Schulhaus.  633

viele  hygienisch  musterhafte  Schulhäuser,  aber  es  ist  doch  auch  hervorzuheben,
daß  recht  viele  ältere  Bauten  selbst  hygienischen  Minimalforderungen  nicht
entsprechen.  Bei  Neubauten  wird  von  staatlichen  und  kommunalen  Behörden
dafür  Sorge  getragen,  daß  beim  Schulhausbau  die  Hygiene  berücksichtigt  wird.

Die  Gesundheit  des  Menschen  hängt,  mehr  als  gemeinhin  bekannt,  von  der
Beschaffenheit  des  Bodens  ab,  auf  dem  er  lebt,  auf  dem  er  seine  Häuser  baut,
in  denen  er  wohnt.  Ein  mit  organischen,  zersetzungsfähigen  Stoffen  beladener
Boden  fiihrt  dem  darauf  erbauten  Hause  ständig,  namentlich  im  Winter,  verdorbene,
  stark  CO,haltige  und  mit  allerhand  gasigen  Fäulnisprodukten  beladene
Luft  zu.  Reicht  das  Grundwasser  oder  seine  kapillare  Zone  so  weit  nach  oben,
daB  die  Fundamente  des  Hauses  in  diese  Schichten  hineinreichen,  so  ist  die
Gefahr  des  Eindringens  der  Feuchtigkeit  in  das  Haus  eine  sehr  große.  Ein
feuchtes  Haus  macht  die  Bewohner  für  allerhand  Krankheiten  empfänglich,  wie
Erkältungskrankheiten  und  Rheumatismen,  erzeugt  bei  Schülern  Blutandrang
nach  dem  Kopf  und  erschwert  dem  Lehrer  das  Sprechen.  In  ein  feuchtes
Haus  pflegt  der  Hausschwamm  (Merulius  lacrymans)  sehr  bald  einzuziehen,
und  er  zerstört  dann  das  Holzwerk  des  Hauses.  Wenn  auch  an  sich  nicht
giftig,  so  erzeugt  der  Hausschwamm  feuchte  und  verdorbene  Luft,  da  seine
dicken  Pilzmyzelien  leicht  absterben  und  faulen.  Wir  verlangen  daher  für  ein
Schulhaus  einen  trockenen  und  reinen,  nicht  mit  menschlichen  oder  tierischen
Abfallstoffen  durchsetzten  Baugrund.

Nächst  dem  Baugrunde  ist  der  Bauplatz  für  ein  Schulhaus  bedeutungsvoll.
  Die  Schule  soll  zunächst  so  liegen,  daß  die  Wege  zur  Schule  für  die
Schulkinder  nicht  gar  so  weite  werden,  damit  die  Kinder  auf  dem  Gang  zur
Schule  nicht  zuviel  Kräfte  und  Zeit  verlieren.  Die  drei  Kardinalforderungen
an  den  Platz  sind  aber  frische  Luft,  gutes  Licht  und  tunlichste  Ruhe.  Alles,
was  die  Luft  verdirbt,  wie  rauchende  Fabriken,  stehende,  sumpfige  Gewässer,
Dung-  und  Müllabladestätten  usw.,  sei  vom  Bauplatz  fern.  Gute,  frische  Luft
ist  für  eine  normale  Tätigkeit  des  Gehirnes  absolut  nötig.  Licht,  Sonnenlicht
muß  in  Fülle  der  Schule  zuströmen:  Licht  belebt,  erheitert,  alle  Wesen  kehren
sich  zum  Licht;  für  den  Hygieniker  bedeutet  das  Licht  aber  das  gewaltigste,
Infektionsstoffe  und  Bakterien  abtötende  Mittel,  das  in  der  Natur  wirksam  ist.
Die  so  äußerst  widerstandsfähigen  Tuberkelbazillen  gehen  unter  direkter  Besonnung
  in  Stunden,  unter  diffusem  Tageslichte  in  einigen  Tagen  zugrunde;
ebenso  vergehen  Diphtheriebazillen  und  Eiterbakterien,  wahrscheinlich  auch  der
noch  unbekannte  Ansteckungsstoff  von  Masern  und  Scharlach  durch  Licht.  Licht
und  Helligkeit  gewährleisten  aber  erst  die  für  die  Schule  so  nötige  Sauberkeit.
Im  Dunklen,  im  Schmutz  bleiben  die  Ansteckungsstoffe  monatelang  und  länger
ansteckungsfähig  konserviert.

In  unserem  nervösen  Zeitalter,  in  dem  der  Lärm,  die  Hast,  das  ganze
Leben  in  den  Großstädten  oft  schon  die  Nerven  des  Schulkindes  ungünstig
beeinflußt,  ist  eine  ruhige  Lage  der  Schule  durchaus  wünschenswert.  Ruhe
ermöglicht  allein  die  Aufmerksamkeit  des  Schülers  und  erleichtert  dem
Lehrer  seinen  schweren  Beruf.  Daher  liege  die  Schule  am  besten  an  einem