574  Scuwın:  Mineralogie  und  Geologie.

Die  Bestimmung  dürfte  von  großer  Tragweite  sein.  Wenn  auch  gegenwärtig
  diese  Kombination  mehr  eine  Personenfrage  ist,  so  läßt  sich  nicht  ableugnen,
  daB  die  hier  gebotene  Möglichkeit  für  die  Ausbildung  künftiger  Naturwissenschaftslehrer
  von  Bedeutung  sein  wird.  In  neuester  Zeit  ist  eine  andere
Strömung  zu  verzeichnen,  welche  den  Geologieunterricht  mit  dem  geographischen
verknüpfen  will;  einmal  deshalb,  weil  sie  in  ihm  einen  unentbehrlichen  Bestandteil
  des  geographischen  Studiums  erblickt,  sodann  aber  auch,  um  dieses
Fach  aus  der  traurigen  Lage  zu  befreien,  in  der  es  sich  befindet.  Tatsächlich
hat  unter  diesen  Umständen  eine  Alliance  mit  der  Geographie  viel  für  sich.

Dennoch  dürfte  es  wenig  empfehlenswert  erscheinen,  wenn  wir  Naturwissenschaftler
  die  Geologie  zur  Geographie  hinüberwandern  ließen,  vielmehr  muß
es  unser  Bestreben  sein,  die  Geographie  auch  in  das  Examensgebiet  des  Kandidaten
  der  Naturwissenschaften  hereinzuziehen.')  Man  denke  z.  B.  an  die  Tierund
  Pflanzengeographie,  bei  welcher  der  naturwissenschaftlich  vorgebildete  Geograph
  mit  ungleich  größerem  Vorteil  biologische  Gesichtspunkte  verwenden
kann  als  der  nicht  naturwissenschaftlich  vorgebildete.  Ferner  darf  man  die
Zusammengehörigkeit  von  Mineralogie  und  Geologie  in  der  Unterrichtspraxis,
  sowie  die  Beziehungen  der  Paläontologie  zur  Geologie  nicht  vergessen,
  zumal  heutzutage,  wo  es  an  Versuchen  nicht  fehlt,  dieses  Band  zu  zerreißen.
  Man  führt  an,  die  25  für  die  Geologie  in  Betracht  kommenden  Mineralien
  können  uns  noch  kein  Anlaß  sein,  Mineralogie  und  Geologie  zu  verknüpfen.
  —  Das  Merkwürdige  an  dieser  Forderung  ist,  daß  man  der  Gesteinslehre
nicht  entraten  kann,  und  daß  diese  wiederum  auf  der  Mineralogie  fußt.

PALÄONTOLOGIE.

Während  eine  getrennte  Behandlung  von  Mineralogie  und  Geologie  in  dem
Sinne  möglich  ist,  daß  man  in  der  Mineralogie  auf  die  Geologie  Bezug  nimmt,
und  die  Hauptpunkte  der  Geologie  für  sich  behandelt,  kann  von  einer  Loslösung
der  Paläontologie  von  der  Geologie  nicht  die  Rede  sein.  Dagegen  spricht  schon
die  Bedeutung  der  Petrefakten  als  Leitfossilien;  denn  in  diesem  Punkte  bedarf
sie  fortwährend  der  geologischen  Disziplin.

Der  paläontologische  Unterricht  soll  es  sich  angelegen  sein  lassen,  die
Fossilien  zu  beleben,  und  das  kann  er,  wenn  er  dieselben  mit  der  jeweiligen
Formation  in  der  Weise  in  Beziehung  bringt,  daß  unter  Berücksichtigung
entwicklungsgeschichtlicher  Momente  die  Abhängigkeits--  und  Anpassungserscheinungen
  des  Individuums  von  seiner  Umgebung  genügend  hervorgehoben
werden.  Allerdings  darf  man  in  diesem  Punkte  nicht  zu  weit  gehen,  denn  die
Gefahr,  in  Hypothesen  zu  verfallen,  liegt  bekanntlich  hier  nahe.

',  Freilich  ist  es  unter  den  heutigen  Verhältnissen  nahezu  ausgeschlossen,  den  Kandidaten
  der  Naturwissenschaften  auch  noch  mit  Geographie  zu  belasten,  hingegen  dürfte  angesichts
  der  immer  umfangreicher  werdenden  naturwissenschaftlichen  Disziplinen  an  und
für  sich  eine  Neuregelung  des  Studiums  der  Naturwissenschaften  in  Erwägung  gezogen
werden.  (Durch  diesen  Vorschlag  soll  nicht  etwa  die  Wichtigkeit  der  historischen  und
politischen  Seite  der  Geographie  verkannt  und  das  geographische  Studium  ausschließlich
für  den  Naturwissenschaftler  beansprucht  werden.)