Das  Zeitalter  des  Humanismus  und  der  Reformation.  659

GESCHICHTE.

Von  Dr.  Aucusr  Auıze.

GESCHICHTLICHES.!)

Das  Zeitalter  des  Humanismus  und  der  Reformation.!)  Verhältnismäßig
spät  ist  auf  den  deutschen  gelehrten  Schulen  dem  Unterricht  in  der  Geschichte  eine
selbständige  Stellung  eingeräumt  worden.  Gewiß  mangelte  dem  Mittelalter  nicht  das
historische  Interesse;  das  beweist  schon  die  Masse  seiner  geschichtlichen  Literatur  trotz  der
einseitigen  Betonung  der  äußeren  Geschichte,  trotz  der  Vernachlässigung  der  inneren  Verhältnisse,
  soweit  sie  nicht  erbaulicher  Natur  waren.  Aber  in  dem  Trivium  und  Quadrivium
fand  bei  der  Abneigung  der  Kirche  gegen  die  profanen  Wissenschaften  der  Geschichtsunterricht
  als  selbständiges  Lehrfach  keinen  Platz.  Man  las  die  antiken  Historiker,  besondere
  Justin,  weil  man  sie  zum  Verständnis  der  Hl.  Schrift  nötig  hatte.

Humanismus  und  Reformation  haben  in  Hinsicht  der  Wertung  geschichtlichen  Wissens
einen  bedeutsamen  Fortschritt  herbeigeführt.  Die  Humanisten  sind  die  Begründer  einer
wissenschaftlichen  Geschichtsforschung,  die  sie  in  den  Dienst  des  Nationalbewußtseins
stellten,  die  religiöse  Neuerung  andererseite  war  gezwungen,  ihr  Vorgehen  durch  die  Darlegung
  der  geschichtlichen  Entwicklung  zu  rechtfertigen,  die  gewaltigen  Ereignisse  endlich
regten  zur  eingehenden  Behandlung  der  Zeitgeschichte  an.  So  haben  sich  damals  die  bedeutendsten
  Geister  der  Geschichtsforschung  zugewandt,  wie  Wimpheling  in  seiner
Epitome  rerum  Germanicarum  (1505),  Aventin  mit  seinen  trefflichen  Annales  Boiorum
(1522)  und  etwa  zehn  Jahre  später  seiner  bayerischen  Chronik,  Sleidanus  in  seinen
Commentarii  de  statu  religionis  et  respublicae  Carolo  V  Caesare  und  Flacius  Ilyricus  mit
seinen  Mitarbeitern  in  den  Magdeburger  Centurien.

ı)  Über  die  Literatur  siehe  Neubauers  trefflichen  Artikel  in  Reins  Enzyklop.  der
Pädagogik.  2.  Aufl.  Bd.3.  8.418.  Dazu  Acton,  Die  neuere  deutsche  Geschichtswissenschaft.
Übers.  v.  Imelmann.  1887”.  —  Kückelhahn,  Johannes  Sturm.  1872.  —  Specht,  Gesch.
des  Unterrichtswesens  Deutschlands:  von  den  ältesten  Zeiten  bis  zur  Mitte  des  13.  Jahrh.
1885.  —  Schmidt,  Untersuchungen  über  das  hessische  Schulwesen  zur  Zeit  Philipps  des
Großmütigen,  u.  Weniger,  ein  Schulbild  nach  dem  80jähr.  Krieg  in  Mittln.  Beiheft  4  und
Jahrg.  15.  Hefti1.—  Seidenstücker,  Aufsätze  pädag.  und  philolog.  Inhalts.  Helmstedt  1779.
—  Varrentrapp,  Joh.  Schulze.  1887.  —  Bengel,  Gesch.  d.  Methodik  des  kulturgesch.
Unterrichts  in  den  pädag.  Zeit-  und  Streitfragen.  41/50.  —  Friedr.  Thiersch,  Über  gelehrte
  Schulen.  I.  u.  III.  Bd.  1826/29.  —  Nägelsbach,  Gymnasialpädagogik.  2.  Aufl.
1869.  —  Renz,  Jean  Bodin.  1905.  —  Gallandt,  Ein  Beitrag  zur  Gesch.  des  Gesch.-Unt.
im  Zeitalter  der  deutschen  Aufklärung.  1900.  —  v.  Rönne,  Unterrichtswesen  des  preuß.
Staats.  2.  Bd.  1858.  —  Protokolle  der  im  Oktober  1873  im  Kgl.  Preuß.  Unterrichtsministerium
über  verschiedene  Fragen  des  höheren  Schulwesens  abgehaltenen  Konferenz.  1874.

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