Überbürdung.  645

chronischer  Übermüdung  des  Gehirns  bei  den  Schülern  gübe  und  auch  aus
diesem  Grunde  dringend  reformbedürftig  wäre.  —  Bei  der  Prüfung  und  Erörterung
  der  Überbürdungsfrage  ist  aber  nicht  zu  übersehen,  daß  das  moderne
Leben  und  ein  vielfach  unzweckmäßiges  Verhalten  der  Schüler  außerhalb  der
Schule,  bei  der  Erholung  und  der  Arbeit,  und  vielerlei  depotenzierende  Einflüsse
  nachteilig  auf  die  richtige  Entwicklung  des  Gehirnes  wirken.  Vielfach
spielen  hierbei  auch  körperliche  Zustände,  nervöse  Veranlagung,  frühzeitige
Exzesse  in  Alkohol,  Tabakgenuß  und  geschlechtliche  Verirrungen  eine  bedeutsame
  Rolle;  auch  die  heute  so  vielfach  beobachteten  Wucherungen  im  Nasenrachenraume,
  die  zu  Blutandrang  zum  Gehirn  führen,  sind  gar  nicht  selten  Veranlassung
  zu  mangelhafter  Ausbildung  der  geistigen  Funktionen  des  Gehirnes.

Wirklich  geistig  überarbeitete  Schüler  machen  sich  dem  Lehrer  und  Arzte
durch  mattes,  schläfriges  Aussehen,  reizbare  und  leicht  erregbare  Stimmung,
vielfach  Muskelzuckungen  und  körperliche  Schlaffheit  bemerkbar,  klagen  über
Schlaflosigkeit  und  Kopfschmerz;  häufige  Pollutionen  bei  älteren  Schülern,  Herzklopfen,
  schreckhafte  Träume  sind  weitere  Symptome  der  Ermüdung  des  Gehirns
  durch  geistige  Überarbeitung.  DaB  solche  zu  wirklicher  Geisteskrankheit
führe,  ist  nicht  erwiesen.

Die  Mittel  zur  Verhütung  und  Heilung  der  Ermüdung  des  Gehirns  liegen
in  der  richtigen  Methode  des  Unterrichts,  Herabsetzung  der  Stundenzahl,  Kräftigung
  des  Körpers  namentlich  durch  Pflege  des  Jugendspiels.  Die  Schulärzte
sollten  dem  Studium  der  Überbürdungstrage  im  Verein  mit  den  Lehrern  eine
ganz  besondere  Aufmerksamkeit  widmen.

Wie  die  Pausen  zwischen  den  einzelnen  Unterrichtsstunden  notwendig  sind,
um  das  Gehirn  für  den  neuen  Unterrichtsgegenstand  wieder  aufnahmefähig  zu
machen,  so  sind  die  Ferien  für  Schüler  und  Lehrer  zur  Erholung  von  Körper
und  Geist  eine  zwingende  Notwendigkeit.  Es  liegt  auch  im  Interesse  der
Hygiene,  eine  andere  Semestereinteilung  als  die  jetzt  übliche  zu  wählen  und
den  Beginn  des  Schuljahres  mit  dem  Beginne  des  Kalenderjahres  eintreten  zu
lassen,  so  daß  die  Semester  von  Neujahr  bis  Johanni  und  von  Mitte  August
bis  Weihnachten  reichen.

Die  großen  Sommerferien  sollten  sechs  Wochen  dauern  und  durch  Schülerreisen,
  Ferienkolonien,  Schüleraustausch  usw.  noch  viel  mehr  für  die  Gesundheit
  und  Ausbildung  getan  werden,  als  schon  geschieht.  Größere  Ferienaufgaben
verkümmern  dem  Schüler  den  Genuß  der  Ferien  vollkommen  und  sind  vom
hygienischen  und  pädagogischen  Standpunkte  gleichmäßig  unzweckmäßig.  Da
das  Wachstum  des  Körpers  in  der  heißen  Zeit  wegen  großer  Ausgaben  an
Stoffwechselprodukten  (Schweiß)  und  verminderter  Nahrungsaufnahme  ein  geringer
  ist,  so  ist  es  direkt  notwendig,  dem  sich  entwickelnden  Organismus  der
Schulkinder  durch  die  großen  Sommerferien  Ruhe  zu  gewähren.

Wenn  wir  zum  Schlusse  der  Schulstrafen  gedenken,  so  werden  Strafarbeiten
  als  zweckmäßig  wohl  nur  noch  von  wenigen  Pädagogen  anerkannt,  und
bei  den  nur  schwer  zu  entbehrenden  körperlichen  Strafen  für  jüngere  Schulkinder
  in  Fällen  namentlich  von  Ungezogenheit  ist  zu  bemerken,  daB  Schläge