640  Wenrnicke:  Schulhygiene.

strichen  werden,  und  der  ablaufende  Urin  muß  einen  Ölsyphon  passieren.  Der
Fußboden  muß  wasserundurchlässig  sein.  Die  Klosetts  für  die  Schüler  seien
wie  die  modernen  in  guten  Wohnhäusern:  die  Sitztrichter  aus  Porzellan  hergestellt,
  die  Wände  bekleidet  mit  hellen  Fliesen.  Um  Unsauberkeiten  zu  verhüten
  und  geschlechtlichen  Verirrungen  vorzubeugen,  seien  die  Klosetts  vollkommen
  hell.  In  Städten,  in  denen  Schwemmkanalisation  vorhanden  ist,  müssen
auch  die  Schulklosetts  an  dieselbe  angeschlossen  sein;  wo  dies  nicht  der  Fall
ist,  muß  für  die  Aufsammlung  der  Fäkalien  ein  hygienisch  gutes  Tonnen-  und
Grubensystem  bei  häufiger,  geruchloser  Entleerung  der  Behälter  gewählt  werden,
oder  besser  eine  z.  B.  von  Lehmann  und  Neumeyer-Zürich  angegebene  Einrichtung
  zur  Ansammlung  und  Magizinierung  der  Fäkalien,  die  vollkommen  geruchlos
  ist  und  gut  funktioniert.  Das  Verfahren  ist  eine  Art  der  in  neuerer
Zeit  immer  mehr  Bedeutung  erlangenden  Reinigung  und  Klärung  der  Abwässer
auf  biologischem  Wege.

Selbstverständlich  muß  die  Wasserversorgung  der  Schule  eine  tadellose
sein.  Das  als  Trinkwasser  in  Betracht  kommende  Wasser  sei  in  chemischer
und  bakteriologischer  Beziehung  absolut  einwandfrei,  die  Brunnenanlage  derart,
daß  sie  unter  keinen  Umständen  in  Gefahr  kommen  kann,  mit  Schmutz-  und
Infektionsstoffen  verunreinigt  zu  werden.  Jeder  Schüler  muß  ein  eigenes
Trinkgefäß  für  die  Schule  besitzen  und  auch  benutzen,  um  der  Gefahr  der  Ansteckung
  durch  infektiösen  Speichel  eines  Mitschülers  zu  entgehen.  —  Auch
das  zur  Reinigung  der  Schule  und  das  zu  Bädern  dienende  Wasser  muB  von
gleich  guter  Beschaffenheit  wie  das  Trinkwasser  sein.

Die  Turnhallen  müssen  hell,  gut  lüftbar,  leicht  erheizbar  und  ohne
Staubplage  sein,  Turnen  und  Spielen  im  Freien  in  frischer  Luft  ist  hygienisch
vorteilhafter  als  Hallenturnen.

Einige  die  Hygiene  des  Schulhauses  betreffende  hauptsächliche  literarische
Werke  sind  im  Literaturnachweise  unter  Nr.  10—23  angeführt.

5.  Hygiene  des  Unterrichts!)  Die  Anforderungen,  welche  der  staatlicherseits
  geforderte  Unterricht  an  die  Schulkinder  in  körperlicher  und  geistiger
Beziehung  stellt,  bedingen,  daß  das  Kind  nicht  zu  früh  in  die  Schule  kommt.
Mit  vollendetem  6.  Lebensjahre  ist  im  allgemeinen  der  kindliche  Organismus  so
weit  ausgebildet  und  gekräftigt,  daß  ohne  Schaden  für  die  Gesundheit  die  Schulerziehung
  beginnen  kann.  Anscheinend  besonders  begabte  und  früh  geistig  besonders
  rege  Kinder  vor  diesem  Termin  in  die  Schule  zu  schicken,  entspricht
nicht  den  Anschauungen  der  Gesundheitslehre,  da  ein  allzu  früh  geistig  regelmäßig
  angestrengtes  Gehirn  häufig  allzu  früh  auch  erschlafft  und  sehr  bald
Zeichen  geistiger  Ermüdung  und  Überanstrengung  zeigt.  Die  ‘  Wunderkinder’
erfüllen  meist  in  der  späteren  Schulzeit  und  oft  im  späteren  Leben  nicht  die
in  sie  gesetzten  Erwartungen.

Beim  Eintritt  in  die  Schule  sollte  jedes  Schulkind  ein  ärztliches  Gesundheitszeugnis
  mitbringen,  das  darüber  Auskunft  gibt,  ob  geistige  oder  körper-1)

  Die  wichtigsten  Literaturangaben  zu  den  Kapiteln  5—10  finden  sich  unter  den
Nummern  24—32.