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schen  Lehrbücher  höchst  anregend  —  darunter  ganz  besonders  Arendt  —,  und
es  wäre  mehr  als  wünschenswert,  daß  sich  ihr  Einfluß  besonders  auf  die  einleitenden
  Kapitel  unserer  Lehrbücher  geltend  machte.

Wenn,  wie  oben  behauptet,  ein  gewisser  Stillstand  in  methodischen  Streitigkeiten
  eingetreten  ist,  so  kann  damit  nicht  auch  ein  Stillstand  der  Methode
selbst  gemeint  sein,  im  Gegenteil,  es  haben  sich  trotz  der  eben  gerügten
Mängel,  wie  das  aus  verschiedenen  Abhandlungen  und  namentlich  aus  Ohmanns
“Leitfaden  für  den  Unterricht  in  der  Chemie  und  Mineralogie’  hervorgeht,  die
Methoden  verfeinert.  Mehr  und  mehr  tritt  das  entwickelnde  Verfahren  in  den
Vordergrund,  und  damit  hat  sich  auch  die  Stellung  des  Experimentes  im  Unterricht
  geändert.  Trefflich  sagt  Ohmann  in  der  3.  Auflage  des  genannten  Leitfadens:
  “Das  Experiment  ist  nicht  der  Ausgangspunkt,  es  steht  nicht  im  Vordergrund,
  sondern  es  wird  durch  den  Lehrgang  erst  erheischt  und  dient  zur  Bestätigung
  oder  Nichtbestätigung  der  rein  gedanklich  abgeleiteten  Schlüsse”.

Allerdings  fehlt  es  auch  nicht  an  Rückständigkeiten.  Geradezu  zu  warnen
ist  gegenwärtig  vor  dem  vorzeitigen  Auftreten  der  Atomtheorie  und  dem  zu
frühzeitigen  Gebrauch  der  Zeichensprache.  Beide  Methoden,  die  methodische
wie  die  systematische,  können  ihren  Lehrgang  so  einrichten,  daß  sie  von  den
einfachen  Vorgängen  zur  Entwicklung  chemischer  Begriffe  und  allmählich  zur
Atomtheorie  fortschreiten.  Und  selbst  dann,  wenn  diese  Theorie  eingeflochten
werden  muß,  ist  sie  nur  auf  das  für  den  Weiterbau  Notwendigste  zu  beschränken;
  denn  ein  tieferes  Eindringen  ist  bekanntlich  erst  auf  der  Oberstufe  möglich.
In  diesen  eben  gerügten  Fehler  verfallen  nicht  nur  eine  Reihe  von  modernen
Lehrbüchern,  auch  Lehrpläne  leisten  diesem  unmethodischen  Verfahren  Vorschub,
  wie  das  z.  B.  bei  den  bayerischen  Lehrplänen  für  Realgymnasien  und
Realschulen  der  Fall  ist.  Die  diesbezüglichen  Verordnungen  für  die  Realschule
beginnen:  “Die  Verbindungsgesetze  und  ihre  Erklärung  durch  die  Atomtheorie’.
Für  das  Realgymnasium  lauten  die  einleitenden  Bestimmungen:  ‘Das  Wesen
der  chemischen  Erscheinungen,  Erörterungen  der  Grundbegriffe  und  Grundgesetze,
auf  welchen  dieselben  beruhen’  usw.  Hierzu  sei  nur  bemerkt,  daß  diese  gegenwärtig
  gültigen  Lehrpläne  mit  denen  von  1877  bzw.  1874  nahezu  wörtlich  übereinstimmen.


Ich  möchte  diese  auf  den  Anfangsunterricht  zielenden  Erörterungen  nicht
schließen,  ohne  auf  das  Bedenkliche  der  elektrolytischen  Wasserzersetzung,  sobald
  dieselbe  in  die  Einleitung  fällt  oder  gar  als  erstes  Experiment  gebracht
wird,  hingewiesen  zu  haben,  und  ich  fühle  mich  dazu  um  so  mehr  veranlaßt,  als
dieses  Experiment  in  den  neuesten  Lehrbüchern  immer  weiter  in  den  Vordergrund
  rückt.  Zum  Teil  hängt  das  mit  dem  Bestreben  zusammen,  möglichst
rasch  zur  Atomtheorie  überzugehen.  Man  darf  aber  nicht  vergessen,  daß  der
in  physikalischen,  speziell  elektrolytischen  Dingen  unerfahrene  Schüler  einen
höchst  geheimnisvollen  Vorgang  miterlebt.  Er  widmet  dem  Warum  der
Weasserzersetzung  viel  mehr  —  und  leider  vergebliche  —  geistige  Tätigkeit  als
der  Tatsache,  und  wir  können  ihm  über  das,  womit  sich  sein  Geist  am  lebhaftesten
  beschäftigt  hat,  keine  befriedigende  Antwort  geben,  weil  wir  dem