622  Weepe:  Turnen.

regung  und  Unterstützung  wichtiger  Untersuchungen,  z.  B.  augenblicklich  einer
neuen  Statistik  des  deutschen  Schulturnens,  die  Tätigkeit  der  Zweigvereine
lebendig  erhält  und  fördert.!)

Der  Lehrbetrieb  im  Turnunterricht  hat  den  für  jeden  Unterricht  geltenden
  methodischen  Vorschriften  zu  genügen?):  der  Turnlehrer  muß  in  der  Auswahl
  des  Übungsstoffes  ein  regelmäßiges  Fortschreiten  vom  Leichten  und  Einfachen
  zum  Schwereren  beachten,  angemessenen  Wechsel  in  die  Übungen  hineinbringen
  und  der  Forderung  der  Anschaulichkeit  vor  allem  dadurch  genügen,
daB  er  die  Übungen  fehlerfrei  vormacht.  Daneben  aber  soll  der  Turnunterricht
mit  frischem,  fröhlichem  Sinne  betrieben  werden.  Lebhafte  Bewegung  muß  sich
in  jedem  Teile  der  Turnstunde  entwickeln,  auch  beim  Gerätturnen;  darum  ist
von  dem  Grundsatz,  daß  so  viele  Schüler  wie  möglich  gleichzeitig  üben,  nur  da
abzuweichen,  wo  Unübersichtlichkeit  oder  Überanstrengung  eintritt,  besonders
bei  Dauerübungen”)  Im  einzelnen  wird  aber  das  regelmäßige  Fortschreiten
vom  Leichteren  zum  Schwereren,  sofern  Kraft,  Ausdauer  und  Koordinationsfähigkeit
  durch  steigende  Anforderungen  entwickelt  werden  sollen,  nur  möglich,
  wenn  die  Übungen,  welche  eine  lange  Erfahrung  als  die  zur  Erreichung
des  angegebenen  Zweckes  nützlichsten  erkannt  hat,  in  der  richtigen  Reihenfolge,
zu  einem  Lehrplan  zusammengestellt,  zur  Anwendung  kommen.  Daß  bei  der
Auswahl  dieser  Übungen  auf  die  physiologischen  Bedürfnisse  der  betreffenden
Altersstufen  Rücksicht  zu  nehmen  ist,  ergibt  sich  aus  den  früheren  Ausführungen;
  ebenso,  daß  der  Übungsstoff  jeder  einzelnen  Turnstunde  durch  diese
Bedürfnisse  und  durch  die  physiologische  Einwirkung  der  verschiedenen
Übungen  bestimmt  wird.

Von  letzterem  Gesichtspunkte  aus  ist  der  herkömmliche,  lediglich  auf  äußere
Umstände  gegründete  Aufbau  der  Turnstunde  aus  Ordnungs-,  Frei-  und  Gerätübungen
  oder  aus  Gerätübungen  und  Turnspiel  nicht  aufrecht  zu  erhalten;
danach  erscheint  auch  die  Forderung  des  preußischen  Leitfadens,  daß  innerhalb
der  Übungszeit  sowohl  der  Ober-  als  auch  der  Unterkörper  geübt  werde,  zu
mechanisch.  Nicht  die  äußeren  Umstände  und  Hilfsmittel,  unter  denen  die
Übungen  sich  vollziehen,  sind  für  ihre  Auswahl  und  ihre  Anordnung  innerhalb

ı)  Um  seine  Mitglieder  gegen  alle  Gefahren  der  nach  den  Bestimmungen  des  Bürgerlichen
  Gesetzbuches  besonders  dem  Turnlehrer  drohenden  Haftpflicht  zu  sichern,  vermittelt
  der  Vorstand  des  Allgemeinen  deutschen  Turnlehrervereins  (Vorsitzender  zurzeit
Turninspektor  Böttcher  in  Hannover)  für  die  Mitglieder  der  Zweigvereine  den  Abschluß
einer  Haftpflichtversicherung  mit  der  Allgemeinen  Frankfurter  Versicherungsgesellschaft.
Über  die  Frage  der  Haftpflicht  vgl.  besonders  auch  die  Ausführungen  des  Kieler  Juristen
Prof.  Weyl,  ZTJ.  X  66  u.  85.

»)  Vgl  J.C.  Lion,  Bemerkungen  über  den  Turunnterricht  in  Knaben-  und  Mädchenschulen®.
  Leipzig  1888.  Maul,  Anleitung  für  den  Turnunterricht  in  Knabenschulen,  3  Bde.,
besonders  Bd.  I‘  Karlsruhe  1893.  Zettler,  Methodik  des  Turnunterrichts?.  Berlin  1902.
Wickenhagen,  Turnen  und  Jugendapiele,  München  1898  (in  Baumeisters  “Handbuch  der
Erziehungs-  und  Unterrichtslehre  für  höhere  Schulen’,  Burgaß,  Die  Leibesübungen  an
den  höheren  Schulen.  Progr.  Realschule  Elberfeld-Nordstadt  1899.  Schröder,  Methodik  des
Turnens.  Leipzig  1904.

®)  Vgl.  Böttcher,  ZTJ.  X  6.