Zur  Stoffauswahl  b55

Unterricht  vorgegriffen  haben.  Außerdem  ist  man  vor  die  heikle  Alternative
gestellt,  dem  Schüler  das  Hinzufügen  von  Schwefelsäure  zu  verschweigen  —
wie  das  manchmal  geschieht  —  oder  in  ihm  eine  Reihe  von  weiteren  Bedenken
auftauchen  zu  lassen;  denn  die  auftretenden  H-  und  O-Quantitäten  sind  für  ibn
ganz  dunklen  Ursprungs.  Daß  vom  Wasser  ausgegangen  wird,  ist  naheliegend,
und  daß  sich  ein  solches  Vorgehen  auf  eine  für  den  Schüler  sehr  vorteilhafte
Weise  bewerkstelligen  läßt,  indem  man  zu  einfachen  Experimenten  greift,  hat
Ohmann  in  seinem  “Lehrgang  der  chemischen  Untersuchung  des  Wassers’

gezeigt.
III.  ZUR  STOFFAUSWAHL.

Nach  dem  gegenwärtigen  Stand  der  Dinge  scheinen  die  methodischen
Fragen  hinter  jene  rein  stofflicher  Art  weit  zurückzutreten.  Es  sind  zwei  Gebiete,
  denen  der  Chemieunterricht  mehr  Aufmerksamkeit,  als  es  bisher  der  Fall
war,  schenken  muß,  nämlich  der  organischen  und  der  allgemeinen  und
physikalischen  Chemie.

&amp;)  Organische  Chemie.  Wie  verhalten  sich  nun  die  Lehrpläne  zur
organischen  Chemie?

Gegenwärtig  zeigen  die  chemischen  Lehrpläne  der  einzelnen  Staaten  eine
große  Übereinstimmung,  soweit  es  sich  um  Gymnasien,  Realgymnasien  und
Oberrealschulen  handelt.!)  Die  Verschiedenheiten  erstrecken  sich  nur  auf  eine
größere  oder  geringere  Betonung  (oder  wie  in  den  bayerischen  Realgymnasien
auf  das  Fehlen)  der  organischen  Chemie.  (Diese  wird  gelehrt  an  den  preußischen,
badischen,  hessischen  und  braunschweigischen  Öberrealschulen.  Sie  ist  nicht
ausgeschlossen  an  den  preußischen  Realgymnasien:  ‘Kenntnis  der  wichtigsten
Elemente  und  ihrer  hauptsächlichsten,  besonders  anorganischen  Verbindungen’,
ebenso  scheint  sie  an  den  betreffenden  sächsischen  Anstalten  zulässig  zu.  sein.)

Weit  mehr  entfernen  sich  die  einzelnen  Lehrziele  der  Realschulen.  Ich
führe,  um  zwei  drastische  Beispiele  zu  bringen,  die  Anforderungen  der  preußischen
  und  bayerischen  Lehrpläne  an.  Preußen:  “Kenntnis  der  wichtigsten  chemischen
  Elemente  und  ihrer  hauptsächlichsten  Verbindungen’.  Bayern:  ‘Die
Verbindungsgesetze  und  ihre  Erklärung  durch  die  Atomtheorie.  Die  wichtigsten
  Metalle,  ihr  Vorkommen  in  der  Natur  und  ihre  hauptsächlichsten  Verbindungen.
  Zusammensetzung  und  allgemeine  Eigenschaften  der  organischen
Verbindungen,  Elementares  über  Kohlehydrate,  Eiweißstoffe,  geistige  Gärung,
Essigbildung,  Fette,  Verseifung,  trockene  Destillation  und  die  wichtigsten  Produkte
  derselben,  dann  Farbstoffe

r,  Der  chemische  Unterricht  setzt  in  den  einzelnen  Staaten  auf  verschiedenen  Stufen
ein,  in  Sachsen  z.  B.  mit  OII.  —  Wenn  man  bedenkt,  daß  an  unseren  Realschulen  seit
Jahrzehnten  Chemie  mit  Erfolg  erteilt  wird,  so  dürfte  gegen  ein  früheres  Auftreten  unseres
Faches  nichts  einzuwenden  sein.  Mindestens  muß  der  chemisch-propädeutische  Kursus
nsch  UII  verlegt  werden.  —  In  OIHI  dürfte  os  sich  im  Interesse  der  Biologie  um  einfache
Versuche  mit  Sauerstoff,  Kohlensäure,  Stickstoff  und  andere  für  die  Pflanzenwelt  wichtige
Demonstrationen  handeln,  die  auch  im  biologischen  Unterricht  leicht  auszuführen  sind.