558  Scaumip:  Chemie.

auf  die  Programmarbeit  von  Cäsar  Schäffer'):  “Die  Lehre  von  den  Lösungen
im  chemischen  Unterricht  der  Oberklassen’  hingewiesen.  Die  Arbeit  ist,  wie
der  Verf.  hervorhebt,  aus  Diktaten,  die  er  den  Schülern  gegeben  hat,  hervorgegangen
  und  dient  zur  Einführung  in  das  wichtige  Gebiet.

Von  Lehrbüchern,  die  näher  auf  die  physikalische  Chemie  eingehen,  sei
hier  in  erster  Linie  das  vor  kurzem  erschienene  Buch  von  P.  Bräuer,  von
Lüpke-Krause,  sodann  von  Lorscheid  genannt.

Die  Erörterungen,  um  die  es  sich  im  Unterricht  handeln  dürfte,  erstrecken
sich  auf  die  wichtigsten  Punkte  der  chemischen  Statik  und  Kinetik,  ganz  besonders
  auf  die  Thermochemie  —  exothermische  und  endothermische  Verbindungen,
  Umwandlungen  von  Wärmeenergie  in  chemische  Energie  —,  die  Theorie
der  Lösungen  (osmotischer  Druck)  und  die  Ionentheorie.  Die  Behandlung  der
Osmose  mit  ihren  Beziehungen  zu  den  Gesetzen  der  Gase  bietet  auch  Gelegenheit,
  biologische  Momente  zu  berücksichtigen.

Namentlich  sei  hier  die  Elektrochemie  betont.  Verdanken  wir  es  doch
gerade  diesem  Gebiet,  daß  uns  heute  eine  Menge  von  chemischen  Vorgängen  in
ganz  anderem  Lichte  erscheinen,  und  daß  wir  verschiedene  Erscheinungen,  die
sonst  der  Schüler  als  gegebene  Tatsachen  hinnehmen  mußte,  mit  Hilfe  vollendet
  durchdachter  Hypothesen  begründen  können.  Die  Schwierigkeiten,  die,
sobald  man  sich  eine  einsichtsvolle  Beschränkung  auferlegt,  nur  vermeintliche
sind,  stehen  in  keinem  Verhältnis  zu  den  großen  praktischen  Erfolgen.

Im  nachstehenden  kann  es  sich  nicht  um  wissenschaftliche  Ausführungen
über  die  Ionentheorie  handeln,  die  in  einer  Reihe  von  trefflichen  Büchern
niedergelegt  sind,  auch  nicht  um  methodische  Vorschläge,  sondern  um  rein
praktische  Hinweise,  wie  sie  in  Zukunft  zu  den  theoretischen  Erörterungen
treten  und  dem  Vorstellungskreis  des  Schülers  angehören  werden.

Dadurch,  daß  wir  (mit  Punkten  und  Strichen)  die  Elektrizitätsmengen
angeben,  mit  welchen  die  durch  Symbole  dargestellten  Quantitäten  verbunden
sein  können,  beweisen  wir  zunächst  eine  Gleichung  auch  auf  eine  dritte  Art,  also

nicht  nur  chemisch  und  arithmetisch.  Na  +  Cl  =  NaCl.  Jeder  Punkt  (positive
Elektrizität)  neutralisiert  einen  Strich  (negative  Elektrizität).  Wir  haben  also
auch  dann  eine  Garantie  für  die  Richtigkeit  einer  Gleichung,  wenn  die  Summe
der  Punkte  und  Striche  der  Formeln  auf  beiden  Seiten  gleich  ist,  und  wir
sagen,  die  Verbindung  ist  jetzt  elektrisch  neutral.

Die  Metalle  sind  für  die  Schüler  positive  Radikale,  also  H,  Na,  K,  NH,,
Ag,  Hg  (1  wertig);  Hg,  Ca,  Ba,  Zn,  Cu,  Pb,  Sn,  Fe  (2wertig);  Fe,  Al  (3  wertig).
Ihnen  gegenüber  stehen  die  negativen  Radikale  OH,  Cl,  Br,  J,  C10,,  NO,,  HS
(1  wertig);  SO,,  8,0,,  SÖ,,  8,  (Ö)  (Oxyd),  OO,  (2  wertig);  PO,  (3  wertig).

Die  Formel  NaCl  wird  also  nicht  allein  durch  die  Einwertigkeit  der  beiden
Elemente  begründet,  sondern  dadurch,  daß  sich  je  ein  positives  und  ein  negatives
  Radikal  zu  einer  neutralen  Verbindung  vereinigen.  Um  die  positiven

Ladungen  des  Ba  zu  neutralisieren,  sind  zwei  negative  C1C1  erforderlich.  Die

ı)  1904,  Progr.  867.  Vgl.  hierzu  ‘Natur  und  Schule’,  IV.  Bd.,  S  3121.