630  Weaxıcoee:  Schulhygiene.

hergebrachten  in  richtiger  Würdigung  der  deutschen  Volksseele,  nachdrücklich
wohl  als  der  Erste  für  die  Beibehaltung  und  Wiedereinführung  der  Körperübungen
  und  Pflege  der  Jugendspiele  eintritt.  Sehr  richtig  hebt  er  hervor,  daß
es  kein  besseres  Mittel  für  die  Jugend  gebe,  um  sie  vor  Völlerei,  Unzucht  und
Würfelspiel  zu  bewahren,  als  sie  zum  Betreiben  von  Körperübungen,  zum  Fechten,
Ringen  und  auch  der  Musik  anzuhalten.

In  ähnlichem  Sinne  wie  Luther  trat  Zwingli  nicht  nur  für  die  Körperübungen
  sondern  auch  für  die  Einführung  des  Handfertigkeitsunterrichts  in  den
Schulbetrieb  ein.  Auch  eine  Reihe  von  Humanisten  hat  bei  dem  Wiedererwachen
  der  Studien  des  klassischen  Altertums  auf  die  Wichtigkeit  der  Gymnastik,
  wie  sie  die  Griechen  betrieben  hatten,  als  eines  bedeutungsvollen  Teils
der  Jugenderziehung  hingewiesen;  auch  Schülerausflüge  hinaus  in  die  Gottesnatur
  wurden  empfohlen.

Nicht  unerwähnt  darf  bleiben,  daß  die  Jesuiten,  wie  sie  den  Schulunterricht
  im  allgemeinen  förderten,  in  ihren  Konvikten  neben  der  geistigen  Ausbildung
  ihrer  Schüler  der  körperlichen  und  gesundheitlichen  Ausbildung  vollste
Aufmerksamkeit  schenkten.  Sie  beschränkten  in  weiser  Mäßigung  die  Zahl
der  Unterrichtsstunden  und  die  Menge  der  Arbeit,  hatten,  wie  heute  z.  B.  noch
in  Schulpforta,  in  der  Woche  einen  unterrichtsfreien  Tag  für  selbständige  Arbeit
  der  Zöglinge.

Die  Internatsgebäude  waren  vielfach  für  die  damalige  Zeit  musterhaft
hygienisch  eingerichtet  mit  guter  Verpflegung;  Reinlichkeit  und  Helligkeit
herrschte  in  den  großen  weiten  Räumen;  lange  Ferien  waren  zur  Erholung  von
geistiger  Arbeit  bestimmt.

Unvergessen  in  der  Geschichte  der  Schulgesundheitspflege  wird  der  große
Schulmann  Amos  Comenius  (}  1671)  bleiben.  So  wie  er  den  Anschauungsunterricht
  und  das  Studium  der  Natur  förderte,  so  verlangte  er  auch  wie
100  Jahre  nach  ihm  Rousseau  Körperübungen  als  einen  notwendigen  Bestandteil
  der  Jugenderziehung:  nur  in  einem  gesunden  Körper  könne  ein  gesunder
Geist  Wohnung  haben.  Auch  er  hebt  die  Notwendigkeit  heller  luftiger  Schulzimmer
  und  schöner  Spielplätze  für  die  Schulen  hervor.

Über  eine  zweckmäßige  Einrichtung  eines  Schulzimmers  hat  wohl  zum
ersten  Male  Furttenbach  (1649)  nachgedacht  und  ein  hinreichend  großes,  mit
entsprechender  Ventilation,  Tageslichtbeleuchtung  und  Beheizung  usw.  versehenes
Schulzimmer  beschrieben.

Im  18.  Jahrhundert,  als  die  Forderungen  einer  neuen  Zeit  sich  allmählich
immer  mehr  geltend  machten,  sind  Buttstedt  zu  Osterode  (1737),  Basedow
(1723—1790)  und  Salzmann  in  Schnepfenthal  (1744—1811)  als  Förderer  der
Schulhygiene  ganz  besonders  zu  nennen.

Auch  Herder,  Jean  Paul  und  Goethe  haben  der  körperlichen  Erziehung
der  Jugend  warm  das  Wort  geredet.

Buttstedt  sind  schon  die  Nachteile  einer  fehlerhaften  und  unzweckmäßigen
Körperhaltung  der  Schulkinder  beim  Lesen  und  Sitzen  bekannt,  die  sich  als
Verbiegungen  der  Wirbelsäule  und  Entstehung  von  Myopie  (Kurzsichtigkeit)