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b)  Systematische  Lehrbücher.

Unter  denselben  seien  nachstehend  hervorgehoben:

P.  Bräuer,  Lehrbuch  der  anorganischen  Chemie  nebst  einer  Einleitung  in  die  orgsnische
  Chemie.  Zweifellog  haben  wir  es  mit  der  modernsten  Erscheinung  auf  diesem  Gebiete
  zu  tun.  Die  Lehren  der  physikalischen  Chemie  werden  in  einer  dem  Verständnis  der
Schüler  angemessenen  Form  gebührend  berücksichtigt  und  an  geeigneter  Stelle  entwickelt.
Verfasser  läßt  es  auch  an  Versuchen  und  Hinweisen  auf  das  biologische  Gebiet  nicht  fehlen.

Ebeling,  M.,  Lehrbuch  der  Chemie.  Berlin,  Weidmann.  Ausgabe  für  Realschulen.
4.  Aufl.  Ausgabe  für  Realgymnasien.  1.  Aufl.  (I.  Teil.  Was  Ebelings  Buch  von  anderen
systematischen  Lehrbüchern  unterscheidet,  das  ist  das  Fortfallen  der  üblichen  Einleitung
und  eine  besondere  Betonung  der  Technik.  Es  Lringt  eine  erhebliche  Anzahl  von  (den  verschiedensten
  Industriegebieten  entnommenen)  Abbildungen;  dazu  eine  zahlenmäßige  (mitunter
  graphische)  Darstellung  der  wichtigsten  Metall-  und  Mineralgewinnung  der  einzelnen
Länder.  Hierin  liegen  entschieden  Vorzüge,  doch  dürften  das  nicht  die  einzigen  sein,  die
dem  Buche  so  raschen  Eingang  in  die  Schule  verschafften.

Henniger,  K.  A.,  Lehrbuch  der  Chemie  und  Mineralogie  mit  Einschluß  der  Elemente
der  Geologie.  2.  Aufl.  Stuttgart,  Grub.  Das  Buch  hat  viele  Vorzüge;  seiner  Anlage  nach  können
aber  an  verschiedenen  Orten  —  namentlich  bei  den  selteneren  Elementen  —  Kürzungen  eintreten.
  Die  an  die  Atomtheorie  sich  anknüpfenden  Einzelheiten  treten  wohl  zu  frühzeitig  auf.

Lipp,  A.,  Lehrbuch  der  Chemie  und  Mineralogie.  3.  Aufl.  Stuttgart,  Grub.  Der  Verfasser
  ist  bemüht,  den  Gesamtstoff  der  Chemie  zu  behandeln.  Bei  der  Klarheit,  mit  welcher
er  manche  Kapitel,  wie  z.  B.  die  Affinität,  darlegt,  ist  es  zu  verwundern,  daß  manche
einleitenden  Abschnitte  zusammenhanglos  mmeinander  gereiht  und  vielleicht  zu  früh  gebracht
wurden.  Das  Buch  könnte  Kürzungen  vertragen,  so  namentlich  im  organischen  Teil  oder
bei  dem  mit  Formeln  überladenen  Kapitel  ‘Farbstoffe’.

Lorscheid,  J.,  Lehrbuch  der  anorganischen  Chemie.  15.  Aufl.  Freiburg  i.  B.,  Herder.
Auf  das  weitverbreitete  Buch  wurde  bei  früherer  Gelegenheit  bereits  hingewiesen;  zu  seiner
weiteren  Charakteristik  dient  noch  die  Art  der  Einleitung  —  eine  längere  von  Experiınenten
  begleitete  Einführung  —,  dazu  eine  Erläuterung  verschiedener  Grundbegriffe.  |

Siebert,  G.,  Lehrbuch  der  Chemie  und  Mineralogie.  Braunschweig  1901.  Der  Verfasser
legt  einen  besonderen  Wert  auf  die  quantitative  Genauigkeit  von  Versuchen,  weshalb  die
Wage  schon  in  den  ersten  Lehrstunden  vielfach  gebraucht  wird.  Zweifellos  ist  das  Buch
sehr  anregend;  nur  ein  Bedenken  kann  hier  nicht  unterdrückt  werden;  es  ist  namentlich  im
organischen  Teil  zu  umfangreich.

Von  weiteren  systematischen  Lehrbüchern  seien  erwähnt:  Kraus  und  Böttger,  J.
Sperber,  E.  Volckmar,  R.  Waeber.

Im  Anschluß  an  diese  Lehrbücher  sei  hier  noch  auf  ein  Unterrichtewerk  verwiesen,
das,  wenn  auch  kein  Schulbuch  im  engeren  Sinne,  von  größter  methodischer  Bedeutung  ist.
Es  ist  das  die  ungemein  fesselnd  geschriebene  (Dialog)  ‘Schule  der  Chemie’  von  W.  Ostwald
  (Braunschweig,  Vieweg  &amp;  Sohn  1903/4).  Charakteristisch  ist  die  breite  physikalische
Grundlage,  die  nicht  nur  eingangs  in  den  eigens  dazu  bestimmten  Kapiteln  (Stoff,  Stoff  und
Gemenge,  Lösungen,  Schmelzen,  Erstarren,  Verdampfen  und  Sieden,  Messen  usw.),  sondern
such  in  den  eigentlich  chemischen  Kapiteln  hervortritt.

Für  den  Unterricht  besonders  wertvoll  erscheinen  dem  Rezensenten  die  methodische
Durchführung  des  Abschnittes  ‘Verbrennung’,  die  dem  Kapitel  “Sauerstoff”  vorausgeht,  die
Erörterungen  über  ‘Energie’,  sowie  die  zum  Verständnis  des  Gesetzes  von  der  Erhaltung
der  Masse  hinführenden  Versuche,  die  uns  übrigens  zeigen,  daß  man  verhältnismäßig  zeitig
auf  dieses  universelle  Gesetz  hinlenken  kann.

Ferner  sei  auf  die  überaus  klaren  und  dem  Fassungsvermögen  jüngerer  Schüler  angepaßten
  Kapitel  hingewiesen,  welche  deu  Zusammenhang  zwischen  Volum  und  Druck  der
Gase  entwickeln,  wobei  an  die  Selbsttätigkeit  der  Schüler  (Prüfung  des  Boylschen  Gesetzes)
  appelliert  wird,  und  an  die  biologischen  Erörterungen,  die  sich  an  die  Kohlensäure
und  die  strahlende  Energie  der  Sonne  anschließen.