636  Wiunicke:  Schulhygiene.

auf  diese  Art  allerhand  Krankheitskeime  aus  dem  Fehlboden  in  das  Schulzimmer.
  Es  kam  zu  Fäulnisprozessen  in  dem  Zwischenboden  und  daraus  resultierender
  Luftverderbnis  in  dem  Klassenzimmer,  wenn  das  zur  Zimmerreinigung
verwendete  Spreng-  und  Scheuerwasser  in  den  Füllboden  gelangte.  Der  FuBboden
  muß  also  absolut  dicht  und  wasserundurchlässig  sein.  Diese  Forderungen
erfüllen  am  besten  die  sogenannten  Stabfußböden  aus  Eichen-  oder  Buchenholz,
oder  richtig  verlegter,  zugleich  schalldämpfender  Linoleumbelag.  Die  Wände
und  Decken  sollen  möglichst  glatt  sein,  der  Fußboden  in  die  Wandflächen  und
diese  in  die  Decke  ohne  Fugenbildung  übergehen.  Im  Interesse  der  Lüftung
der  Schulzimmer  hat  man  sich  früher  gescheut,  luftundurchlässige  Wandanstriche
  anzubringen,  indem  man  glaubte,  daß  durch  Wände,  die  mit  Kalkund
  Leimfarben  gestrichen  wären,  durch  die  sogenannte  Porenventilation  eine
Lufterneuerung  zustande  käme.  Man  legt  heute  darauf  wenig  Wert  mehr,  da
der  Effekt  der  Porenventilation  ein  minimaler  ist,  und  wählt  als  Wandanstrich
im  Interesse  der  Sauberkeit  solche  Anstriche,  die  das  Abwaschen  vertragen,
und  solche  Farbtöne,  die  im  Interesse  der  Beleuchtung  geboten  sind  (leicht
grünliche  oder  leicht  bläuliche  Farben).  Auf  die  innere  Ausschmückung  der
Schule  mit  farbigen  Darstellungen  und  Bildern,  namentlich  auch  mit  Darstellungen
  aus  dem  klassischen  Altertume  und  aus  der  preußischen  und  deutschen
Geschichte  u.  dgl.  müßte  immer  noch  mehr  Wert  gelegt  werden.  Überhaupt
sollten  die  Schulen  immer  mehr  ihres  vielfach  gefängnisartigen  nüchternen  Charakters
  entkleidet  werden.  Die  Schulräume  müßten  Räume  darstellen,  die  die
Kinder  auch  ihrer  angenehmen  Äußerlichkeiten  wegen  lieben:  Kunst  in  der
Schule,  Schulgarten,  Schulhof  mit  schattenspendenden  Bäumen  u.  dgl.  Die
Schule  des  Schülers  Schmuckkasten!

Von  hervorragender  Bedeutung  für  das  Klassenzimmer  ist  seine  Beleuchtung.
  Nach  Cohn  kann  in  ein  Schulzimmer  gar  nicht  genug  Licht  hineinkommen.
  Darum  verlangen  wir  breite,  bis  hoch  an  die  Decke  hinaufgehende
Fenster  mit  großen  Scheiben.  Die  Glasfläche  der  Fenster  soll  mindestens  !
der  Bodenfläche  des  Zimmers  betragen;  das  Licht  darf  nicht  blenden,  ein  solches
Licht  ist  nur  das  von  links  einfallende  Tageslicht.  Fensterbeleuchtung  von
rechts  und  links,  von  vorne  oder  von  hinten  gibt  zur  Blendung  oder  unzweckmäßiger
  Schattenbildung  Veranlassung.  Auch  Öberlicht  ist  im  allgemeinen
nicht  zu  empfehlen.  In  sehr  vielen  Schulen  ist  es  mit  der  Beleuchtung  übel
bestellt.  Kein  Platz  in  der  Schule  soll  weniger  als  50  Meterkerzen  oder  für
Rotlicht  berechnet  weniger  als  10  Meterkerzen  Helligkeit  haben.  Der  vielfach
geradezu  jammervollen  Beleuchtung  in  den  Schulen  ist  der  sehr  hohe  Prozentsatz
  der  kurzsichtigen  Schüler  namentlich  in  den  höheren  Schulen  zuzuschreiben.

Die  Bestimmung  der  genügenden  ausreichenden  Helligkeit  eines  Schülerplatzes
  erfolgt  wissenschaftlich  einwandsfrei  durch  das  Leonhard-Webersche
Photometer,  für  praktische  Zwecke  ausreichend  durch  den  Weberschen
Raumwinkelmesser  und  ganz  besonders  prompt  und  leicht  durch  den  von
Anton  Wingen  in  der  letzten  Zeit  angegebenen  Helligkeitsprüfer.  Mit  letzterem
  einfachen  Apparate  kann  man  in  1—2  Stunden  die  gesamten  Plätze