen
eigentlichen  “Samariterkursus’  einzuflechten,  wie  manchmal  empfohlen  wird,  scheint  dagegen
nicht  angebracht.  —  Hier  sei  gleich  im  Zusammenhange  auf  einige  Literatur  über  Hygiene
verwiesen:  Gesundheitsbüchlein,  Berlin;  Schmidt,  Unser  Körper,  Handbuch  der  Ansatomie,
  Physiologie  und  Hygiene  der  Leibesübungen.  Leipzig  1908;  Buchner,  8  Vorträge  a.
d.  Gesundheitslehre.  Leipzig;  Frentzel,  Ernährung  und  Volksnahrungsmittel.  Leipzig  ;
Zander,  Die  Leibesübungen  und  ihre  Bedeutung  f.  d.  Gesundh.  Leipzig;  Forel,  Hygiene
der  Nerven  und  des  Geistes  im  gesunden  und  kranken  Zustand.

2)  Die  Morphologie  der  Organe  zwingt  immer  wieder  zu  vergleichendem  Heranziehen
des  Baues  der  Wirbeltiere.  Eine  Art,  die  schwierigen  Fragen  der  Ernährungsphysiologie
ganz  elementar  zu  behandeln,  findet  der  Leser  in  Sohmidt-Landsberg,  Zoologie.  Etwas
weiter  muß  der  Unterricht  hier  in  der  Erarbeitung  der  chemischen  Begriffe  gehen,  immer
aber  wird  das  Empfinden  bleiben,  daß  auch  auf  dieser  Stufe  nur  ein  mangelhaftes,  sich
durch  Gleichnisse  dem  eigentlichen  Begreifen  der  Vorgänge  annäherndes  Verständnis  zu
erzielen  ist.  —  Die  hygienischen  Belehrungen  schließen  sich  am  bequemsten  an  die  einzelnen
  Organgruppen  an.

°s,  Hiermit  fällt  auch  einiges  Licht  auf  die  starke  Inanspruchnahme,  ja  Vergeudung
der  Nervenkraft,  die  die  hoch  gesteigerten  Kulturverhältnisse  mit  sich  bringen.  Daraus
geht  dann  die  Mahnung  zur  gesundheitsmäßigen  Lebensführung  hervor,  und  der  Schüler
kommt  zu  dem  innerlichen  Verständnis,  daß  Einfachheit  der  Lebenshaltung  gerade  in
unserer  Zeit  die  sicherste  Bedingung  der  Wohlfahrt  der  einzelnen  und  der  Gesellschaft
ist.  Bemerkt  sei,  daB  des  Gymnasium  für  eine  Behandlung  der  Rassenlehre  und  der
Vorgeschichte  des  Menschen,  wie  sie  Matzdorff  bringt,  nicht  die  Zeit  hat.  —  Als  Nachschlageliteratur
  für  den  Lehrer  seien  genannt:  Ranke,  Der  Mensch,  I.  Leipzig  1890;  Kollmann,
  Die  Mechanik  d.  menschl.  Körpers.  München  1874;  Sachs,  Bau  u.  Tätigkeit  des
menschl.  Körpers.  Leipzig  1901  (auch  f.  Schülerbibliotheken);  Bertheau,  Ausgew.  Kap.  a.
d.  Physik  d.  menschl.  Körpers  (Progr.  Hamburg  Rasch.  a.  Lübecker  Tor  1903).