540  GaruserL:  Der  Unterricht  in  Physik.

keiten  ihrer  allgemeinen  Einführung  die  Übungen  als  zulässig  bezeichnet  werden.!)
Die  Lehrpläne  der  Hamburger  Oberrealschulen  schreiben  an  den  drei  oberen
Klassen  die  praktischen  naturwissenschaftlichen  Übungen  in  zwei  wöchentlichen
Stunden  allerdings  als  wahlfreie  Stunden,  vor.  Auch  in  Österreich  ist  dem  Österreichischen
  Mittelschultage  am  7.  August  1903  von  G.  Schilling  der  ‘Entwurf
eines  Planes  für  physikalische  Schülerübungen’  vorgelegt.)  Das  Resultat  war
die  Annahme  der  Thesen  des  Redners,  in  denen  die  Schülerübungen  zur  versuchsweisen
  Einführung  an  einzelnen  Anstalten  empfohlen  wurden,  und  in  denen
die  Unterrichtsverwaltungen  zur  Bewilligung  der  Mittel  gebeten  werden.

Am  6.  Juni  1890  war  auf  Anregung  von  J.C.  V.  Hoffmann,  dem  Herausgeber
  der  ZMNU.,  in  Leipzig  eine  Anzahl  von  Lehrern  der  Mathematik  und
Naturwissenschaften  zusammengetreten,  um  einen  allgemeinen  Kongreß  der  Vertreter
  dieser  Fächer  vorzubereiten.  Der  Kongreß  fand  vom  26.—28.  September
desselben  Jahres  in  Jena  statt.  Hier  wurde  die  Gründung  des  “Vereins  zur
Förderung  des  Unterrichts  in  der  Mathematik  und  den  Naturwissenschaften’
beschlossen.  Dieser  Verein  besteht  jetzt  aus  über  1000  Lehrern,  Vertretern  der
mathematischen  und  naturwissenschaftlichen  Fächer.  In  den  alljährlich  um
Pfingsten  stattfindenden  Hauptversammlungen  finden  auch  die  den  physikakalischen
  Unterricht  berührenden  Fragen  lebhafte  Besprechung,  nachdem  die
Fragen  durch  Referate  praktischer  Schulmänner  eingeleitet  sind.  In  der  1904
in  Halle  a.  S.  stattgefundenen  Hauptversammlung  wurde  das  physikalische  Thema
‘Über  den  Betrieb  der  Physik  als  Naturwissenschaft’?  behandelt.  Das  Referat
hielt  E.  Grimsehl.  Im  Jahre  1905  wurde  in  Jena  die  ‘Physikalische  Propädeutik’
  auf  Grund  der  Referate  von  Bastian  Schmid  (Zwickau  i.  8.)  und
A.  Höfler  (Prag)  besprochen.  Der  Verein  hat  sich  ein  eigenes  Organ  geschaffen:
  “Unterrichtsblätter  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften’,  begründet
unter  Mitwirkung  von  B.  Schwalbe,  herausgegeben  von  F.  Pietzker.  Verlag:
  Berlin,  O.  Salle  (seit  1895).  In  den  Vereinsorgan  wird  tiber  die  Vorträge
  der  Hauptversammlungen  berichtet  und  es  werden  sonstige  wichtige
Unterrichtsfragen  aus  mathematischen  und  naturwissenschaftlichen  Gebieten  behandelt.


Außer  den  erwähnten  Unterrichtsblättern  dienen  den  Zwecken  des  physikalischen
  Unterrichts  eine  Reihe  von  Zeitschriften,  unter  denen  die  ‘Zeitschrift
für  den  physikalischen  und  chemischen  Unterricht’®)  (seit  1887  erscheinend)
den  ersten  Platz  einnimmt.  Diese  Zeitschrift  ist  gewissermaßen  als  eine  Fort-1)

  Lehrpläne  und  Lehraufgaben  für  die  höheren  Schulen  in  Preußen  1901  (Berlin,
W.  Hertz),  8.  68:  “Derartige  Übungen,  die  bei  richtiger  Leitung  einen  nicht  zu  unterschätzenden
  erziehlichen  Wert  haben,  sind  unter  Umständen  auch  für  das  Gebiet  des  physikalischen
  Unterrichts  zulässig’.  |

r,  Vierteljahrsschrift  des  Wiener  Vereins  zur  Förderung  des  physikalischen  und  chemischen
  Unterrichts  VIII,  88.  1908  (referiert  in  ZPChU.  XVI,  308).

®)  “Zeitschrift  für  physikalischen  und  chemischen  Unterricht’,  begründet  unter  Mitwirkung
  von  E.  Mach  und  B.  Schwalbe.  In  Verbindung  mit  A.  Höfler,  0.  Ohmann
und  H.  Hahn  herausgegeben  von  F.  Poske.  Berlin,  Julius  Springer  (seit  1887).