Das  Verhältnis  zu  den  anderen  Fächern.  683

zu  beginnen.  Was  aber  auf  der  Volksschule  nicht  angeht,  ist  auf  den  höheren
Schulen  erst  recht  nicht  möglich,  und  die  Zeit  dürfte  wohl  nie  kommen,  wo
man  der  Zillerschen  Konzentration  zuliebe  die  bewährten  Lehrgänge  der  einzelnen
  Fächer  aufgibt.

Den  gesunden  Kern  dieses  Gedankens  könnte  man  oft  mehr,  als  es  gemeinhin
  geschieht,  beherzigen  und  nicht  heterogene  Unterrichtsstoffe  derselben  Klasse
zuschieben,  wie  es  z.  B.  nach  den  preußischen  Lehrplänen  bei  der  Untertertia
geschieht,  der  man  die  Geschichte  vom  Tode  des  Augustus  und  zugleich  in  der
Erdkunde  die  außereuropäischen  Erdteile  zuweist,  während  unbeschadet  der  Wirksamkeit
  des  Lehrganges  in  der  Erdkunde  dieser  Klasse  die  Durchnahme  Mitteleuropas
  übertragen  werden  konnte.  Beide  Fächer  würden  sich  dann  besser,  als  es
jetzt  geschieht,  gegenseitig  stützen  und  tragen.  Im  übrigen  lasse  man  den  Unterrichtsfächern
  ihre  Selbständigkeit,  wenn  nur  die  Überbürdung  des  Schülers  vermieden
  und  das  gemeinsame  Ziel  nicht  aus  dem  Auge  gelassen  wird,  die  Ausrüstung
  des  Jünglings  für  das  Leben.  Auch  hier  muß  daB  Wort  gelten:
Getrennt  marschieren,  aber  vereint  schlagen.

Eingegeben  ist  der  Versuch  der  Konzentration  durch  das  gerechtfertigte  Streben,
der  Vereinzelung  der  Wissensgebiete  zu  steuern,  ‘Brockenwahrheiten’  zu  vermeiden,
‘die  den  Geist  der  Wahrheit  selber  töten  und  die  Kraft  der  Selbständigkeit,  die
auf  ihr  ruht,  auslöschen’  (Pestalozzi).  Aber  auch  ohne  besondere  Veranstaltungen
findet  der  Geschichtsunterricht  in  den  anderen  Unterrichtsfächern  mehr  Hilfe
und  Ergänzung  als  jedes  andere  Fach.  Das  ist  es  gerade,  was  ihm  neben  dem
Deutschen  und  der  Religion  eine  zentrale  Stellung  verleiht,  wenn  er  auch  stets
ein  Nebenfach  bleiben  wird  (S.  676).  Vor  allem  kommt  es  darauf  an,  daß  der
Geschichtslehrer  diesen  von  selbst  zuströmenden  Stoff  beherrscht  und  ihn  an
der  zuständigen  Stelle  einordnet.  Nur  wenn  sie  so  der  Vereinzelung  entrissen
werden,  gewinnen  diese  Belehrungen  bleibenden  Wert.  Vielfach  findet  der
Lehrer  sie  in  der  Nähe,  in  der  Klassenaufgabe  selbst;  oft  muß  er  auf  frühere
Klassen  zurückgreifen  und  in  Vergessenheit  geratene  Dinge  lebendig  machen.
Er  wird  bei  diesem  Beginnen  bei  den  Schülern  aller  Stufen  das  größte  Interesse
und  die  erfreulichste  Mitwirkung  finden.  Beruft  er  sie  doch  zur  Betätigung
ihrer  Kraft  und  zur  Mithilfe.  |

Der  Religionsunterricht  bietet  in  der  biblischen  Geschichte  eine  vorzügliche
  Ergänzung  für  den  Vorbereitungskursus,  nicht  minder  ferner  durch  die
Bibellektüre  für  den  eigentlichen  Geschichtsunterricht,  und  zwar  nicht  allein
für  die  alte  Geschichte  Auch  die  kirchengeschichtlichen  Belehrungen  können,
wenn  nicht  vom  konfessionell-polemischen  Standpunkt,  sondern  mehr  als
Religionsgeschichte  erteilt,  das  Verständnis  vertiefen.  Oft  genug  allerdings
erwachsen  von  dieser  Seite  die  größten  Verdrießlichkeiten.  Viel  bedeutsamer
ist  aber  der  Stoff,  welcher  der  Geschichte  aus  dem  Unterrichte  im  Deutschen
und  den  fremden  Sprachen  zufließt,  er  bildet  meist  eine  geradezu  unentbehrliche
Ergänzung.  Von  gewisser  Seite  wird  die  Notwendigkeit  der  Quellenlektüre
betont.  Im  altsprachlichen  Unterricht  haben  wir  sie  im  eigentlichen  Sinne
des  Wortes  in  der  Lektüre  der  alten  Historiker  und  der  Reden  der  Staats-