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um  Bilder  handelt,  nicht  um  Wirklichkeiten.  Hier  sowohl  wie  auch  an  anderen
Stellen  gibt  sich  reichlich  Gelegenheit,  Begriffe  wie  Hypothese,  Theorie  und
Gesetz  zu  erläutern.  Damit  lassen  wir  den  Schüler  in  die  Werkstätte  des  Geistes
blicken,  er  sieht  an  Beispielen,  wie  Hypothesen  und  Theorien  entstehen  und
vergehen,  wie  eine  Hypothese  die  andere  ablöst,  und  bekommt  eine  leise  Ahnung
davon,  daß  die  Hypothesen  zum  Lebenselement  der  Wissenschaft  gehören.  Solche
Betrachtungen,  sowie  eine  Vertiefung  in  die  Atomtheorie  (auf  der  Oberstufe)
und  in  große  Gesetze  (Gesetz  von  der  Erhaltung  des  Stoffes)  geben  unserem
Unterricht  eine  philosophische  Richtung,  der,  wie  jedes  andere  naturwissenschaftliche
  Fach,  einen  Beitrag  zur  philosophischen  Propädeutik  zu  leisten  imstande
  ist.

So  sehr  man  der  physikalischen  und  allgemeinen  theoretischen  Chemie  das
Wort  reden  muß,  so  verfehlt  wäre  es  nach  m.  E,  wenn  man  z.B.  die  allgemeine,
  um  mit  J.  Wagner!)  zu  reden,  in  den  Vordergrund  stellen  würde.  Nach
ihm  müßte  dieser  Teil  nicht  nur  den  Ausgangspunkt  bilden,  sondern  im  Mittelpunkt
  des  Unterrichts  stehen;  Systematik  und  organische  Chemie  verschwinden.
So  lesen  wir  z.  B.  auf  S.25  der  genannten  Broschüre:  ‘Ob  freilich  überhaupt
für  den  chemischen  Unterricht  der  Mittelschulen  nach  der  Gewinnung  der  Grundlagen
  überall  die  Bekanntschaft  mit  der  Systematik  am  Platze  ist,  scheint  mir
sehr  zweifelhaft...  Mir  scheint  die  Systematik  nur  an  die  Fachschule  zu  gehören...
  So  scheint  es  mir  auch  möglich  und  nützlich  und  in  hoffentlich  nicht
ferner  Zeit  erreichbar,  daB  für  die  Schule  statt  der  Systematik  angewandte
Chemie  getrieben  wird.’

In  jüngster  Zeit  hat  derselbe  Verfasser  sich  auch  noch  an  anderer  Stelle
über  den  chemischen  Unterricht  geäußert,  nämlich  in  der  von  Verworn  herausgegebenen
  Broschüre  ‘Beiträge  zur  Frage  des  naturwissenschaftlichen  Unterrichts
an  höheren  Schulen’?).,  Da  hier  J.  Wagner  dieselben  Ideen  vertritt  und  diese
Frage  unter  ähnlichen  Gesichtspunkten  betrachtet,  so  möchte  ich  mich  mit
diesem  Hinweis  begnügen?)

c)  Überbürdungsgefahr.  Durch  die  Erweiterung  des  Lehrplanes  um
zwei  solche  Gebiete  wie  die  eben  angeführten  liegt  die  Gefahr  der  Überbürdung
nahe;  wenn  man  aber  bedenkt,  daß  an  verschiedenen  für  den  Schüler  weniger
wichtigen  Kapiteln  gespart  werden  kann,  dann  verschwindet  diese  Sorge.  Tatsächlich
  wird  der  Wunsch  nach  Verringerung  des  Stoffes  immer  reger.  So
sagt,  um  nur  ein  Beispiel  anzuführen,  Loew  in  den  ‘Jahrb.  f.  d.  höh.  Sch.’  1901
im  Anschluß  an  das  oben  erwähnte  Zitat:  ‘Es  ist  wahrscheinlich,  daß  ein  nicht
unbedeutender  Teil  des  Lehrstoffs,  den  wir  gegenwärtig  noch  als  ganz  unumgänglich
  für  den  chemischen  Unterricht  zu  betrachten  gewohnt  sind,  dereinst
als  Ballast  über  Bord  geworfen  und  durch  anderes  weniger  notizenhaftes

!)  Über  den  Anfangsunterricht  in  der  Chemie.  Leipzig,  J.  Wagner  1908.

2)  Jena,  Fischer  1904.

5)  Vgl.  hierzu  die  Entgegnungen  von  Ohmann  in  ZPChU.  XVIH,  1.  J.  Ruska  in
‘Südwestdeutsche  Schulblätter’  XXI.  Jahrg.  XI  und  B.  Schmid  in  “Natur  u.  Schule’  III.  Bd.
I.  652  ff.