Übungswert.  Freilicht-  und  Wasserturnen.  615

Die  Turnspiele,  deren  hervorragender  Übungswert!)  von  allen  Seiten  anerkannt
  ist,  haben  in  allen  amtlichen  Lehrplänen  als  ein  Bestandteil  des  Turnunterrichtes
  Aufnahme  gefunden;  ihr  Betrieb  auch  außerhalb  der  Schulzeit  wird
gewünscht;  in  Hessen  soll  nach  einer  Verfügung  von  1900  auf  die  Bildung  von
Spielvereinigungen  der  Schüler  nach  Möglichkeit  hingewirkt  werden.  In  Preußen
ist  ausdrücklich  in  einer  Sitzung  des  Abgeordnetenhauses  vom  14.  März  1892
vom  Regierungsvertreter  erklärt  worden,  daß  die  Einrichtungen  für  das  freie
Jugendspiel  durch  die  Einführung  der  dritten  Turnstunde  in  keiner  Weise  berührt
  würden;  wohl  aber  sei  es  statthaft,  von  den  drei  Turnstunden,  besonders
auf  der  Unterstufe,  eine  angemessene  Zeit  zur  Einübung  der  Bewegungsspiele
zu  verwenden.  Der  Zentralausschuß  für  Volks-  und  Jugendspiele,  dem  die  allgemeine
  Wiederbelebung  der  Schulspiele  zu  danken  ist,  hält  die  verbindliche
Beteiligung  aller  Schüler  an  den  von  der  Schule  außerhalb  der  Turnstunden
eingerichteten  Spielgelegenheiten  für  wünschenswert  und  hat  sich  vor  kurzem
mit  einer  entsprechenden  Eingabe  an  die  Behörden  gewandt?)

Turnmärsche  werden  außer  in  Bayern  in  allen  größeren  deutschen
Staaten  empfohlen.  In  Hessen  waren  1883  mindestens  monatliche  Schulausflüge
angeordnet  worden;  eine  Verfügung  von  1900  aber  ist  wesentlich  zurückhaltender
  und  überläßt  es  der  Lehrerkonferenz,  ob  und  wie  viele  Ausflüge  unternommen
  werden  sollen.  Die  preußischen  Lehrpläne  von  1901  verlangen  öfter
auszuführende  Turnmärsche.  Darunter  sind  vermutlich,  wo  die  Lage  der  Schule
oder  der  Turnstunde  nicht  gestattet,  die  fürs  Turnen  festgesetzte  Zeit  dazu  zu
benutzen,  die  im  RunderlaßB  vom  17.  Juni  1886  (E.  u.  E.  S.  45)  erwähnten
Halbtagswanderungen  zu  verstehen;  um  diese  zu  ermöglichen,  ist  es  den  Direktoren
  gestattet,  den  Nachmittagsunterricht  fir  eine  oder  mehrere  Klassen  auszusetzen,
  aber  nicht  häufiger  als  zweimal  im  Jahre  für  jede  Klasse.?)

Das  Schwimmen  ist  in  Bayern  schon  in  der  Schulordnung  für  die  Gymberg

  ist  der  Springkasten  unbekannt,  dagegen  der  Stemmbalken,  gewissermaßen  eine  Vereinigung
  mehrerer  Pferde,  im  Gebrauch.  Die  Lehraufgaben  für  Elsaß-Lothringen  von
1883  schließen  auf  allen  Turnstufen  Kletterübungen  am  Seil  und  an  dünnen  Stangen  aus;
in  Bayern  sollen  die  Kletterübungen  an  einer  Stange  mit  Vorsicht  betrieben  werden.

Vgl.  Schmidt,  Der  Einfluß  der  Turnspiele  auf  das  Nervensystem  (Jb.  1903,  81)
und  die  trefflichen  Worte  Eitners  in  den  Verhandlungen  über  Fragen  des  höheren  Unterrichts
  vom  4.  bis  17.  Dezember  1890  S.  467ff.  Vgl.  auch  Witte,  Das  Ideal  des  Bewegungsspiels.
  Berlin  1896.

n  Vgl.  Raydt,  Spielnachmittage.  Leipzig  1905.  In  Preußen  waren  1902  an  mehr
ala  der  Hälfte  aller  Anstalten  Turnspiele  außerhalb  der  Turnstunden  eingerichtet,  und  an
5  %,  aller  Anstalten  war  die  Beteiligung  an  diesen  Spielen  verbindlich.  Allgemeine  Spielpflicht
  herrschte  in  Braunschweig,  Sachsen-Altenburg  und  Bremen;  dagegen  hatten  in
Württemberg,  Baden  und  Elsaß-Lothringen  überhaupt  nur  wenige  höheren  Schulen  einen
Spielbetrieb.  —  Über  den  Unterschied  zwischen  Spiel  und  Sport  und  die  Gefahren  des
letzteren  vgl.  Gasch  NJ.  VI  (1903)  839.

5,  Über  die  Schulausflüge  vgl.  Krollicks  mit  reicher  Litersturangabe  versehenen
Artikel  ‘Ausflüge’  in  Wehmer,  Enzyklopädisches  Handbuch  der  Schulhygiene.  Wien  und
Leipzig  1904.  H.  Lorenz  Jb.  XII  (1908)  1  und  in  “Wehrkraft  durch  Erziehung’  8.  199,  sowie
  VD.  XXXII  (Sachsen  1889).