Geologie.  571

GEOLOGIE.

Leider  wird  dieses  Unterrichtsfach  an  vielen  unserer  höheren  Lehranstalten
kaum  erwähnt.  Wie  es  kommen  kann,  daß  ein  Fach,  welches  sowohl  das  allgemeine
  Wissen  fördert,  als  auch  in  das  praktische  Leben  einschlägt,  noch
immer  keinen  Platz  in  den  Lehrplänen  vieler  Realanstalten  findet,  ist  kaum
begreiflich.  Jedenfalls  war  die  Eingabe  der  Deutschen  geologischen  Gesellschaft
  (1902)  an  die  Kultusministerien  der  einzelnen  Bundesstaaten  den  Lehrern
der  Naturwissenschaften  aus  der  Seele  gesprochen.  Wer  von  uns  wäre  nicht
mit  ihr  einverstanden,  wenn  dort  gewünscht  wird,  ‘daB  auf  den  höheren
und  mittleren  Lehranstalten  auch  Unterricht  in  den  Elementen  der  Geologie
erteilt  werde,  nicht  in  solcher  Weise,  daß  das  Gedächtnis  damit  irgendwie  erheblich
  belastet  werde,  sondern  daß  die  Anschauung  und  Beobachtung  dadurch
geklärt  und  geschärft  und  eine  Anzahl  von  Begriffen  und  Bezeichnungen  des
täglichen  Lebens  verständlich  gemacht  werde”  Welcher  Naturwisssenschaftler
und  Geograph  würde  nicht  voll  und  ganz  zustimmen,  wenn  es  heißt,  ‘daß  eine
gewisse  Kenntnis  der  Geologie  unerläßlich  ist  für  das  Studium  der  Heimatkunde,
  besonders  der  physikalischen  Geographie  und  zum  Verständnis  der  geologischen
  Karten,  zumal  der  Spezialkarten,  welche  ja  zum  Nutzen  und  Frommen
der  verschiedensten  Kreise  der  Bevölkerung  jetzt  aus  Staatsmitteln  hergestellt
werden.’

Wenn  an  der  sehr  sachlich  gehaltenen  Eingabe  etwas  zu  beanstanden  ist,
so  kann  es  nur  ein  Punkt  sein.  Von  den  deutschen  Staaten  mit  obligatemn
Geologieunterricht  ist  nur  Württemberg  genannt,  obwohl  die  Bestimmungen  im
Königreich  Sachsen  für  die  Geologie  sehr  günstig  lauten.  Für  Realschulen
schreibt  der  sächsische  Lehrplan  vor:  Geologie  und  Mineralogie  im  Anschluß
an  die  Paläontologie.  Wiederholungen  aus  den  Gebieten  der  Botanik  und  Zoologie.
  Überblick  über  den  Zusammenhang  der  verschiedenen  Naturreiche.  (Der
Unterricht  erstreckt  sich  auf  die  1.  Klasse  und  wird  einstündig  erteilt.)  Die
Untersekunda  des  Realgymnasiums  hat  bei  wöchentlich  2  Stunden  dasselbe
Pensum  zu  erledigen.  Für  die  O  III  lautet  das  Pensum:  ‘Allgemeine  chemische
Begriffe.  Mineralogie  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Geologie.’  2  stündig.')

Über  die  Geologie  als  Unterrichtsfach  hat  sich  bis  jetzt  nur  eine  geringe
Literatur  herausgebildet.  Daß  man  von  der  Erfahrung  und  der  nächsten  Umgebung,
  dem  heimatlichen  Fluß,  Gestein  und  Boden  auszugehen,  und  von  der
Exkursion  ganz  besonders  Gebrauch  zu  machen  hat,  dürfte  wohl  heutzutage
kaum  mehr  bestritten  werden.  Die  Rinne,  die  sich  das  auf  der  Straße  ablaufende
Regenwasser  gräbt,  der  abgeschliffene  Kiesel  im  Bach,  die  am  Gestein  verursachten
  Schäden  des  Frostes,  Moose  und  Flechten  am  Felsen,  Verwitterungserscheinungen
  verschiedenster  Art,  das  alles  bietet  uns  eine  Menge  von  Anknüpfungsı)

  Die  Lehrpläne  und  Lehraufgaben  des  Hamburgischen  Staates  vom  Jahre  1904
fordern  unter  Erdkunde:  IP  28t....  Von  der  Heimat  ausgehende  Wiederholung  der  physischen
  Erdkunde  mit  Einführung  in  die  geologische  Betrachtungsweise.  II*  u.  I.  (2—8  St.)
Allgemeine  physische  Erdkunde,  insbesondere  Grundzüge  der  Geologie...  .