Beleuchtung  und  Heizung.  637

eines  Gymnasiums  auf  ihre  Helligkeit  mit  praktisch  brauchbaren  Resultaten
prüfen.  Eine  sichere  einfache  Prüfung  der  Helligkeit  eines  Schülerplatzes  und
eines  Schulzimmers  erzielt  man  auch  durch  das  Lesenlassen  der  bekannten
Snellenschen  Tafeln  zur  Bestimmung  der  Sehschärfe.  Wo  die  natürliche  Beleuchtung
  in  einem  Schulzimmer,  namentlich  in  den  frühen  Morgen-  oder  späteren
Nachmittagsstunden  oder  bei  den  wechselnden  Bewölkungsverhältnissen  des
Himmels,  nicht  ausreicht,  da  muß  eine  entsprechende  künstliche  Beleuchtung
eintreten.  Wo  Gas  oder  Elektrizität  nicht  zu  haben,  da  wird  man  Petroleumlicht
  verwenden,  sonst  aber  Auerlicht  oder  am  besten  elektrisehes  Glüh-  oder
Bogenlicht.  Für  Schulen  stellt  die  beste  Beleuchtungsart  die  sogenannte  indirekte
  Beleuchtung  dar,  die  die  genügende  Helligkeit  gewährleistet,  Blendung
der  Augen  durch  die  Flammen,  die  lästige  Schlagschattenbildung  vermeidet  und
eine  ganz  gleichmäßige  Beleuchtung  liefert.

Auch  von  der  Heizung  gilt,  daß  die  beste  Beheizungsart  für  eine  Schule
gerade  gut  genug  is.  Während  für  kleinere  Schulen  Lokalheizungen  angebracht
  sind,  nimmt  man  für  größere  Schulkomplexe  Zentralheizungen.  Abgesehen
  davon,  daß  keine  Heizung  gesundheitsschädigende  Momente  oder  Gefahren
  herbeiführen  soll,  soll  die  Heizung  neben  der  Zimmererwärmung  zugleich
Ventilationszwecken  dienen.  Für  kleinere  Schulkörper  sind  gute  Regulierfüllöfen,
  Kachelöfen,  Gasöfen  gut  brauchbar,  als  Zentralheizungen  können  die  Zentralluftheizung,
  die  Warmwasserheizung,  die  Niederdruckdampfheizung  oder
Kombinationen  der  beiden  letzten  mit  der  ersten  empfohlen  werden.  Alle  Zentralheizungen
  liefern  zugleich  die  günstigsten  Ventilationseffekte.  Die  Temperatur
  der  Klassenzimmer  betrage  zwischen  17—20°  C.  Darum  soll  ein  Thermometer
  nie  in  einem  Schulzimmer  fehlen.

Schulkinder,  die  einen  so  lebhaften  Stoffwechsel  haben,  und  von  denen  so
viele  in  einer  Klasse  eng  zusammengedrängt  sitzen,  arbeiten  und  schwitzen,
anreichern  die  Zimmerluft  rasch  mit  den  gasigen  Stoffwechselprodukten  des
menschlichen  Körpers,  und  darum  müssen  Schulzimmer  besonders  gut  und
ausgiebig  ventiliert  werden.  Unter  den  gasigen  Stoffwechselprodukten  des
Menschen  sind  des  genaueren  in  ihrer  Zusammensetzung  uns  noch  nicht  bekannte
direkt  giftig  wirkende  Substanzen,  die  sogenannten  Anthropotoxine.  Da  der
Mensch  bei  seiner  Lungen-  und  Hautatmung  auch  regelmäßig  große  Mengen
CO,  ausscheidet,  und  wir  den  CO,-Gehalt  einer  Luft  leicht  bestimmen  können,
z.  B.  mit  dem  einfachen  Lungeschen  Apparat,  so  benutzen  wir  als  Indikator
und  Maß  für  die  eingetretene  Luftverderbnis  die  CO,,  die,  für  sich  allein  in
höherer  Konzentration  in  der  Schulluft  vorhanden,  gleichfalls  krankheiterregend
wirken  kann.  Es  soll,  so  ist  die  bezügliche  hygienische  Forderung,  nicht:  mehr
als  1  Teil  CO,  in  1000  Teilen  Zimmerluft  vorhanden  sein.  9o  ist  bei  dem
oben  angenommenen  Luftkubus  von  4—D5  cbm  pro  Schüler  eine  drei-  bis  viermalige
  Lufterneuerung  in  einer  Stunde  notwendig.  Das  Öffnen  von  Türen  und
Fenstern  in  den  Pausen,  so  wertvoll  es  ist,  genügt  natürlich  hierzu  nicht
sondern  es  müssen  besondere  künstliche  Ventilationsanlagen  zu  diesem  Zwecke
geschaffen  werden.