Übungsstoff.  611

der  Militärschule!)  enger  anschließt;  aber  was  für  den  schwedischen  und  den
schweizerischen  Schüler  infolge  der  eigenartigen  Wehrverfassung  seiner  Heimat
zur  Notwendigkeit  wird,  braucht  nicht  dem  unter  ganz  anderen  Verhältnissen
für  seinen  Heeresdienst  auszubildenden  deutschen  Knaben  dienlich  zu  sein.  Darum
begnügt  man  sich,  den  Ratschlägen  bewährter  militärischer  Fachmänner  folgend,”)
  mit  Recht  damit,  die  einfachsten  militärischen  Ordnungsübungen  vorzunehmen.?)


Der  Übungsstoff*),  durch  den  der  Turmunterricht  seine  Aufgabe  zu  erreichen
  sucht,  wird  in  allen  amtlichen  Bestimmungen  in  der  seit  Spieß  geläufigen
  Weise  in  Ordnungs-,  Frei-  und  Gerätübungen  geschieden;  als  Anhang
kommen  die  Turnspiele  hinzu.  Den  Freiübungen  sind  —  im  Gegensatz  zum
preußischen  Leitfaden  —  die  Handgerätübungen  zuzuordnen.  Was  im  einzelnen
aus  diesen  verschiedenen  Übungsgebieten  im  Turnunterricht  der  höheren  Schulen
durchgenommen  werden  soll,  ist  in  Bayern°)  und  Hessen®)  in  eingehenden  Lehrplänen
  für  jede  Klasse  festgelegt  worden;  in  anderen  Staaten  wird  in  dieser
Hinsicht  auf  bestimmte  Übungsbücher  verwiesen,  so  in  Württemberg’),  Baden?),
Elsaß-Lothringen.?)  Preußen  verlangt  in  der  Einführungsverordnung  des  ‘Leitfadens
  für  den  Turnunterricht  in  den  preußischen  Volksschulen’  vom  1.  April

ı)  Turnvorschrift  für  die  Infanterie,  Berlin  1895,  mit  den  bis  Febr.  1904  vorgenommenen
Änderungen,  besondere  den  von  Major  von  Ditfurth  entworfenen  vorbereitenden  Freiübungen
  ohne  Kommando.  Vgl.  Turnvorschrift  für  die  Voranstalten  des  Kgl.  preuß.
Kadettenkorps,  Berlin  1904,  und  von  Ditfurth,  Gymnastik  und  ihre  militärische  Verwertung,
  Berlin  1906.

»,  MTw.  1890,  174.

®,  Sachsen  und  Württemberg  verzichten  auch  darauf.  Wie  man  die  der  Schule  zur
Verfügung  stehenden  Mittel  der  körperlichen  Erziehung  für  die  Erhöhung  der  Wehrkratt
des  Vaterlandes  möglichst  nutzbringend  verwendet,  wird  in  einer  größeren  Anzahl  lesenswerter
  Aufsätze  erschöpfend  dargestellt,  die  v.  Schenckendorff  und  Lorenz  unter  dem
Titel  “Wehrkraft  durch  Erziehung’,  Leipzig  1904  (neue  Ausgabe  1905),  im  Auftrage
des  Zentralausschusses  zur  Förderung  der  Volks-  u.  Jugendspiele  herausgegeben  haben.

*)  Eine  übersichtliche  Zusammenstellung  des  gesamten  Turnübungsstoffes  enthalten
Ed.  Angerstein,  Theoretisches  Handbuch  für  Tuner,  Halle  1870;  Ravensteins  Volksturnbuch‘
  von  A.  Böttcher,  Frankfurt  a.  M.  1894.  Über  die  Einzelgebiete  vgl.  in  EHb.
(Euler,  Enzyklopädisches  Handbuch  des  gesamten  Turnwesens)  die  betreffenden  Artikel,
und  das  Verzeichnis  der  neueren  Erscheinungen  in  Schröer,  Methodik  des  Turnunterrichts,
Leipzig  u.  Berlin  1904,  S.  94.  Für  das  Gerätturnen  sei  besonders  hingewiesen  auf  Puritz,
Merkbüchlein  für  Vorturner!*.  Hannover  1900.

6,  Programm  des  Turnunterrichtes  für  die  humanistischen  und  Realgymnasien  des
Königreichs  vom  19.  Juli  1898.  Der  Entwurf  eines  neuen  Lehrprogrammes  liegt  vor.

°,  Lehrplan  f.  d.  Gymnasien  des  Großh.  Hessen  vom  18.  Jan.  1893  und  genau  damit
übereinstimmend  die  Lehrpläne  für  die  anderen  höh.  Schularten.

)  O.H.  Jäger,  Neue  Turnschule?,  Stuttgart  1891.  Keßler,  Übungsbeispiele  für  den
Turnunterr.  in  den  Schulen  der  männl.  Jugend’,  Stuttgart  1905,  worin  auch  eine  Verteilung
des  Turnstoffes  auf  die  einzelnen  Stufen.

°,  Maul,  Anleitung  für  den  Turnunterr.  in  Knabenschulen  I*,  1I®,  II?  Karlsruhe  1893,
1895.  1897.  Maul,  Lehrplan  f.  d.  Turnen  der  männl.  Schuljugend®,  Karlaruhe  1902,

"%  Nußhag,  Leitfaden  für  den  Turnunterricht  in  den  Schulen  der  männl.  Jugend,

Straßburg’  1900.
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