638  Wenrnioxe:  Schulhygiene.

Da  der  Etat  der  Reinigung  für  die  Schulen  meist  nicht  ausreicht,  so  ist
die  Reinigung  der  Zimmer  vielfach  ungenügend,  und  doch  müssen  von  so  vielen
Füßen  betretene  Schulzimmer  oft  und  gründlich  gesäubert  werden.  Um  das
Hineintragen  der  recht  erheblichen  Mengen  von  Schmutz  und  darin  enthaltenen
vielen  infektiösen  Organismen  zu  verhindern,  müssen  zweckmäßige  Abkratz-  und
Stiefelreinigungsvorrichtungen  in  der  Schule  vorhanden  sein.  Aber  auch  dann
werden  noch  erhebliche  Massen  von  Staub  und  Schmutz  ins  Zimmer  getragen.
Neben  guter  Ventilation  ist  eine  tägliche  feuchte  Reinigung  des  Schulzimmers
und  aller  seiner  Teile  notwendig.  In  den  staubbindenden  Fußbodenölen  besitzen
wir  neuerdings  wertvolle  Hilfsmittel  für  die  Bekämpfung  der  Staubplage  in
den  Schulen,  die  natürlich  die  regelmäßige  Reinigung  nicht  ersetzen  können.
—  Auch  hygienisch  richtige  Spucknäpfe  müssen  in  den  Schulen  vorhanden
sein.  Am  besten  sind  wohl  solche  leicht  zu  reinigende  Gefäße  aus  Glas,  Porzellan
  oder  emailliertem  Eisen,  die  in  etwa  1  m  Höhe  vom  Boden  an  eisernen
Trägern  an  der  Wand  befestigt  sind  und  ein  bequemes  Hineinspucken  ermöglichen.
  Als  Füllmaterial  nimmt  man  am  besten  mit  antiseptischen  Lösungen
getränkte  feuchte  Holzwolle,  die  nach  Gebrauch  in  der  Feuerung  verbrannt
werden  kann.  Kinder  und  Lehrer,  die  an  starkem,  nicht  tuberkulösem  Auswurfe
  leiden,  müssen  zum  Gebrauche  besonderer  Taschenspeiflaschen  angehalten
werden.  Überhaupt  sollten  die  Kinder  noch  mehr  als  bisher  zur  Reinlichkeit
angehalten  werden.  In  allen  Schulen  sollten  Schulbrausebäder  vorhanden  sein,
ganz  besonders  aber  auch  Waschgelegenheiten,  wo  die  Kinder  z.  B.  vor  und
nach  dem  Essen  Gelegenheit  haben,  sich  die  Hände  zu  reinigen.

Über  das  wichtigste  Ausstattungsmöbel  des  Schulzimmers,  die  Schulbank,
ist  eine  ganze  Literatur  entstanden,  und  schier  zahllos  sind  die  einzelnen  Bankkonstruktionen,
  die  zu  Nutz  und  Frommen  der  Schuljugend  von  Schulmännern,
Ärzten  und  Technikern  ersonnen  sind,  um  die  hygienischen  Nachteile,  die  eine
schlechte  Schulbank  für  den  Körper  des  Schulkindes  erzeugt,  auszuschalten.
Es  ist  als  sicher  anzunehmen,  daß  eine  mangelhaft  konstruierte,  für  einen
Schüler  nicht  passende  Bank  auf  die  Dauer  schwere  Schädigungen  des  Körpers
herbeiführen  muß,  die  sich  in  auftretender  Kurzsichtigkeit,  Verkrümmung  der
Wirbelsäule  und  Pressung  der  verschiedensten  Körperteile  und  Körperorgane
besonders  kenntlich  machen.  Ebenso  sicher  ist  es,  daß  eine  Schulbank,  welche
in  ihren  einzelnen  Maßteilen  der  Größe  des  Körpers  der  Schulkinder  angepaßt  ist,
diese  hygienischen  Schädigungen  nicht  erzeugt.  Die  Hygiene  verlangt  also,  daß
ein  leicht  gegen  die  Horizontale  geneigtes  Fußbrett  dem  ganzen  Fuße  eine  breite
Unterstützungsfläche  gewährt,  daB  die  Höhe  der  Sitzbank  der  Länge  des  Unterschenkels,
  die  Breite  derselben  etwa  °/,  der  Länge  des  Oberschenkels  entsprechen
soll.  Eine  Kreuz-Rückenlehne  soll  dem  Körper  genügende  Festigkeit  geben;
die  Breite  des  Sitzes  soll  eine  gewisse  Beweglichkeit  und  Ausdehnungsmöglichkeit
  gestatten;  die  zum  Lesen  und  Schreiben  vor  der  Bank  befindliche  Tischplatte
  soll  mit  dem  inneren  freien  Rande  sich  so  hoch  über  der  Bank  befinden
Differenz),  daß  die  Ellenbogen  des  sitzenden  Kindes  nur  wenig  seitlich  und  vorwärts
gehoben  zu  werden  brauchen,  um  eine  feste  Unterstützung  beim  Schreiben  zu