Schulbank.  639

haben;  diese  Differenz  entspricht  der  Entfernung  des  Ellenbogens  vom  Sitzknorren,
  vermehrt  um  eine  kleine  Korrektion,  etwa  !/),—!/,  der  Körperlänge.
Damit  in  solcher  Bank  das  Kind  bequem  schreibt,  muß  die  Tischplatte  eine
leichte  Neigung  von  etwa  16—18°  gegen  die  Horizontale  haben,  und  dann
muß  der  freie  Rand  der  Sitzbank  so  weit  hervorragen,  daß  die  Senkrechte,  die
am  freien  Rande  errichtet  wird,  gerade  den  freien  Rand  der  Tischplatte  trifft
(Nulldistanz),  oder  daß  die  Bank  noch  etwas  unter  die  Tischplatte  reicht  (Minusdistanz;
  das  Gegenteil  Plusdistanz).  Bei  dieser  zunächst  bequemen  Schreibhaltung
  wird  eine  schiefe  Körperhaltung  und  ein  zu  nahes  Heranbringen  des  Auges
an  das  Schreibheft  verhindert.  Eine  solche  Zwangslage  des  Körpers  wird  auf
die  Dauer  aber  nicht  ertragen,  sondern  ein  Wechsel  der  Stellung  ist  durchaus,
z.  B.  für  das  Lesen,  auch  erwünscht,  und  dann  verlangt  die  Schuldisziplin,  daß
der  aufgerufene  Schüler  schnell  und  leicht  aufstehen  kann,  was  bei  Null-  und
Minusdistanz  gar  nicht,  sondern  nur  bei  Plusdistanz  möglich.  Um  diese  verschiedenen
  Anforderungen  zu  erfüllen,  hat  man  entweder  Sitzbänke  oder  Tischplatte
  beweglich  gemacht,  wodurch  ein  leichter  Übergang  von  der  Plus-  zur
Null-  und  Minusdistanz  vorgenommen  werden  kann.  Man  kann  wohl  sagen,
daß  es  viele  hygienisch  gute  Bankmodelle  gibt,  daß  das  Ideal  einer  allen  Anforderungen
  entsprechenden  Bank  aber  noch  nicht  gefunden  ist.  Wichtig  ist,
daß  heute  die  Schüler  in  Bänke  gesetzt  werden  müssen,  die  ihrer  Körpergröße
entsprechen,  und  daß  der  Schüler  zur  richtigen  Sitz-,  Schreib-  und  Lesehaltung
erzogen  werden  muß,  ohne  allzuviel  Zwang  anzuwenden.  Dann  bilden  sich  die
eben  erwähnten  Krankheiten  nicht  aus,  namentlich  wenn  auch  häusliche  Schulhygiene
  getrieben  wird  und  darauf  gehalten  wird,  daß  die  Schulkinder  auch
zu  Hause  bei  entsprechender  Beleuchtung  an  zweckmäßigen  Tischen  arbeiten
können.  —  Umlegbare  Bänke,  wie  die  von  Rettig,  gewährleisten  eine  leichte
Reinigungsmöglichkeit  unter  den  Bänken,  zweisitzige  Bänke  das  leichte  Heraustreten
  aus  der  Bank  und  die  individualisierende  Behandlung  jedes  Schülers  durch
den  Lehrer.

Der  Sitz  des  Lehrers,  auf  leicht  erhöhtem  Podium,  befinde  sich  den  Schülerplätzen
  gegenüber  an  fensterloser  Wand.  Als  große  Wandtafeln  bewähren  sich
am  besten  Schiefertafeln  oder  Holztafeln  mit  Schieferüberzug;  ihre  Stellung
muß  so  sein,  daß  das  Auge  des  Schülers  nicht  geblendet  wird.  Der  Kreidestaub
  muß  feucht  entfernt  werden,  da  gerade  dieser  Staub  die  Schleimhäute
der  Augen  und  der  Atmungsorgane  stark  reizt.  In  Zeichensälen  wird  der
Graphitstaub  und  der  durch  den  Gebrauch  des  Radiergammis  entstandene  Staub
unangenehm  empfunden.

Von  den  Schulbedürfnisanstalten  ist  zu  verlangen,  daß  sie  tunlichst  nicht
in  dem  Hauptgebäude  liegen,  sondern  außerhalb  desselben,  doch  mit  ihm  verbunden
  durch  einen  bedeckten  offenen  Gang.  Auf  keinen  Fall  dürfen  sie  in
der  Hauptwindrichtung  zu  liegen  kommen,  sonst  führt  der  Wind  die  Geruchsstoffe
  dem  Hause  zu.  Die  Latrinen  seien  helle  und  luftige  Gebäude.  Die
Wände  des  Pissoirs,  aus  bestem  Materiale  hergestellt,  müssen,  um  ein  schnelles
AbflieBßen  des  Urins  und  Geruchsbelästigung  zu  vermeiden,  mit  Urinol  be-