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Wiederholen  wurden  die  Daten  dem  Gedächtnisse  fest  eingeprägt.  Darauf  wurde  in  der
folgenden  Klasse  der  Kursus  von  neuem  angefangen  und  stetig  ergänzt.  So  hatte  der
Geschichtsunterricht  an  Raum  und  Achtung  gewonnen.  Auch  da,  wo  man  ihm  keine  oder
nur  eine  geringe  Stundenzahl  in  der  obersten  Klasse  einräumte,  ließ  man  dem  Inhalte  der
gelesenen  Historiker  mehr  Beachtung  widerfahren.  Aber  immer  noch  war  die  lateinische
Eloquenz  das  herrschende  Ziel  des  gesamten  Unterrichtes,  ihm  wurden  auch  auf  dem
Franckeschen  Pädagogium  18  Stunden  in  der  Woche  gewidmet.  Dazu  kam  der  Gebrauch
der  lateinischen  Sprache  auch  in  den  Geschichtsstunden.  So  bestimmte  noch  Francke,  daß,
was  erzählt  worden  war,  einer  der  größeren  Schüler  lateinisch,  die  anderen  allerdings
deutsch  nacherzählen  sollten.

Viel  ließen  die  Lehrbücher  zu  wünschen  übrig,  sie  trugen  einen  universalhistorischen
Charakter  und  entbehrten  einer  zweckmäßigen  Gliederung  des  Stoffes.  Von  einer  sachgemäßen
Verteilung  des  Stoffes  auf  die  einzelnen  Klassen  war  keine  Rede.  Auf  der  untersten  wie
obersten  Stufe  lehrte  man  im  Grunde  dasselbe.  Selten,  daß  man  in  der  untersten  Stufe
sich  auf  biblische  Geschichte  oder  sogenannte  Kaisergeschichte  von  Cäsar  bis  auf  die
Gegenwart  beschränkte.

Dazu  kam  die  mangelhafte  Ausbildung  der  Lehrer,  die  als  Theologen  den  Lehrerberuf
nur  als  Durchgangsstadium  betrachteten,  in  dem  die  Unfähigen  stecken  blieben.  Franckes
Lehrer  waren  dazu  meist  noch  Studenten,  die  zum  Zwecke  der  Lehrstunden  in  den  Schulwissenschaften
  besonders  unterwiesen  werden  mußten.  Die  gräflich  waldecksche  Schulordnung
  mit  ihren  streng  für  jeden  Geschichtsabschnitt  vorgeschriebenen  Fragen  trägt
diesem  Zustande  Rechnung.  In  Anbetracht  dieser  Tatsache  war  es  begreiflich,  daß  man
stellenweise  auf  den  Unterricht  in  der  Geschichte  verzichtete  oder  sich  auf  die  langweilende
  Einprägung  eines  blutleeren  Gerippes  von  Zahlen  und  Tatsachen  beschränkte.
Diese  steten  Wiederholungen  mußten  den  Schülern  das  Fach  verleiden.  Kein  Wunder,
wenn  über  die  Mißerfolge  des  Unterrichtes  geklagt  wurde.  Immerhin  war  es  wichtig,
daß  das  Fach  in  seinem  Werte  allgemein  anerkannt  und  in  den  Lehrplan  der  Schulen
aufgenommen  war.  Eine  vertiefte  sachgemäßere  Behandlung  war  die  Folgerung,  die  das
nächste  Zeitalter  gezogen  hat.

Die  Zeit  der  Aufklärung  und  des  Neuhumanismus  (1740—1880).  Die  deutsche
Geschichtschreibung  und  der  Geschichtsunterricht  stand  im  Zeitalter  der  Aufklärung
unter  dem  Einfluß  der  Franzosen,  vor  allem  Montesquieus  und  Voltaires,  beide  unvergleichlich
  durch  die  Gabe  geistvoller  und  fesselnder  Darstellung;  jener  ein  Meister  des  echten
Pragmatismus,  der  zuerst  in  mustergültiger  Weise  den  Einfluß  der  natürlichen  Lebensbedingungen
  auf  die  Entwicklung  des  Volkes  behandelte,  während  dieser  die  inneren  Verhältnisse,
  Sitten  und  Gebräuche,  sowie  das  ganze  geistige  Leben  eines  Zeitalters  in  den
Kreis  seiner  Beobachtung  zog  und  als  Urheber  der  Kulturgeschichte  anzusehen  ist.  Beide,
besonders  Voltaire,  haben  in  Deutschland  den  tiefgehendsten  Einfluß  ausgeübt,  und  die  bedeutendsten
  deutschen  Historiker  sind  bei  ihnen  in  die  Schule  gegangen.  Ihnen  verdanken
wir  außer  der  Förderung  der  formalen  Seite  der  Geschichtschreibung  in  letzter  Linie  die
größere  Betonung,  ja  die  Überspannung  des  kulturgeschichtlichen  Elementes.

Rousseäus  Einfluß  ist  dem  Geschichtsunterricht  in  Hinsicht  der  Methodik  sehr
förderlich  gewesen.  Dem  Fache  selbst  brachte  er  bei  seiner  gänzlich  unhistorischen  Sinnesart
nur  wenig  Verständnis  entgegen.  Nichte  kennzeichnet  seine  Anschauung  von  der  Geschichte
besser  als  das  Wort:  I}  ne  s’agit  point  de  savoir  ce  qui  est,  mais  seulement  ce  qui  est  utike.
Ziel  aller  menschlichen  Bestrebungen  in  Staat,  Religion,  Erziehung  ist  ihm,  wie  überhaupt
seiner  ganzen  Zeit,  die  Glückseligkeit  des  Einzelmenschen.  Der  Apostel  seiner  Anschauungen
in  Deutschland  ist  vor  allem  der  Philanthropist  Basedow  gewesen.

Der  wesentliche  Zweck  des  Geschichtsunterrichts  ist  ihm  die  Gewinnung  von  Glückseligkeitsregeln,
  daneben  wird  sein  Inhalt,  entsprechend  den  Anschauungen  der  Pietisten,
der  Brauchbarkeit  und  Nützlichkeit  fürs  Leben  angepaßt.  Er  ist  aber  schwach  genug,
auch  solche  Namen  und  Sachen  lehren  zu  wollen,  “worin  die  Unwissenheit  übelgenommen