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vermittelt  die  wichtigsten  politischen  Anschauungen  und  zeigt,  an  welchem
Punkte  wir  angelangt  sind  und  wo  die  Gegenwart  einzusetzen  hat.  Aus  dieser
Betrachtung  ergibt  sich  von  selbst  die  Überzeugung,  daß  nicht  gewaltsamer
Umsturz  des  Bestehenden,  sondern  Aus-  und  Umbau  auf  gegebener  Grundlage
  die  Losung  sein  muß.  Der  Gang  aber  durch  die  Geschicke  unserer  Nation
wird  in  dem  Schüler  das  Bewußtsein  der  Zugehörigkeit  zu  ihr  vertiefen.  So
entwickelt  sich  staatliche,  soziale  und  nationale  Gesinnung  und  der  Wille  zur
Weiterarbeit  am  großen  Ganzen.  Ein  von  solchen  Anschauungen  getragener
Geschichtsunterricht  ist  auf  der  Schule  um  so  nötiger,  als  nachgewiesenermaßen
weitaus  die  Mehrzahl  der  Schüler  weder  auf  den  Hochschulen  noch  im  Leben
zu  wesentlicher  historischer  Weiterbildung  gelangen.

Auswahl  und  Gliederung  des  Stoffes.?)  Mit  den  voraufgehenden  Erörterungen
  sind  die  Gesichtspunkte  für  die  Auswahl  des  Stoffes  gegeben.  Von  allgemeiner
  Staatengeschichte,  jener  kompendiösen  Aneinanderreihung  der  Geschichte
der  Kulturvölker  der  Erde,  kann  im  entferntesten  nicht  mehr  die  Rede  sein.  Sie
könnte  nur  ein  ödes,  unverstandenes  Gerippe  bleiben,  wie  solche  ehedem  auswendig
gelernt  wurden.  Noch  weniger  von  einer  die  Menschheit  umspannenden  Universalgeschichte
  oder  Kulturgeschichte,  auch  wenn  sie  sich  auf  die  Betätigung  der
Menschen  als  soziale  Wesen  beschränkte.  Sie  müßte  erst  geschrieben  werden;
noch  existiert  sie  nur  als  Idee  in  geschichtsphilosophischen  Werken.  Ebensowenig
  ist  anzufangen  in  der  Schule  mit  jener  Richtung  der  Geschichtswissenschaft,
  die  den  Schwerpunkt  in  die  Massenvorgänge  verlegt  und  in  den  historischen
  Personen  nicht  Träger  und  Leiter  der  Geschichte,  sondern  nur  den
Ausdruck  der  Gesamtdisposition  ihrer  Zeit,  in  den  Geschehnissen  aber  das
Resultat  eines  gesetzmäßigen  Entwicklungsprozesses  erblickt,  der  es  am  Ende
nach  Analogie  der  naturwissenschaftlichen  Erkenntnis  auf  die  Klarstellung  s0g.
historischer  Gesetze  und  Begriffe  ankommt,  die  in  ihren  letzten  Folgerungen
dahin  führen  müßte,  nicht  nur  die  Einzelpersönlichkeit,  sondern  auch  die  Völker

)  Bernheim,  Herbst,  Biedermann,  Jäger,  Willmann,  Hinneberg,  Lorenz,
Ed.  Meyer,  Neubauer  a.  a.  O.  Martens,  Neugestaltung  des  Gesch.-Unt.  Preuß.  Direkt.-Versamml.
  1892.  —  Fournier,  Über  Auffassung  u.  Methode  der  Stastahistorie  in  seinen
Hist.  Skizzen.  1885.  —  Maurenbrecher,  Gesch.  u.  Politik.  1884.  —  Gothein,  Die  Aufgaben
  der  Kulturgesch.  1889.  —  Dietrich  Schäfer,  Gesch.  u.  Kulturgesch.  1891.  —
Lamprecht,  Alte  u.  neue  Richtungen  in  der  Geschichtswissenschaft.  1896;  Die  historische
Methode  des  Herrn  von  Below.  1899;  Die  kulturhistorische  Methode.  1906.  —  Lamprecht
u.  Kämmel,  Ein  Briefwechsel  über  moderne  Forderungen  an  den  Gesch.-Unt.  in  den  NJ  I.  —
v.  Below,  Die  neueste  histor.  Methode  in:  Histor.  Zeitschrift.  1898.  —  Lindner,  Geschichtsphilosophie.
  1904.  —  Windelband,  Gesch.  u.  Naturwissenschaft.  1904.  —  Schiller,  Bedarf
es  eines  besonderen  Unterrichtsgegenstandes,  um  den  Schülern  höh.  Lehranstalten  die  Kenntnis
  der  staatlichen  Einrichtungen  zu  sichern?  ZGW  1888.  —  Asbach,  Direktorenkonf.  der
Rheinprovinz  (1903).  —  Ders.,  Deutschlands  gesellschaftl.  u.  wirtschaftliche  Entwicklung
(1900).  —  Neubauer,  Volkswirtschaftliches  im  Gesch.-Unt.  1894.  —  Moormeister,  Über
volkswirtschaftl.  Belehrungen  usw.  1889;  u.  Das  wirtschaftl.  Leben  in  Vergangenheit  u.
Gegenwart.  1891  u.  a.  —  Willmann,  Der  elementare  Geschichtsunterricht.  —  Verhandl.
d.  2.  Historikertagen.  1894.  —  H.  Grimm,  Der  Geschichtsunterricht  in  aufsteigender  Linie.
1891.  Fragmente.  1.  Bd.  1900.