654  Weanıcke:  Schulhygiene.

Schule  belassen,  wenn  die  Anfälle  selten  auftreten.  Die  meisten  Epileptiker
sind  geistig  nicht  vollwertig,  oder  verblöden  im  Laufe  der  Zeit,  wenn  es  auch
Ausnahmen  gibt.  Die  schweren  Anfälle  erregen  bei  den  Mitschülern  Entsetzen.
Bei  der  Epilepsie  spielt  die  Vererbung  eine  bedeutsame  Rolle;  oft  werden
Kinder  von  Alkoholikern  epileptisch;  seltener  tritt  Epilepsie  nach  Kopfverletzungen
  oder  nach  schweren  Infektionskrankheiten  als  Folgekrankheit  auf.

Der  Veitstanz,  der  sich  durch  eigenartige  Zuckungen  in  der  Gesichtsmuskulatur
  und  durch  unzweckmäßige  zuckende  Bewegungen  der  Hände  und
Arme  äußert,  entsteht  oft  nach  Schreck  und  nach  Strafen.  Meist  werden
schlecht  genährte  Kinder  befallen.  Von  Veitstanz  befallene  Kinder  sind  aus
der  Schule  für  die  Dauer  der  Erkrankung  zu  entfernen,  da  häufig,  besonders
in  Mädchenschulen,  durch  den  Nachahmungstrieb  viele  Kinder  von  der  Krankheit
  ergriffen  werden.

9.  Hygiene  des  Körpers  der  Schuljugend.  Das  Wort  "mens  sana  in
corpore  sano’  ist  von  größter  Wahrheit.  Denn  da  alle  Organe  des  Körpers  in
Wechselwirkung  miteinander  stehen,  so  wird  auf  die  Dauer  nur  ein  gesunder
Körper  wirklich  gute  geistige  Leistungen  vollführen  können.  Wenn  auch  die
auf  die  geistige  Ausbildung  gerichteten  Bestrebungen  immer  die  Haupttätigkeit
der  Schule  darstellen  müssen,  so  darf  die  körperliche  Ausbildung  des  Schulkindes
  um  so  weniger  aus  dem  Auge  gelassen  werden,  als  Fehler,  die  in  dieser
Richtung  in  den  Schuljahren  gemacht  werden,  in  denen  auch  der  Körper  seine
Hauptentwicklung  durchmacht,  im  späteren  Leben  nie  wieder  gutgemacht
werden  können.  So  erfordert  denn  die  Ausbildung  des  Geistes  eine  richtige
körperliche  Pflege,  wenn  auch  auf  geistigem  Gebiete  das  Ziel  der  Schule  erreicht
  werden  soll.  Es  darf  nun  nicht  in  Abrede  gestellt  werden,  daB  bis  in
unsere  Tage  hinein,  namentlich  nicht  in  unseren  höheren  Schulen  der  Pflege
und  Ausbildung  des  Körpers  die  Beachtung  geschenkt  worden  ist,  die  nötig  ist,
um  eine  gleichmäßige  Ausbildung  von  Körper  und  Geist  zu  erzielen,  die  z.  B.
durch  die  griechische  Jugenderziehung  im  Altertume  in  so  glänzender  Art  und
Weise  erreicht  wurde.  Daß  es  in  den  letzten  Jahrzehnten  bei  uns  besser  geworden
  ist  gegen  früher,  wird  gern  zugegeben  werden  können,  aber  die  auf  die
körperliche  Ausbildung  der  Jugend  gerichteten  Bestrebungen  verdienen  im  Interesse
  des  Schulkindes,  der  Familie  und  des  Vaterlandes  die  wärmste  Förderung.
Die  Kinder  auf  unseren  höheren  Schulen,  die  die  geistigen  Führer  der  Nation
einst  sein  sollen,  müssen  auch  körperlich  den  großen  Anforderungen  gewachsen
sein,  die  die  heutige  Zeit  von  uns  allen  verlangt.  Die  Schule  fördert  ihre
eigensten  Interessen,  wenn  sie  die  körperliche  Ausbildung  fördert.

Ganz  besonders  sind  die  Bestrebungen  des  Herrn  v.  Schenkendorf  zu  unterstützen,
  der  anstatt  des  methodischen  Gerätturnens  das  Jugendspiel  in  seinen
mannigfachen  Formen  in  die  Schulen  eingeführt  sehen  will.  Freiübungen  mit
militärischem  Drill  und  Exerzierübungen  passen  deswegen  in  das  Schulturnen
nicht  hinein,  da  sie  dem  Schulkinde  nicht  die  Abspannung  des  Geistes  gewähren,
die  wir  wünschen,  denn  die  richtige  Ausführung  solcher  Übungen  erfordert
auch  eine  angestrengte  geistige  Tätigkeit.  Die  notwendigen  Ordnungsübungen