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spielt!)  Im  allgemeinen  kann  man  sagen,  daß  seit  den  Lehrplänen  von  1882
für  die  drei  neunklassigen  Anstalten  keine  wesentlichen  Änderungen  auf  dem
Gebiet  des  chemischen  Unterrichtes  geschaffen  wurden.

Hinsichtlich  der  Reifeprüfungen  blieben  die  Anforderungen  vom  Jahre  1867
(1859),  wonach  für  die  Oberrealschule  eine  Arbeit  in  Chemie  und  Physik  gefordert
  wurde,  bestehen.  (Diese  Forderung  hatte  keine  Ausdehnung  auf  das
Realgymnasium.)  1891  erschien  eine  Neuordnung  der  Reifeprüfung  mit  einer
für  die  Realanstalten  gleichlautenden  Bestimmung.  Es  wird  die  Lösung  einer
physikalischen  oder  chemischen  Aufgabe  gefordert,  das  ausfallende  Fach  wird
mündlich  geprüft.

Da  sich  in  den  übrigen  Staaten  mit  Ausnahme  von  Bayern  die  Entwicklung
  des  Chemieunterrichts  (von  1859  ab)  an  Preußen  angeschlossen  hat,  so’
ist  nur  noch  mit  einigen  Worten  auf  dieses  Land  zu  verweisen.

In  Bayern  lagen  für  den  Chemieunterricht  die  Verhältnisse  äußerst  ungünstig,
  und  das  hing  damit  zusammen,  .daß  in  diesem  Lande  die  Realanstalten
sehr  spät  zur  Entfaltung  gelangten.  (Am  Gymnasium  gibt  es  heute  noch  keinen
Chemieunterricht.)  Das  Nürnberger  Realinstitut  (1806),  dem  der  Naturforscher
G.  H.  Schubert  vorstand,  hatte  zwar  bereits  Chemie  als  Unterrichtsfach,  jedoch
ging  die  Schule  bald  ein.

Erst  mit  der  Verordnung  vom  Jahre  1864:  ‘Schulordnung  für  die  technischen
  Lehranstalten  in  Bayern’,  als  “Gewerbsschule,  Realgymnasium  und  polytechnische
  Schule’,  tritt  die  Chemie  wieder  auf.

Man  darf  aber  nicht  vergessen,  daß  die  Gewerbsschulen  einen  stark  professionellen
  Charakter  hatten  —  und  nur  vierklassig  waren.  Die  Realgymnasien,
  deren  Zahl  damals  sechs  betrug  (heute  nur  noch  vier),  schlossen  sich
hinsichtlich  des  Chemieunterrichtes  an  die  übrigen  Staaten  an,  die  Realschulen
(seit  1877  als  solche  bestehend)  haben  heute  wohl  das  umfassendste  Lehrprogramm
  für  Chemie  unter  den  deutschen  Realschulen.

Einer  besonderen  Pflege  erfreut  sich  die  Chemie  an  der  Industrieschule,
einer  Schulgattung,  die  sich  an  die  sechsklasssige  Realschule  anschließt.  Diese
Anstalten  verfolgen  einen  doppelten  Zweck,  sie  dienen  zur  Ausbildung  für  den
technischen  Betrieb  und  bereiten  außerdem  für  das  Polytechnikum  vor.  An
den  Industrieschulen  nehmen  auch  die  Schülerübungen  einen  hervorragenden
Platz  im  Stundenplan  ein.

Solche  Übungen  bestehen  gegenwärtig  in  einer  Reihe  von  Staaten.  In

ı)  Eine  Ausnahmestellung  nimmt  das  Köllnische  Gymnasium  zu  Berlin  ein.  Dort  findet
außer  dem  obligatorischen  auch  noch  wahlfreier  Unterricht  in  der  Chemie  nebst  Praktikum
  statt  für  Schüler  von  Obertertia  bis  Oberprima.  In  den  praktischen  Übungen  im
Laboratorium  machen  die  Schüler  die  wichtigsten  Reaktionen  der  Metalloide  und  Metalle,
führen  einfache  qualitative  Analysen  aus  und  stellen  leichte  Präparate  dar.  Um  diesen
Aufgaben  gerecht  zu  werden,  sind  unter  Berücksichtigung  der  Zahl  der  teilnehmenden
Schüler  jetzt  wöchentlich  sechs  Stunden  für  den  wahlfreien  chemischen  Unterricht  angesetzt.
  Davon  entfallen  vier  Stunden  auf  den  Klassenunterricht  und  zwei  Stunden  auf  die
praktischen  Arbeiten  im  Laboratorium.  (Wissenschaftliche  Beilage  zum  Jahresbericht  des
Köllnischen  Gymnasiums  zu  Berlin,  Ostern  1904.)