624  Wexpe:  Turnen.

Erfolg  auch  hier  den  Betrieb  auf  einem  eingehenderen  Schulturnplan  aufgebaut.')


Wie  nun  die  einzelne  Übung  am  sichersten,  leichtesten  und  richtigsten
dem  Schüler  übermittelt  wird,  das  ist  durch  die  turnmethodischen  Schriften
bewährter  Meister  wie  Spieß,  Lion,  Zettler  und  Maul?)  festgestellt  worden.
Danach  wird  die  Übung  erst  in  ihren  Teilen  und  dann  im  ganzen  auf  Befehl
und  nach  Zählen,  unter  sorgfältigem,  aber  kurzem  Verbessern  des  Lehrers  so  lange
geübt,  bis  sie  ohne  Mühe  und  fehlerfrei  gelingt;  dann  folgt  die  taktmäßige  Ausführung,
  auch  fortgesetzt,  und  schließlich  wird  die  neue  Übung  in  Wechsel  und  in
Verbindung  mit  anderen  Übungen  gebracht;  bei  schwierigeren  Aufgaben  geht
der  Ausführung  auf  Befehl  ein  Üben  in  freier  Weise  voraus.  Die  taktmäßige
Ausführung  der  Übungen,  bis  dahin  fast  nur  bei  den  Frei-  und  Handgerätübungen
  gebräuchlich,  hat  Maul  auf  die  einfachen  und  ihrem  Rhythmus  nach
dazu  geeigneten  Gerätübungen  ausgedehnt;  nach  gründlicher  Einüäbung  —  aber
auch  nicht  früher  —  werden  diese  “mit  Einsetzen  der  folgenden’  in  einem  bestimmten
  Zeitmaß  und  zur  Förderung  des  guten  Gelingens  nach  den  Klängen
der  Musik  ausgeführt.)  Die  vollkommene  Beherrschung  der  Übungen,  welche
ein  solches  Verfahren  zur  Voraussetzung  hat,  erreicht  Maul  hauptsächlich  durch
weitgehende  Beschränkung  des  Stoffes‘)  Diese  Beschränkung  vornehn:-lich,
  weniger  —  und  dann  jedenfalls  mit  Unrecht  —  Mauls  scharf  ausgebildetes
methodisches  Verfahren,  das  von  methodischer  Turnunterrichtskünstelei  weit
entfernt  ist,  hat  im  Anschluß  an  die  aus  allen  Teilen  Deutschlands  zahlreich
besuchte  9.  oberrheinische  Turnlehrerversammlung  im  Juli  1902  in  Karlsruhe
zu  einer  hartnäckigen  literarischen  Fehde  geführt,  besonders  zwischen  Wickenhagen°®)
  und  Sickinger,®)  in  deren  Verlauf  Moldenhauer  (MhS.  III  381)
sich  im  wesentlichen  auf  Sickingers  Seite  stellte.  —  Eine  Behandlung  der  Gerätübungen
  nach  Maulscher  Art  setzt  natürlich  ein  Gemeinturnen,  d.h.  ein
gleichzeitiges  Ausführen  derselben  Übung  durch  mehrere,  auch  während  der
Gerätübungen,  in  allen  Klassen  voraus,  und  diese  Betriebsweise  der  Gerätübungen
finden  wir  in  der  Tat  in  den  süddeutschen  Staaten  und  in  Sachsen  fast  durch-I)

  ‘Lehrplan  für  den  Turnunterricht  an  den  Gymnasien  usw.  der  Kgl.  Haupt-  und  Residenzstadt
  Hannover’  Hannover  1899.  Für  ein  größeres  Gebiet  sind  bestimmt:  Bohn,
Kregenow,  Pape  und  Thiede,  Lehrstoff  für  den  Turnunterricht  an  höh.  Lehranstalten.
Berlin  1879.  Kersten,  Lehrplan  für  den  Turnunterricht  (Beil.  Jahresber.  Realg.  Barmen.
Östern  1902).  Ludwig,  Handbuch  für  den  ges.  Turnunterricht  an  höheren  Lehranstalten.
Berlin  1900;  für  untere  und  mittlere  Klassen  höherer  Lehranstelten  auch  Grittner  und
Schmale,  Praxis  des  Turnunterrichts.  Bielefeld  und  Leipzig  "1906.  Schröder,  Der
Turnunterricht  in  der  Volksschule  und  in  den  unteren  Klassen  der  höheren  Lehranstalten.
Berlin  1902.

*)  Besonders  Anleitung  Bd.  I‘  1893.  Vgl.  hierüber  den  Vortrag  von  Schmuck,  MTw.
XXIII  (1904),  257.

°)  Vgl.  Bruder,  Anleitung  für  das  Taktturnen  an  Reck  und  Barren.  Karlsruhe  1902.

%  An  den  2  bzw.  3  Hauptgeräten  werden  durchschnittlich  nur  je  5  neue  Übungen
wührend  des  ganzen  Schuljahres  als  unbedingt  zu  lösende  Aufgaben  bezeichnet.

..  9.  Mh8.  I  Nr.  11.
°)  Preußisches  und  badisches  Schulturnen.  Karlsruhe  1903.