Neurasthenie.  653

Konservierung  der  Zähne  wirkt  das  Kauen  einer  harten  Brotrinde  nach  dem
Mittag-  und  Abendessen.

Die  in  der  Schule  entstehenden  Verkrümmungen  der  Wirbelsäule
sind  durch  zweckmäßige  Schulbänke,  durch  Erziehung  zu  richtiger  Haltung
beim  Schreiben  und  Lesen,  durch  Verbot  des  Büchertragens  unter  oder  an
einem  Arme  und  durch  die  Empfehlung  der  Schulmappen  auch  für  größere
Schüler  (auch  der  Soldat  und  Offizier  im  Felde  trägt  einen  Tornister!)  tunlichst
  zu  vermeiden.  Die  Häufigkeit  solcher  Verkrümmungen  wird  etwas
überschätzt.

Namentlich  bei  Kindern  aus  nervösen  Familien,  besonders  aber  dort,  wo
Schulkinder  nicht  richtig  zu  Hause  in  ihrer  Ernährung  gehalten  werden,  und
durch  das  Leben  in  der  Familie  Verkürzungen  des  Schlafes  erleiden,  frühzeitig
Tabak  und  Alkoholika  genießen,  zu  früh  in  Theater  und  Konzerte  geführt
werden,  wo  der  Lesewut  und  dem  Lesen  unpassender  Lektüre  nicht  gesteuert
wird,  da  stellt  sich  nicht  selten  schon  bei  Schülern  ein  Zustand  von  Nervenschwäche
  und  Abgespanntheit  ein,  den  man  mit  dem  Namen  der  Neurasthenie
  bezeichnet.  Vielfach  dadurch  erzeugt,  aber  auch  ihrerseits  diese  Nervenschwäche
  hervorrufend,  treiben  solche  Kinder  Onanie.  Diese  geschlechtliche
Verirrung  wird  schon  in  Sexta  gelegentlich  beobachtet  und  kommt  dann  in
steigendem  Maße  in  den  höheren  Klassen  vor,  besonders  wohl  in  Tertis  und
Sekunda.  Wenn  auch  die  Verführung  durch  onanierende  Mitschüler  dazu  eine  bedeutsame
  Rolle,  besonders  in  Internaten  und  Pensionaten  spielt,  so  kommen
such  viele  Kinder  durch  ungeeignete  aufregende  Lektüre  bei  dem  erwachenden
Geschlechtstriebe  zu  dieser  Verirrung.  Belehrungen  und  Vorhaltungen  über
das  Ungesunde  und  Verwerfliche  der  Onanie  pflegen  nichts  zu  nützen,  dagegen
erweisen  sich  Turnen  und  namentlich  das  frisch-frei-fröbliche  Jugendspiel  und
mäßig  betriebener  Sport  als  gute  Palliativ-  und  Heilmittel.  Die  Schäden  der
Önanie,  die  vielfach  auch  im  späteren  Lebensalter  noch  beobachtet  wird,  werden
in  nichtsnutzigen  Schriften  häufig  als  weit  übertrieben  dargestellt;  die  Lektüre
solcher  Bücher  bringt  den  von  dieser  Perversität  ergriffenen  Menschen,  der  sowieso
  schon  zu  hypochondrischen  Vorstellungen  neigt,  meist  noch  mehr
herunter.

Vom  Alkoholgenuß  in  jeder  Art  sind  die  Schulkinder  möglichst  lange  zurückzuhalten,
  für  Kinder  ist  der  Alkohol  auf  alle  Fälle  schädlich,  es  sei  denn,
wo  er  in  Krankheitsfällen  verordnet  wird.  Dem  Erwachsenen  schadet  ein
mäßiger  Alkoholgenuß  sicherlich  nicht.  Die  auf  absolute  Enthaltsamkeit  vom
Genuß  der  Alkoholika  gerichteten  Bestrebungen  gehen  viel  zu  weit  und  sind
eher  geeignet,  die  durchaus  berechtigten  Mäßigkeitsbestrebungen  zu  hemmen
als  sie  zu  fördern.  —  Auch  vor  Tabaksgenuß,  der  die  Verdauung,  die  Nerven
und  die  Herzfunktion  beeinträchtigt,  sind  Schulkinder  tunlichst  lange  zu  bewahren.
  Namentlich  ist  das  Zigarettenrauchen  der  jugendlichen  Lunge  gefährlich.
  Das  Elternhaus  wird  zur  Bewahrung  der  Jugend  vor  Schaden  mehr  vermögen
  als  Belehrungen  in  der  Schule.

Die  an  Epilepsie  leidenden  Kinder  werden  zweckmäßig  nur  dann  in  der