Hilfsmittel.  617

jeder  Schule  außer  der  Turnhalle  ein  Turn-  und  Spielplatz  zur  Verfügung
stehen  soll.  In  Sachsen  wird  sogar!)  ein  bedeckter  Spielplatz  neben  einem
offenen  als  wünschenswert  bezeichnet.  Besonders  eingehende  Bestimmungen
über  Beschaffenheit  und  Einrichtung  von  Turnhalle  und  Turnplatz  enthalten
die  württembergische  Turnordnung  von  1902  und  die  Vollzugsverfügung  dazu
vom  15.  Januar  1903.  In  Preußen  ist  noch  der  Ministerialerlaß  vom  8.  März
1879  maßgebend,  in  welchem  leider  ein  besonderer  Raum  für  das  Ablegen
der  Kleider  und  das  Wechseln  des  Schuhzeugs  nicht  vorgesehen  ist?)  Eigentümlich
  ist  den  württembergischen  Turnhallen  die  !,  bis  ”,  der  ganzen
Bodenfläche  ausmachende  weiche  Niedersprungstelle  innerhalb  der  Turnhalle.?)
—  Die  Geräteeinrichtung  soll  jedes  Hauptgerät  in  3  bis  4  Exemplaren
enthalten.  Eine  vollständige  Zusammenstellung  der  nötigen  Turngeräte  enthält
das  1902  abgegebene  Gutachten  des  Bremer  Turnlehrervereins  über  die  Beschaffenheit
  und  Einrichtung  von  Schultumräumen  (MTw.  XXII  144).  Ein  für
jede  Turnhalle  unentbehrliches  Ausstattungsstück  ist  ein  Verbandskasten  oder
noch  besser  ein  Schrank  für  Verbandzeug,  wie  er  z.  B.  in  den  städtischen
Schulen  von  Hannover  eingeführt  ist,  beschrieben  ZSg.  XVII  424.)

Bei  der  Einordnung  des  Turnens  in  den  Schulorganismus  ist  jetzt  fast

1)  Verordnung  vom  3.  April  1873  s.  Kretzsechmar,  Das  höhere  Schulwesen  im  Königreich
  Sachsen,  8.  665.  —  In  den  VD.  LVII  (Rheinpr.  1899)  S.  128  verlangt  der  Mitberichterstatter
  statt  der  geschlossenen  Turnhalle  eine  für  die  klimatischen  Verhältnisse  am  Rhein
ausreichende  wirkliche  Halle,  d.h.  ein  auf  Säulen  ruhendes  Dach,  welches  der  frischen
Luft  von  allen  Seiten  Zutritt  läßt  und  vor  Feuchtigkeit  der  Luft  und  des  Erdbodens  schützt.

#,  Doch  sind  neuerdings  auch  in  staatlichen  Anstalten  mancherlei  Verbesserungen  eingeführt
  worden,  ohne  daß  sie  in  amtlichen  Erlassen  festgelegt  sind.  Vgl.  Delius,  Über  den
Bau  und  die  Einrichtung  von  Gebäuden  für  die  höheren  Lehranstalten  in  Preußen.  Berlin  1903.

®,  Über  die  Reinigung  und  Heizung  der  Turnhalle  haben  alle  Behörden  genaue  Verordnungen
  erlassen  (Preußen  besonders  1898:  E.  u.  E.  S.  79);  gegen  die  Staubgefahr  schützt
am  besten  der  leider  sehr  teure  Linoleumbelag  auf  dem  Fußboden  und  der  Gebrauch  besonderer
  Turnschuhe  nur  für  die  Turnstunde.  Vgl.  auch  J.  C.  Lion,  Artikel  “Turnanstalten’
in  EHb.  III  159  und  den  Abschnitt  “Die  Tumhallen’  in  Eulenberg  und  Bach,  Schulgesundbheitspflege?
  I.  Berlin  1900.  8.  450.  Unter  den  staubbindenden  Ölen  hat  sich  das  von
Herm.  Matthias,  Berlin  C  2,  gelieferte  Aspersit  bis  jetzt  für  Turnhallen  am  besten  bewährt.

*)  Als  ausführliche  fachmännische  Monographie  über  Turnräume  ist  zu  nennen  Lindheimer,
  Turnanstalten?  1903  im  “Handbuch  der  Architektur’  von  Durm,  Ende  und
Schmidt-Darmstadt,  IV.  Teil,  6.  Halbband,  Heft  1.  Stuttgart,  Bergsträßer.  —  Von  älteren
Gerätebeschreibungen  seien  genannt:  Kluge  und  Euler,  Turngeräte  und  Turneinrichtungen
  für  Schul-  und  Militärturnanstalten  und  Turnvereine,  Berlin  1872  und  J.  C.  Lion,
60  Tafeln  Werkzeichnungen  von  Turngeräten?.  Leipzig  1883.  Vgl.  auch  Goetz  und  Rühl,
Anleitung  für  den  Bau  und  die  Einrichtung  deutscher  'Turnhallen.  Leipzig  1897,  Strauch;
Meyer-Hagen,  Anlage  und  Ausstattung  von  Turnplätzen  und  Turnhallen  für  das  Schulund
  Vereinsturnen  (=  Gasch,  Deutsche  Volksturnbücher,  31./82.  Heft).  Leipzig  1905,  Hesse,
und  Kregenow  und  Samel,  Gerätkunde  für  Turnlehrer  und  Turnvereine.  Berlin  1905,
Weidmann.  Die  namhaftesten  Gerätfabrikanten,  die  man  bei  Bedarf  zusammengesetzter
Geräte  immer  vorteilhafter  in  Anspruch  nimmt  als  einheimische,  in  der  Gerätetechnik  unerfahrene
  Handwerker,  sind  Buczilowsky,  Berlin  W.  57;  A.  Zahn,  Berlin  3O.  26;  Heinr.  Meyer,
Hagen  (Westf.);  Oswald  Faber,  Leipzig-Lindenau;  Dietrich  und  Hannak,  Chemnitz  4;
C.  H.  Pfeifer,  Frankenthal-Rheinpfalz.  —  Spielgeräte  liefern  u.  a.  Dolfs  &amp;  Helle,  Braunschweig  2.